Aquarelle und Ölgemälde von Annemarie Mevissen sind bis Februar im Pflegeheim Sparer Dank zu sehen Auch künstlerisch voller Gestaltungskraft

Vor Kurzem wurde eine Straße in den Wallanlagen nach ihr benannt, jetzt können die Bremer ihre Malerei bewundern: Das Pflegeheim Sparer Dank der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zeigt Aquarelle und Ölbilder von Annemarie Mevissen, der ersten und lange Zeit einzigen weiblichen Bürgermeisterin Bremens. Im Oktober wäre sie 100 Jahre alt geworden.
21.12.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christiane Tietjen

Vor Kurzem wurde eine Straße in den Wallanlagen nach ihr benannt, jetzt können die Bremer ihre Malerei bewundern: Das Pflegeheim Sparer Dank der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zeigt Aquarelle und Ölbilder von Annemarie Mevissen, der ersten und lange Zeit einzigen weiblichen Bürgermeisterin Bremens. Im Oktober wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Dass sie für die Politik Bremens auf vielen Gebieten eine Wegbereiterin war, ist die eine, und gewiss die bekanntere Seite Annemarie Mevissens, der ersten weiblichen Senatorin und Bürgermeisterin Bremens. Dass sie jedoch während ihrer kräftezehrenden Amtszeit und vor allem im Ruhestand leidenschaftlich malte, ist eine andere Seite der beherzten Politikerin, die wahrhaft Beachtung verdient.

Erste Werke von ihr wurden in ihrem Abitursjahr 1934 in der Oberschule an der Karlstraße ausgestellt. Ihr Sohn Edmund hat in späteren Jahren seine malende Mutter noch gut in Erinnerung. „Sie saß dann im kleinen Atelierhaus in Oberneuland im Garten ihrer Eltern, den sie sehr liebte, mit einem frisch gepflückten Blumenstrauß in der Vase vor ihr“, erzählt er. „Zweimal schloss sie sich einer internationalen Künstlergruppe in der Provence an, zum einen wegen der Motive, zum andern, um ihre Technik zu verfeinern. Hund Nico, ein Abschiedsgeschenk des Senats, war auch mit dabei.“

Edmund Mevissen hat den Blick seiner Mutter für die Schönheiten und Besonderheiten der Natur geerbt. Der ehemalige Vorsitzende des Bremer Personalrats malt sozusagen mit der Kamera, auf fernen Reisen oder in der näheren Umgebung.

Wie ein Profi

Viel Schwung und Kunstfertigkeit spricht aus den Aquarellen und Ölbildern der Autodidaktin Annemarie Mevissen. Das „Steilufer im Westen Maltas“ besticht durch das komplementäre Gelb der Mimosen vor dem hellen Meeresblau. Und die sommerliche, vom Wind bewegte „Wiesenlandschaft“ lädt geradezu ein, darin spazierenzugehen, den schiefen Zaun entlang.

Auch die vielen Blumenbilder haben diese lebhafte Dynamik und lebensfrohe Ausstrahlung, die durch den Eindruck von Tiefe und Licht geschaffen wird. Einige Bilder sind Leihgaben von Sohn Edmund, andere sind im Besitz einer Freundin Annemarie Mevissens, Christina Sylla, die wegen ihres Umzugs in ein Altenwohnheim bereit ist, Bilder zu verkaufen. Zu erreichen ist sie unter der Telefonnummer 02 11 / 528 06 02. Sylla war es auch, die die Idee zu der Ausstellung im Foyer des Awo-Pflegeheims Sparer Dank hatte.

Eine stolze Reihe von 14 Bildbänden gehört zum Werk Annemarie Mevissens. Beeindruckend sind allein schon die Skizzen, die sie in Oberneuland, Osterholz, der Wümmerniederung und auf Auslandsreisen gemacht hat, übertroffen nur noch von den Darstellungen der farbigen Bilder. Dazu schreibt sie detailliert von ihren ganz persönlichen Eindrücken. Im Awo-Pflegeheim Sparer Dank liegen drei Titel aus, die dort für 8,90 Euro zu erwerben sind. Außerdem ist dort die spannende Biografie „Frau Bürgermeister Annemarie Mevissen“ der Historikerin Renate Meyer-Braun zum Preis von zehn Euro zu erwerben, erschienen im Hauschild-Verlag.

Die Reden zur Vernissage der Ausstellung hielten Ute Wedemeier als Vorsitzende des Awo-Landesverbandes Bremen und Christian Weber, Präsident der Bremischen Bürgerschaft. Beide lobten die Gestaltungskraft von Annemarie Mevissen, die sich sowohl in ihrem politischen als auch in ihrem künstlerischen Schaffen gezeigt habe. „Sie redete nicht von Emanzipation“, sagte Christian Weber. Mit Nachdruck fügt er hinzu: „Sie war es. Und das zu einer Zeit, die von Männern dominiert wurde.“

Die Ausstellung ist noch bis zum 13. Februar

im Awo-Pflegeheim Sparer Dank, Kulenkampff-allee 142 a, zu sehen.

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