Verkehrsbehörde will kein Pflaster in der Ritterstraße / Anwohner kämpfen weiter Auf Asphalt gebissen

Steintor. Die Entscheidung ist gefallen. Dagegen hat auch eine weitere Aktion von Anwohnern der Ritterstraße nichts ausrichten können.
30.09.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Liane Janz

Steintor. Die Entscheidung ist gefallen. Dagegen hat auch eine weitere Aktion von Anwohnern der Ritterstraße nichts ausrichten können. Pflasterbefürworter haben sich schriftlich an Bau- und Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) gewandt und ihm bei der Landesmitgliederversammlung der Grünen ihre Briefe überreicht. Derzeit werden Ritter- und ein Teil der Schweizer Straße für eine Kanalsanierung aufgerissen. Die Planungen sehen vor, die Straßen danach zu asphaltieren.

In ihren Briefen wollten die Anwohner den Senator bei seinen grünen Grundsätzen packen. „Nachhaltigkeit bedeutet auch, dass man bereits vorhandenes Material wiederverwendet. Nachhaltigkeit bedeutet ferner, dass auf die Finanzen der Generationen nach uns Rücksicht genommen wird“, schreibt Fritz Jetzek in einem der Briefe. Die Ritterstraßenanwohner gehen davon aus, dass die Stadt Pflastersteine vorrätig hat oder demnächst aus anderen Bauprojekten zur Verfügung haben wird, und argumentieren unter anderem auch damit, dass Asphalt häufiger erneuert werden muss als Pflaster.

Weitere Argumente der Anwohner sind der breite Bürgerwille – in der Straße gab es, wie berichtet, eine Befragung, bei der sich die deutliche Mehrheit für Pflaster aussprach – sowie die Wahrung des historischen Stadtbilds, das unter anderem für den Tourismus im Viertel ein Aspekt sei. Die einzige Nebenstraße der Straße Vor dem Steintor, die asphaltiert ist, sei die Helenenstraße, betonen die Anwohner der Ritterstraße. Alle anderen Seitenstraßen haben noch ihren historischen Belag. Natursteinpflaster sei ökologischer als Asphalt, und die Ritterstraße habe keine übergeordnete Bedeutung im Wegenetz, müsse also nicht für Radfahrer extra hergerichtet werden, heißt es in den Briefen. Auch der Beirat Östliche Vorstadt mit grüner Mehrheit hat sich in seinem Beschluss von September für Pflaster in der Ritterstraße ausgesprochen.

Auf die Frage ans Amt für Straßen und Verkehr (ASV), wie mit dem Beschluss umgegangen wird, antwortet der Sprecher des Bau- und Verkehrssenators. „Die Entscheidung, ob da hinterher Pflaster hinkommt oder Asphalt, liegt bei uns“, sagt Jens Tittmann. Der Beirat treffe seine Entscheidung im Rahmen der Trägerbeteiligung. Er werde gehört, ein Vetorecht habe er nicht. Und die Entscheidung stehe. Die Ritterstraße wird nach dem Vorbild der Horner Straße hergestellt: Asphalt auf der Fahrbahn, Pflaster im Rinnstein und den Parkbuchten.

„Wir versuchen, mit Pflasterelementen den Charakter der Straße zu erhalten“, sagt Tittmann. Asphalt sei aber fahrradfahrerfreundlicher, barrierefrei, verkehrssicherer, besonders bei Nässe, Laub und Schnee, sowie lärmmindernd. Das seien vier gewichtige Gründe und außerdem grüne Standpunkte.

Die Lärmminderung verstehen die Anwohner als Risiko, weil spielende Kinder herannahende Autos nicht hörten, erst recht dann nicht, wenn die Elektromobilität zunehme. Eine massive Gefährdung durch Elektroautos sehe man in der Ritterstraße nicht, entgegnet Jens Tittmann. Auf den Beiratsbeschluss angesprochen, sagt der Behördenvertreter. „Die Anwohner bekommen eine nach individuellen Wünschen gestaltete Straße.“

Der erste Entwurf des Amtes für Straßen und Verkehr zeigte eine schnurgerade graue Linie ohne einen einzigen grünen Punkt. Die Anwohner haben erreicht, dass die Parkstreifen versetzt angelegt werden und Hansewasser den Kanal verschwenkt verlegt, damit Bäume gepflanzt werden können.

Eine gepflasterte Fahrbahn sei der einzige Punkt, der nicht realisiert werde, so sieht es der Behördensprecher. Asphalt komme auf die Straße. „Davon rücken wir hier nicht ab.“

Die Entscheidung mit Begründung ist dem Ortsamt inzwischen schriftlich zugegangen. Darin gibt das Ressort auch einen Blick in die Zukunft. Straßen, die nicht im Pflasterkataster stehen, wie der südliche Abschnitt der Horner Straße oder die Stedinger Straße, werden im Falle einer Komplettsanierung asphaltiert.

Die Anwohnerinnen und Anwohner der Ritterstraße wollen trotzdem weiter für Pflaster kämpfen. Unterstützt werden sie dabei vom Kreisverband Mitte-Östliche Vorstadt der Grünen, der die Verkehrsbehörde aufgefordert hat, „die Entscheidung zurückzunehmen und dem Wunsch der Anwohner zu entsprechen“.

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