Dringende Sanierung notwendig Auf Bremer Schultoiletten stinkt es zum Himmel

Schüler beschweren sich im Bildungsausschuss über den Zustand der Toiletten. Jetzt dringen Stadtteilpolitiker auf Sanierungsarbeiten an der Oberschule an der Schaumburger Straße.
16.03.2018, 18:46
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Auf Bremer Schultoiletten stinkt es zum Himmel
Von Sigrid Schuer

Schülerinnen und Schüler der Oberschule an der Schaumburger Straße, des Gymnasiums an der Hamburger Straße und der Gesamtschule Mitte sind in der Sitzung des Bildungsausschusses zu Wort gekommen. Die Stadtteilpolitiker hatten sie eingeladen und wollten nicht nur ihre Arbeit vorstellen, sondern vor allem hören, wo der Schuh drückt.

An der Oberschule an der Schaumburger Straße, erfuhren die Beiratsmitglieder, seien die Toiletten in einem katastrophalen Zustand. „Da wird seit Jahren nichts gemacht“, monierte ein Zehntklässler. Erschwerend komme hinzu, dass sich der Anbau des Toilettenhäuschens am alten Schulgebäude in unmittelbarer Nähe der Mensa befinde, die allerdings momentan nicht genutzt werde.

Und die Toiletten im Neubau seien nicht für alle Schülerinnen und Schüler zugänglich. Besserung ist nicht in Sicht. Der sogenannte W-Trakt, also die Schulräume, die für die naturwissenschaftlichen Fächer Chemie und Physik genutzt werden, seien außerdem kurz davor auseinanderzufallen, erzählten die Schüler.

Toiletten-Problem betrifft viele Bremer Schulen

Laut Dieter Mützelburg, der als sachkundiger Bürger für die Grünen im Bildungsausschuss sitzt, hat Immobilien Bremen bis 2021 nicht vor, dort zu investieren. Peter Schulz, der Sprecher von Immobilien Bremen, bestätigte das. Es gebe eine lange, ressortinterne Toilettenliste, die mit der Bildungsbehörde peu à peu abgearbeitet werde, sagte er. „Wir wissen, dass die Situation alles andere als optimal ist.“ Noch sei allerdings an der Schaumburger Straße nichts Konkretes geplant.

Der Ausschuss hat auf Anregung von Mützelburg beschlossen, sowohl die Finanz- als auch die Bildungssenatorin in die Pflicht zu nehmen und zu fordern, dass die Toiletten-Misere bis Anfang des neuen Schuljahres behoben werden muss. Christa Sanders-Terhorst, selbst langjährige Rektorin am Alten Gymnasium und sachkundige Bürgerin im Bildungsausschuss, wies allerdings darauf hin, dass das Toiletten-Problem viele Bremer Schulen betreffe.

Das Gymnasium an der Hamburger Straße zumindest nicht, das betonte jedenfalls Schulsprecherin Johanna Hesemann im Bildungsausschuss. Die Schülerschaft hat andere Probleme: Nach dem schweren Autounfall auf der Hamburger Straße vor einigen Wochen verlangen die Schülerinnen und Schüler, dass vor der Schule eine Tempo-30-Zone eingerichtet wird.

Auch mit der Mensa zufrieden

Auf der Hamburger Straße seien oft Raser unterwegs, die sogar die Straßenbahn überholen, bestätigte der Grünenpolitiker Jens Schabacher. Ähnlich gefährliche Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung sind allerdings auch in den Tempo-30-Zonen Vor dem Steintor und Ostertorsteinweg zu beobachten.

Die Mitglieder des Ausschusses wollen das Anliegen zuerst einmal an den Verkehrsausschuss übermitteln und ermutigten auch die Schülerinnen und Schüler dazu, am Ball zu bleiben. Eine Möglichkeit könnte ein Zebrastreifen auf der Hamburger Straße sein. Birgit Menz, sachkundige Bürgerin der Linken, bot an, Kontakt zu der Bürgerinitiative herzustellen, die sich auf dem Osterdeich für einen Zebrastreifen einsetzt.

Zufrieden ist die Schülerschaft an der Hamburger Straße offenbar auch mit ihrer Mensa, und auch über etwaigen Unterrichtsausfall gab es in der Sitzung es keine Klagen. Ganz anders sieht das an der Oberschule an der Schaumburger Straße aus. Die Grünen-Politikerin Kirsten Wiese betonte als Ausschusssprecherin allerdings, dass die Schule viel besser sei als ihr Ruf.

Klagen über hohen Unterrichtsausfall

Die Stadtteilpolitiker wollen die Oberschule an der Schaumburger Straße, die weniger angewählt steht, unbedingt stützen. Damit folgen sie der Empfehlung der Inklusionsexpertin Andrea Herrmann aus dem Bildungsressort. Die Schüler beklagten den hohen Unterrichtsausfall und den generellen Mangel an fachlich versierten Vertretungskräften.

Zwar seien die Inklusionsklassen mit Lehrerinnen und Lehrern doppelt ausgestattet. Falle jedoch Unterricht aus, müssten Inklusionslehrer einspringen. Das könne generell nicht angehen, befand die FDP-Politikerin Christa Sanders-Terhorst. So habe es an der Schaumburger Straße über drei Schuljahre hinweg keinen Französischunterricht gegeben.

Generell ein Problem ist der Wegfall ganzer Sprach-Leistungskurse. So gebe es in ganz Bremen nur noch zwei Französisch-Leistungskurse und in Spanisch überhaupt keinen Leistungskursus mehr, hieß es in der Sitzung. Und auch das wichtige Fach Physik verschwinde langsam aus den Lehrplänen.

Fächervielfalt lediglich an großen Oberstufen garantiert

Auch das sei ein unhaltbarer Zustand, fanden die Ausschuss-Mitglieder. Und die Schülerinnen und Schüler meinten, dass es schon schön wäre, wenn es bei den Profilausrichtungen der weiterführenden Schulen mehr Wahlmöglichkeiten gebe. Am Gymnasium Hamburger Straße können Schülerinnen und Schüler Chinesisch lernen, ein Angebot, das auch Neueinsteigern aus anderen Schulen offen steht.

Bis 2010 konnten die Gymnasiasten an ihrer Schule auch Japanisch lernen. Christa Sanders-Terhorst vertrat als ehemalige Rektorin und sachkundige Bürgerin die Ansicht, dass das Einrichten vieler kleiner Oberstufen kein Gewinn, sondern eher ein Verlust sei. Eine Fächervielfalt sei lediglich an großen Oberstufen garantiert.

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