Fest mit Musik und Handwerk aus dem Mittelalter / Veranstalter laden für heute um 10 Uhr zum ökumenischen Gottesdienst

Auf Burg Blomendal kämpfen die Ritter

Heerscharen von Rittern, Burgfräuleins und Musikanten zogen gestern Mittag Schlag 12 Uhr in den Innenhof von Haus Blomendal in Blumenthal ein. Burgherr Klaus Peters eröffnete das 14. Burgfest, das erstmalig ganz im Zeichen des Mittelalters steht.
09.09.2012, 05:00
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Von Danela Sell
Auf Burg Blomendal kämpfen die Ritter

Angeführt von den Musikern zieht die mittelalterliche Gesellschaft in den Innenhof von Haus Blomendal. Auch heute wird noch gefeiert, das 14. Burgfest endet um 20 Uhr.

Heerscharen von Rittern, Burgfräuleins und Musikanten zogen gestern Mittag Schlag 12 Uhr in den Innenhof von Haus Blomendal in Blumenthal ein. Burgherr Klaus Peters eröffnete das 14. Burgfest, das erstmalig ganz im Zeichen des Mittelalters steht.

Blumenthal. Zwischen Beeke und Aue wimmelt es an diesem Wochenende nur so von Rittern in schweren Rüstungen, Burgfräuleins in langen, wallenden Gewändern und Musizierenden, die für historische Klänge sorgen. "Seyed gegrüßt!", hieß es gestern Mittag bei der Eröffnung des 14. Burgfestes in Blumenthal. Heute wird weiter gefeiert.

Allen Musikern voran blies gestern "Docatius Viator" den mittelalterlichen Marktsack. Er gehört zum Fantasievolk der Liberi Effera (Freie Wilde) aus dem ausgedachten Reich "Nordort". Der Herold sprach "Marktsprech" und erklärte auch, warum: "Ernsthaftes Mittelhochdeutsch kann keiner verstehen". So bedienten sich die meisten Herrschaften auf mittelalterlichen Märkten dieser Kunstsprache, um die Atmosphäre möglichst authentisch und verständlich zu gestalten.

Rund um die Burg Blomendal sind Heerlager aufgeschlagen. Dort gibt es Zelte und Handwerksstände, Brätereien, Fuseltavernen und Kampfplätze, auf denen sich die friesischen "Krieger von Ramstäk" Schaukämpfe mit den "Rittern des Deutschen Schwertordens" liefern. Deutschlandweit gehören ihm rund 60 Hobbykämpfer an. Markus Brille alias Marius von Britzik sagt: "Wir sind kein historisch belegter Orden. Unsere Regeln sind angelehnt an die des Deutschen und des Templer Ordens. Aber wir sind freier in unseren Entscheidungen." So seien beim Deutschen Schwertorden auch Frauen erlaubt. Bei dem 36-Jährigen kam das Interesse für das Mittelalter vor 15 Jahren. Er hatte das strahlende Bild des Ritters vor Augen und wollte das Drumherum näher kennenlernen.

Met und Tildaer Rostbratwurst

Was die Raubritter einst tranken, weiß Eike Tjard Hinrichs von der "Taverne 1300". "Wasser war damals dreckig. Es hieß sogar, das Wasser verderbe Leber und Darm. Deshalb gab man ein bis zwei Prozent Alkohol dazu. Geschmeckt hat das allerdings wie Plörre, also wurde als Geschmackgeber Traubensaft beigemischt", sagt der Auszubildende zum Veranstaltungskaufmann aus Wilhelmshaven. So entstanden Getränke wie "Blut" oder "Rote Ziege", die es neben Met am Stand des "Tresenbären" zu verköstigen gibt. Der Duft von Gegrilltem lässt erahnen, womit sich die Ritter einst den Wanst vollgeschlagen haben: Tildaer Rostbratwurst, Wild und Geflügel vom Holzkohlegrill. Dazu frisches deftiges Brot, angeboten von Jana von der Baekery. Sie ist das ganze Jahr über hauptberuflich auf historischen Märkten unterwegs.

Direkt nebenan hat die "Asgard Schmiede" aus Gröpelingen ihr Zelt aufgeschlagen. Sie bietet Morgensterne, Schwerter, Kettenhemden und Helme an. "Ein Ritter hat bis zu 100 Kilo Rüstung am Leib gehabt", sagt Thorsten Queck. Fünf bis acht Kilo der Helm, darunter eine Bundhaube, Gambeson oder Waffenrock, Kettenhemd, Handschuhe, Rüstung und Waffen. Im wahren Leben ist Queck Gerüstbauer. Mit Tätowierer Sebastiano Rubino hat er die Schmiede "als zweites Standbein für das Alter" gegründet.

Auch das mittelalterliche Handwerk ist vertreten. Kunst aus Ton hat Christiane Hopmann von der kleinen Kunstwerkstatt mitgebracht. Neben Dekorativem gibt es bei der gebürtigen Bremerin die mittelalterlichen Bierhumpen mit Wolf, Hexe oder Wappen. Dietmar Schaal alias Godehard zeigt die Kunst, wie Kettenhemden vor rund 1000 Jahren hergestellt wurden. Emanuel Paul zeigt insbesondere für Kinder die Kunst des Schmiedens. Die kleinen Knappen können sich außerdem beim Bogenschießen mit den Blumenthaler Schützen und beim Dracheneiwerfen vergnügen.

Das Burgfest wird auch am heutigen Sonntag gefeiert. Beginn ist um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst, danach wird der Schirmherr der Veranstaltung, Radio-Bremen-Moderator, Schauspieler und Regisseur Dirk Böhling, zum Ritter geschlagen. Das Fest endet um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Parkmöglichkeiten sind begrenzt.

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