Bremer Märkte während der Corona-Pandemie

Wie Betreiber und Kunden des Findorffmarkts mit der Krise umgehen

Die Wochenmärkte in Bremen sind geöffnet - und es kommen mehr Kunden, trotz und wegen Corona. Besuch auf dem Findorffmarkt: Wie Betreiber und Kunden mit der Krise umgehen.
21.03.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Wie Betreiber und Kunden des Findorffmarkts mit der Krise umgehen
Von Sabine Doll
Wie Betreiber und Kunden des Findorffmarkts mit der Krise umgehen

"Abstand halten" gilt auch auf den Wochenmärkten, wie hier in Findorff. Die Standbetreiber haben gut zu tun, die Nachfrage sei gestiegen.

Frank Thomas Koch

Knapp ein Dutzend Brötchen, ein Croissant, vier Käsekuchen-Törtchen – und eine lange Liste mit Vorbestellungen für den nächsten Markttag. Kirstin Lutterbeck macht Feierabend auf dem Findorffmarkt. Es ist gegen zwölf Uhr am Mittag, viel früher als in normalen Zeiten ist damit Schluss für sie auf dem Stadtteilmarkt. „Wir sind so gut wie ausverkauft, obwohl wir schon aufgestockt haben.“ Dreimal in der Woche öffnen Marktbeschicker und Betreiber wie Lutterbeck von der Steinofen-Backstube Hollen ihre Stände auf dem Gelände zwischen Neukirchstraße und Eickedorfer Straße. Auch in Corona-Zeiten.

Seit Anfang der Woche, als die Behörden wegen der Ausbreitung des Coronavirus flächendeckende Einschränkungen im öffentlichen Leben verkündeten, habe sich die Nachfrage verändert: „Es kommen deutlich mehr Kunden, und viele von ihnen kaufen auch mehr als an normalen Markttagen. Am Dienstag waren wir um 10.30 Uhr ausverkauft“, sagt Lutterbeck. „Ums Hamstern oder Bevorraten geht es eher nicht, immerhin handelt es sich bei den meisten Waren auf dem Markt um frische Lebensmittel. Der Bedarf ist deshalb größer, weil die Menschen jetzt zu Hause sind.“ Kitas und Schulen sind dicht, viele Erwachsene arbeiten im Homeoffice oder bleiben zu Hause, um ihre Kinder zu betreuen.

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Der Findorffmarkt brummt – wegen Corona. Aber auch trotz Corona. Die Wochenmärkte sind wie andere Lebensmittelläden explizit von Beschränkungen und Schließungen ausgenommen. Fast 40 Märkte hat der Großmarkt auf seiner Internetseite aufgelistet, auch sonnabends sind sie geöffnet. „In Corona-Zeiten bieten gerade die Wochenmärkte im Land Bremen eine gute Einkaufsmöglichkeit an der frischen Luft“, sagt Hans Peter Schneider, Geschäftsführer der M3B GmbH, zu der der Großmarkt Bremen inklusive der Wochenmärkte gehört. „Die Händler bieten frische Waren aus der Region und stellen somit eine Grundversorgung der Gesellschaft in Krisenzeiten sicher“, betont Schneider.

Einkaufen in Corona-Zeiten bedeutet aber auch: Abstand zu anderen Menschen halten, in die Armbeuge niesen, möglichst wenig Kontakt auch beim Bezahlen. Am Obst- und Gemüse-Stand von Björn True werden die Kunden auf einem Schild darum gebeten, die Ware nicht anzufassen. „Wer sonst gerne mal auf dem Blumenkohl herumdrückt oder die Paprika dreht und wendet, soll dies bitte unterlassen. Im Grunde klappt das ganz gut, manchmal muss man aber darauf aufmerksam machen“, sagt der Standbetreiber. Seine Mitarbeiter hat True angehalten, regelmäßig die Hände zu waschen. Den notwendigen Abstand zwischen Kunde und Verkäufer schaffe der Tresen mit der Auslage.

Thema Corona - Wochenmärkte bleiben geöffnet - Reportage auf dem Findorffer Markt

Mit Schildern werden die Kunden auf die besonderen Regeln aufmerksam gemacht.

Foto: Frank Thomas Koch

Sicherheit durch Abstand

Auf dem Markt sind viele ältere Bewohner aus dem Stadtteil unterwegs. Sie gehören, wie Menschen mit Vorerkrankungen und einem geschwächten Immunsystem, zur Risikogruppe. Infizieren sie sich mit dem Coronavirus, ist die Gefahr groß, dass die Lungenerkrankung Covid-19 einen schweren und lebensgefährlichen Verlauf nimmt. Hainer Wörmann und Anne Schlöpke gehören zur Risikogruppe der Älteren, wie sie sagen. Auf dem Findorffmarkt sind der Jazzmusiker und die bildende Künstlerin Stammkunden. „Auch in diesen Zeiten. Wir achten darauf, den notwendigen Abstand zum eigenen Schutz und zum Schutz anderer einzuhalten“, sagt Schlöpke. Die Schließung von Geschäften und die Absage von Veranstaltungen seien sinnvoll und notwendig. „Wir sind selbst davon betroffen, weil wir ein Konzert und eine Ausstellung absagen mussten. Aber wir stehen absolut hinter diesen Schutzmaßnahmen.“

Abstand in den Gängen zwischen den Ständen einzuhalten, ist je nach Kundenaufkommen nicht immer ganz einfach. Und auch beim Schlangestehen an den Marktständen gibt es – trotz Hinweisschildern – immer noch Aufrücker. „Wenn wir das sehen, machen wir darauf aufmerksam“, sagt Lutterbeck, an deren Brotwagen auch ein Schild hängt. „Die anderen Kunden in der Warteschlange reagieren ebenfalls, wenn ihnen jemand zu nahe kommt, manchmal auch ganz schön rüde.“

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Der Findorffmarkt ist sozialer Treffpunkt im Stadtteil: An den Markttagen kommen viele Menschen dort zusammen – zum Einkaufen, zum Plaudern und zum Kaffeetrinken. Annika Sauermann lebt im Stadtteil, geht regelmäßig auf dem Markt einkaufen – und ist eine der Betreiberinnen der „Espressostation“ am Findorffmarkt. „Die Kaffeebar haben wir bis auf Weiteres geschlossen, weil es drinnen einfach zu eng ist.

Der notwendige Abstand könnte nicht eingehalten werden“, sagt sie. Sauermann ist mit ihren Kindern Ferdinand (10) und Martha (8) auf dem Markt, um Sträucher für den Osterschmuck zu kaufen. An den Markttagen vor dem Fest dürfte es noch um einiges voller an den Ständen werden – sofern der Findorffmarkt geöffnet bleibt. Sauermann hat ihren Kindern vor dem Marktbesuch noch einmal erklärt, Abstand zu anderen zu halten und sich nicht ins Gesicht zu fassen, und warum dies so wichtig ist. „Es geht um ein gemeinschaftliches, soziales Verhalten und um Rücksichtnahme. Wir wollen uns und andere schützen.“ Hysterie sei nicht angebracht, aber Respekt, sagt sie.

Weitere Informationen

Der Großmarkt Bremen hat die Öffnungszeiten sämtlicher Wochenmärkte im Internet veröffentlicht. Die Adresse: www.grossmarkt-bremen.de/auf-den-maerkten/alle-maerkte.

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