Der 16-jährige Justin Matthies lernt im segelnden Klassenzimmer des Ausbildungsschiffs „Johann Smidt“

Auf dem Weg nach Panama

Der 16-jährige Justin Matthies aus Neuenkirchen schippert seit Oktober auf dem Ausbildungsschiff „Johann Smidt“ der High Seas High School über die Weltmeere. Bis Mai wird er unterwegs sein. Über Weihnachten lernte er mit 25 Mitschülern in Grenada tauchen. Ab und zu hören seine Eltern auch mal von ihm.
31.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sylvia Wörmke
Auf dem Weg nach Panama

Justin Matthies ist sieben Monate auf dem Zweimaster „Johann Smidt“ auf Weltreise.

Justin, FR

Der 16-jährige Justin Matthies aus Neuenkirchen schippert seit Oktober auf dem Ausbildungsschiff „Johann Smidt“ der High Seas High School über die Weltmeere. Bis Mai wird er unterwegs sein. Über Weihnachten lernte er mit 25 Mitschülern in Grenada tauchen. Ab und zu hören seine Eltern auch mal von ihm.

Sieben Monate lang ist der 16-jährige Justin Matthies aus Neuenkirchen – wie berichtet – in einem „segelnden Klassenzimmer“ unterwegs. Auf der „Johann Smidt“ der High Seas High School hat er normalen Unterricht. Er muss aber wie seine 25 Klassenkameraden aus ganz Deutschland und der Schweiz auch die Dienste der Crew bewältigen und lernt an exotischen Orten wie Grenada tauchen und die Welt kennen. Von Europa ging es über den Atlantik nach Martinique. Weihnachten war das Schiff in Grenada. Weiter geht es jetzt nach Panama, Costa Rica, Mexiko, Kuba, Bahamas, Bermuda und die Azoren. Am 2. Mai holen ihn seine Eltern wieder in Hamburg ab.

Dort war auch Start der besonderen Reise am 12. Oktober. „Wir hatten schon etwas Pipi in den Augen“, erzählt sein Vater Markus. Die Familie und ein Freund verabschiedeten Justin. Fernsehsender machten Berichte vom Abschied. Es gab einen großen Bahnhof. „Wir sind ein Stück hinterhergefahren“, erzählt Markus Matthies über den letzten Sichtkontakt. Die „Johann Smidt“ sei an der Signalstation wie ein großer Dampfer mit der Nationalhymne verabschiedet worden. Dann war Justin weg – für Monate. Die Eltern bekommen ab und zu eine SMS, manchmal ruft Justin auch an, wenn es mit der Telefonverbindung klappt und der Zeitplan es zulässt. Als die „Johann Smidt“ aber den Atlantik überquerte, war drei Wochen lang Sendepause.

Die Schüler haben nicht nur normalen Unterricht wie in der Schule an Bord. Sie müssen auch die Dienste einer Crew bewältigen, sind zur Ankerwache eingeteilt, müssen navigieren, kochen, Verpflegung besorgen. Das Internat Hermann-Lietz-Schule Spiekeroog ermöglicht mit seinem Projekt HSHS, High Seas High School, diese besondere Art des Lernens. Es soll vor allem die Eigenverantwortlichkeit stärken. Vier Lehrer und die Stammbesatzung betreuen die Schüler. Zuerst war auch noch bis Teneriffa ein Koch an Bord. Seitdem sind sie selber gefordert. Für die Zeit des Projektes ist Justin als Schüler im Internat angemeldet.

Die meisten Informationen erhalten die Eltern der Schüler über das Internet. Unter HSHS aktuell erfahren sie alles über den jeweiligen Standort des Schiffes. In einem Blog erzählen ihre Kinder abwechselnd über ihre Erlebnisse. Auch Fotos von den Erlebnissen sind zu sehen. Die Schüler schreiben über Klausuren im Pyjama und dem Leben an Bord, dem Ausflug zum Pico del Teide auf Teneriffa, dem Joggen durch die Straßen von Martinique oder – wie Justin – über das Besorgen von Proviant für die Atlantiküberquerung. „Wenn wir gesagt haben, dass wir 400 Flaschen Wasser und 30 Paletten Sprite brauchen, bekamen wir 40 Liter beziehungsweise 30 Dosen“, schreibt er.

Entsprechend ihrer Charaktere fallen die Erzählungen aus. Justin, eher zurückhaltend, hält sich an Beschreibungen der Fakten und mit Emotionen zurück. „Er ist nach wie vor begeistert“, sagt aber sein Vater. Heimweh habe er auch nicht. „Er denkt mal kurz an uns, wenn er mal nicht einschlafen kann.“ Das sei doch gut. Seine Eltern haben dafür Verständnis und auch, dass er sich meistens nur kurz meldet. Es gebe ja auch keine ruhige Ecke an Bord, in der er telefonieren könne. „Wir wissen ja, dass es ihm gut geht.“ Markus und Birgit Matthies verfolgen den Blog und ab und zu informiert der Projektleiter die Eltern auch per Mail. „An seiner Stimme ist jedenfalls nichts zu erkennen, sonst würden wir das hören“, sagt Markus Matthies und macht sich keine Sorgen um seinen Sohn Justin.

Für die Adventszeit hatten alle Eltern zusammen einen Adventskalender gebastelt, der zum Beispiel Einweg-Nutella-Packungen enthielt. „Alle sollten etwas davon haben“, sagt Markus Matthies. Eine kleine Aufmerksamkeit zu Weihnachten schickten sie auch schon lange vorher zur Tauchschule nach Grenada los. Es war nur „eine kleine Aufmerksamkeit“ weil sie nicht wussten, ob es überhaupt ankommen würde. Kurz vor Weihnachten hatte sich Justin noch bei seinen Eltern gemeldet.

Weihnachten auf der Tauchbasis

Auf Grenada verbrachten die Schüler die Festtage auf der Tauchbasis Aquanauts. Sie haben bis Januar Schulferien. Nun sind sie auf dem Weg zu den San-Blas-Inseln (Panama). Am 17. Januar verlassen sie das Schiff für einen Monat, wohnen unter anderem bei Gastfamilien und müssen sich eigenverantwortlich in einer bestimmten Zeit nach Costa Rica durchschlagen. Ein Lehrer betreut die jeweiligen Gruppen. Er greift aber nur ein, wenn er darum gebeten wird.

Birgit und Markus Matthies gehen davon aus, „dass Justin die Zeit auf der ’Johann Smidt’ in vollen Zügen genießt.“ Sie selber können gar nicht fassen, dass ihr Sohn schon so lange nicht mehr zu Hause ist. „Die Zeit vergeht so schnell.“

Informationen über das segelnde Klassenzimmer Johann Smidt:

www.hl-aktuell.de/projekte/hshs.htm

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