Gemeinde Lemwerder Auf dem Weg zur Fairtrade-Town

Einen Gastronom muss die Steuerungsgruppe noch finden, dann kann sich Lemwerder um den Titel Fairtrade-Town bewerben. Vereine, Kirchen und Politik ziehen bereits an einem Strang.
26.01.2018, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Auf dem Weg zur Fairtrade-Town
Von Barbara Wenke

Lemwerder. Die Gemeinde steht in den Startlöchern. Noch fehlt ihr ein Gastronom, um sich als Fairtrade-Town bewerben zu können. Intensiv gesucht wird nach einem Gastronomen, der sich zusätzlich zur „Bunten Kuh“ beteiligen möchte. Aber Bürgermeisterin Regina Neuke ist zuversichtlich, dieses fehlende Puzzleteil einfügen zu können.

Der Motor der Lemwerderaner Initiative ist der Eine-Welt-Laden der beiden Kirchengemeinden. Seine Mitarbeiterinnen hatten im September 2016 gemeinsam mit Pastor Arne Hildebrand die Idee ins Rathaus getragen. Bei Bürgermeisterin Regina Neuke stießen sie sofort auf offene Ohren.

Im Juni 2017 zog der Gemeinde­rat nach. Er beschloss, dass Lemwerder offiziell Fairtrade-Town werden will. Damit erfüllten die Kommunalpolitiker das erste von fünf Kriterien, die eine Kommune erfüllen muss, um den Titel Fairtrade-Town tragen zu dürfen. Verbunden ist der Beschluss mit der Selbstverpflichtung, bei öffentlichen Sitzungen oder Veranstaltungen wie dem Neujahrsempfang fortan fair gehandelten Kaffee auszuschenken und mindestens ein weiteres faires Produkt anzubieten. Auch das zweite Kriterium erfüllt Lemwerder bereits. Es hat sich eine Steuerungsgruppe mit Vertretern aus beiden Kirchengemeinden, der Werbegemeinschaft, den Landfrauen, Vereinen und dem Gymnasium als Vertreter der Schulen gebildet. „Alle Schulen haben grundsätzlich ihre Mitgliedschaft signalisiert“, freut sich die Bürgermeisterin. Aufgrund unbesetzter Schulleiterstellen an der Eschhof- und der Grundschule sei es derzeit allerdings schwierig, den passenden Ansprechpartner zu finden.

Den Vorsitz der Steuerungsgruppe hat Mitinitiator Arne Hildebrand übernommen. Aufgabe der Steuerungsgruppe ist es, die einzelnen Akteure miteinander zu vernetzen und in der Öffentlichkeit für fairen Handel zu werben.

Als Höhepunkte der bisherigen Lemwerderaner Fairtrade-Initiative bezeichnet Regina Neuke das im September 2017 angebotene faire Frühstück sowie die Feier zum zehnjährigen Bestehen des Eine-Welt-Ladens im Gemeindehaus an der Schulstraße. Eine ­tolle Erfahrung sei zudem eine Podiumsdiskussion in Bremerhaven gewesen, teilt die Bürgermeisterin mit. „Nach der Veranstaltung habe ich Rückmeldung von zwei Personen bekommen, die in der Nähe faire Mode ­anbieten“, berichtet die Gemeindechefin. Vielleicht lasse sich aufgrund der neuen Kontakte eine Modenschau organisieren, sinniert Regina Neuke. So oder so stellt sie fest: „Das Netzwerk spinnt sich langsam ­weiter.“

Während die Modenschau noch Wunschdenken ist, steht ein anderer Termin fest: der erste Fairtrade- und Regionalmarkt links der Unterweser. Dieser wird am 29. April in Brake stattfinden. „Die Steuerungsgruppe wird bei ihrem nächsten Treffen besprechen, ob wir uns daran beteiligen“, blickt Neuke voraus.

Als drittes Kriterium gilt es für Bewerber, den lokalen Einzelhandel, Floristen sowie Cafés und Restaurants, die mindestens zwei Produkte aus fairem Handel anbieten, ins Boot zu holen. „Ich möchte auch Direktvermarkter werben“, sagt Regina Neuke. „Fairer Handel bezieht sich nicht nur auf landwirtschaftliche Unternehmen in Südamerika. Es können auch Molkereien aus der Umgebung sein, die faire Preise zahlen.“ Zu möglichen Produkten zähle auch Mineralwasser aus der Region, das nicht durch die gesamte Republik transportiert werde, fügt Arne Hildebrand an.

Die Anzahl der zu beteiligenden Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomiebetriebe richtet sich nach der Einwohnerzahl der Kommune. Für Lemwerder mit seinen rund 7000 Einwohnern sind es drei Geschäfte, zwei Gastronomiebetriebe, eine Schule, ein Verein und eine Kirchengemeinde. Zudem muss die Steuerungsgruppe ihre Öffentlichkeitsarbeit anhand von vier Berichten in örtlichen Medien nachweisen.

Die Kirchengemeinden sowie einige Vereine beteiligen sich bereits aktiv. So stellt der Lemwerder Turnverein seine Präsente für verdiente Mitglieder aus fairen Waren zusammen. „In den Gemeindehäusern wird nur noch fair gehandelter Kaffee und Tee ausgeschenkt“, berichtet Pastor Hildebrand.

Regina Neuke bedauert, dass zwischen dem Bewerber Lemwerder und der bereits im Jahr 2015 anerkannten Fairtrade-Town ­Brake „so eine große Lücke klafft“. Gerne sähe sie die ge­samte Region fair vernetzt.

Auch für ihre Kommune hofft die Bürgermeisterin auf mehr Beteiligung. „Wir möchten die Aufgaben auf möglichst viele Schultern verteilen, sodass jeder nur ein bisschen zu tun hat.“ Aus der Kampagne solle für niemanden ein „Nebenjob“ entstehen.

Die Idee des fairen und nachhaltigen Handels breitet sich mittlerweile europaweit aus. Die steigende Bedeutung lässt sich am „EU Cities for Fair and Ethical Trade Award“ erkennen, für den sich Fairtrade-Towns bis Mitte April bewerben können.

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