Betroffene Japaner berichten über die Folgen der Katastrophe von Fukushima

Auf der Flucht vor der atomaren Strahlung

Bremen. Japanerinnen und Japaner, die von der Atomkatastrophe von Fukushima betroffen waren und sind, haben bei einem Besuch in Bremen über die Situation in ihrem Land berichtet. Zum Jahrestag des Reaktorunglücks sind sie auf Einladung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Friedrich-Ebert-Stiftung in Deutschland gekommen. Dieter Mazur, der Bremer BUND-Vorsitzende, besuchte mit den Gästen das Wasserkraftwerk in Hastedt. Eine Vortragsrunde der Japaner war gut besucht.
28.03.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Wk
Auf der Flucht vor der atomaren Strahlung

Dieter Mazur mit Hiroko Uehara (zweite von links), Akioko Yoshida und Katsumi Hasegwa am Wasserkraftwerk in Hastedt.

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Bremen. Japanerinnen und Japaner, die von der Atomkatastrophe von Fukushima betroffen waren und sind, haben bei einem Besuch in Bremen über die Situation in ihrem Land berichtet. Zum Jahrestag des Reaktorunglücks sind sie auf Einladung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Friedrich-Ebert-Stiftung in Deutschland gekommen. Dieter Mazur, der Bremer BUND-Vorsitzende, besuchte mit den Gästen das Wasserkraftwerk in Hastedt. Eine Vortragsrunde der Japaner war gut besucht.

Es war mucksmäuschenstill im Raum, als Midori Kohl übersetzte, was Katsumi Hasegawa zu sagen hatte. Seine Familie lebte bis zur Reaktorkatastrophe in Koriyama in der Region Fukushima, jedoch nicht in der 20-Kilometer-Sperrzone um das Atomkraftwerk, deren Bewohner auf Anweisung der Behörden umgesiedelt wurden. Monate nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 haben Katsumi Hasegawa und seine schwangere Frau sich aus Angst um die Gesundheit ihrer Kinder entschieden, ihre verstrahlte Heimat zu verlassen. Er kämpft inzwischen gegen die Atomlobby. Rund 160000 Menschen leben nicht mehr in ihrem Zuhause. Katsumi Hasegawa wohnte 50 Kilometer vom Unglücksreaktor entfernt, doch auch sein Haus und sein Garten wurden verstrahlt. Der Neuanfang in der 300 Kilometer entfernten Stadt Fujinomiya in der Region Tokio war mühsam: Katsumi Hasegawa arbeitete zunächst als Bauarbeiter, dann gründete er einen Pflegedienst. Inzwischen sei er froh, dass er sich zur Flucht entschlossen habe, er komme aber nicht mehr zur Ruhe, sagt er. Nach neueren Untersuchungen hätten 30 bis 40 Prozent der Kinder aus der Region um Fukushima Knoten und Pusteln in der Schilddrüse, berichtete Akiko Yoshida von der japanischen Sektion von "Friends of the Earth". Und die Zahl der Krebs- und Schilddrüsenerkrankungen sei gestiegen.

Der japanische Umweltverband fordert von der Regierung und em verantwortlichen Energieversorger TEPCO, den Gesundheitsschutz zu verbessern. Warum nicht mehr Menschen vor der Strahlung geflohen seien, wollten Bremer wissen. Die Diskussion über Bleiben oder Flucht spalte Familien und Betriebe, sagte Hiroko Uehara, die Vorsitzende des im April 2012 gegründeten "Bürgermeisterrats für ein nuklearfreies Japan". Landwirtschaftliche Strukturen erschwerten das Wegziehen, und die Betroffenen zögern, ihren Arbeitsplatz und ihr Zuhause aufzugeben, Freunde und Angehörige zu verlassen. Und auch wenn in 87 Prozent der 89000 öffentlichen Bürger-Stellungnahmen den Atomausstieg gefordert werde, habe bei den Wahlen im Dezember 2012 erneut die alte und konservative Partei LPD gesiegt, die den zuvor beschlossenen Atomausstieg nun wieder rückgängig machen wolle.

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