Frauenprojekt "Tessa" tritt mit dem Stück "Frauengeschichten" in mehreren Stadtteilen auf

Auf der Suche nach Anerkennung

Neues Selbstbewusstsein durch Theaterarbeit, diese Idee steckt hinter dem Projekt "Tessa" des Vereins und Beschäftigungsträgers Arbeiten in Bremen (bras). Das Kreativangebot für langzeiterwerbslose Frauen von 18 bis 60 Jahren dient der Berufsorientierung und unterstützt sie darin, einen passenden Ausbildungs- und Arbeitsplatz zu finden. Ab Mittwoch treten die Frauen mit ihrem Theaterstück "Frauengeschichten" auf.
18.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Nantke D. Garrelts
Auf der Suche nach Anerkennung

Das Frauenprojekt „Tessa“ der bras geht mit dem Stück „Frauengeschichten“ auf Tournee durch die Stadtteile.

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Neues Selbstbewusstsein durch Theaterarbeit, diese Idee steckt hinter dem Projekt "Tessa" des Vereins und Beschäftigungsträgers Arbeiten in Bremen (bras). Das Kreativangebot für langzeiterwerbslose Frauen von 18 bis 60 Jahren dient der Berufsorientierung und unterstützt sie darin, einen passenden Ausbildungs- und Arbeitsplatz zu finden. Ab Mittwoch treten die Frauen mit ihrem Theaterstück "Frauengeschichten" auf.

Bremen. Der kleine Prinz ist auf der Suche. Er ist einsam auf seinem Planeten und bereist deshalb das Universum, um Liebe und Freundschaft zu finden. Auch die Teilnehmerinnen des Frauenprojektes "Tessa" des Vereins und Beschäftigungsträgers Arbeiten in Bremen (bras) sind auf der Suche: Nicht nur nach Arbeit, sondern auch nach Rückhalt, Gemeinschaft und offenen Ohren. Dafür reisen sie aber nicht zu anderen Planeten, sondern unternehmen einen Ausflug in unbekannte Gefilde: die Theaterbühne. In thematisch geordneten Szenen erzählen sie unter dem Titel "Frauengeschichten" von der Suche nach Freundschaft und Anerkennung.

Inspirieren lassen haben sie sich von den Geschichten des kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry und dabei festgestellt, das Buch aus dem Jahr 1943 ist auch für moderne Frauen aktuell. Ebenso wie der kleine Prinz ist etwa die Figur Susi ständig auf Achse. Kaum von der Mallorcareise zurück, steht sie schon im Reisebüro, um ihren nächsten Trip nach Island zu buchen. Susi ist zwar nur erfunden, aber trotzdem kann man sich mit ihr und dem kleinen Prinzen gut identifizieren. Über die Arbeit an dem Stück konnten die "Schauspielerinnen" auch traumatische Erfahrungen verarbeiten.

"Wir erzählen hier Frauengeschichten in Bezug auf Beziehungen, Freundschaften, aber auch Alkohol und Drogen, alles was im Leben so passiert", fasst Teilnehmerin Elke Stock das Stück zusammen. Die 51-jährige Findorfferin ist in der Aufführung selbst eine Reisende, die immer wieder Abschnitte aus dem Buch vorliest und so zu den einzelnen Geschichten überleitet. Sie kam erst im Januar zu der Gruppe, die schon seit Oktober in den Probenarbeiten steckte. Die Theaterpädagoginnen Karin Tischer und Meike Paulsen mussten immer wieder Mitspielerinnen verabschieden, die einen Arbeitsplatz gefunden hatten und neue Mitglieder integrieren. So fielen auch Szenen komplett weg und Rollen wurden umbesetzt. "Das ist schon ein unglaublicher Akt", zollt Marion Touray den beiden künstlerischen Leiterinnen Anerkennung.

Aber auch die Frauen selbst müssen beim Rollenwechsel zwischen den Szenen Flexibilität zeigen, was ihnen auf dem Arbeitsmarkt zugute kommen kann. Durchhaltevermögen ist ebenfalls gefragt: "Anfangs dachte ich, das kriegen wir nie auf die Beine", gibt Elke Stock zu. Auch Selbstbewusstsein, Teamgeist und Offenheit haben die 17 Teilnehmerinnen geübt. Schwierige Themen, wie etwa Alkoholismus, werden in der Gruppe ganz offen angesprochen. "Wir haben einen tollen Zusammenhalt", findet Elke Stock, "das Projekt hat mein Selbstbewusstsein auf jeden Fall gestärkt". Die zehn Frauen, die auf der Bühne stehen, haben inzwischen so viel Selbstvertrauen, dass sie eine Tanzeinlage wagen. Nicht jede traute sich ins Rampenlicht. Aber auch hinter der Bühne gibt es genug zu tun: Plakate und Flyer verteilen und Pressetexte schreiben.

Erste Erfolge gefeiert

"Die Teilnehmerinnen haben hier zwei Ziele", erklärt Projektleiterin Marion Touray. "Erstens sollen ihnen die Theaterauftritte zu Erfolgserlebnissen verhelfen und zweitens sollen sie über Coaching und Praktikumssuche wieder in Arbeit kommen." Vier Frauen haben schon den Weg in die Arbeitswelt gefunden, die übrigen Teilnehmer feierten bereits erste Erfolge mit dem Stück. Bei Auftritten in einem Frauengefängnis, im Alten Fundamt und im Schnürschuh-Theater ernteten sie Applaus und heftige Reaktionen: "Im Frauenknast haben einige sogar angefangen zu weinen", erzählt Stock. Sie selbst bekomme immer noch Gänsehaut, wenn die Musik aus "Die fabelhafte Welt der Amélie" ertönt und das Lampenfieber sei auch nach drei Probeauftritten nicht komplett verflogen. In den nächsten Wochen geht es dann auf Tour durch die Stadtteile. "Die Frauen freuen sich darauf", weiß Marion Touray.

Das Theaterstück "Frauengeschichten" wird zu folgenden Terminen aufgeführt: Mittwoch, 20. Juni, 15.30 Uhr, BuS Huchting, Amersfoorter Straße 8, Donnerstag, 28. Juni, 19.30 Uhr, Bürgerhaus Hemelingen, Godehardstraße 4, Freitag, 29. Juni, 19.30 Uhr, Nachbarschaftshaus Helene Kaisen, Beim Ohlenhof 10, Mittwoch, 4. Juli, 19.30 Uhr, Altes Fundamt, Auf der Kuhlen 1a, Donnerstag, 5. Juli, 11 Uhr und Freitag, 6. Juli, 19.30 Uhr im Theatersaal der Zionsgemeinde, Kornstraße 31. Der Eintrittspreis beträgt acht Euro für Erwerbstätige und vier Euro für Nicht-Erwerbstätige. Weitere Informationen und Kartenreservierung bei Marion Touray, Telefon 1638897, E-mail: touray@bras-bremen.de.

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