Vegesack Marketing will Bekenntnis zum Standort fördern

Auf der Suche nach dem Wir-Gefühl

Vegesack. Das Vegesack Marketing gibt pro Jahr gut 500.000 Euro für die Förderung von Einzelhandel und Tourismus aus. Der Senat bezahlt davon mehr als die Hälfte.
03.06.2014, 07:00
Lesedauer: 4 Min
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Auf der Suche nach dem Wir-Gefühl

Das Vegesack Marketing will sich dafür einsetzen, dass der Stadtteil wieder ein Standort wird, mit dem sich die Menschen, die hier leben, identifizieren können und auf den sie vielleicht sogar stolz sind. Es müsse ein „Wir-Gefühl“ entstehen, so Werner Pohlmann, Vorsitzender des Vegesack Marketings.

Christian Kosak

Das Vegesack Marketing gibt pro Jahr gut 500.000 Euro für die Förderung von Einzelhandel und Tourismus aus. Der Senat bezahlt davon mehr als die Hälfte. Der Landesrechnungshof hat kürzlich kritisiert, dass Resultate nicht messbar seien. Mit Werner Pohlmann, dem Vorsitzenden des Vegesack Marketing, und Geschäftsführer Wolfgang Helms hat Michael Brandt über Aufgaben, Ziele und Ergebnisse gesprochen.

Herr Pohlmann, Herr Helms, der Landesrechnungshof wirft dem Stadtteilmarketing und insbesondere auch dem Vegesack Marketing vor, dass der Erfolg der hier eingesetzten Mittel nicht nachprüfbar sei. Verschleudert das Vegesack Marketing Geld?

Werner Pohlmann: Marketing ist nicht in Euro und Cent messbar. Das ist bei Leffers genauso wie beim Vegesack Marketing. Die Dinge, die wir beim Vegesack Marketing tun, sind nicht unmittelbar in Form von Umsätzen in den Geschäften messbar. Doch messbar bei den Aktivitäten, die wir organisieren. Dann sind Menschen und damit potenzielle Kunden in der Stadt. Das sind nicht nur Bremen-Norder, sondern auch Menschen aus anderen Regionen. Ich denke da zum Beispiel an das internationale Festival Maritim, das jedes Jahr rund 80.000 Menschen nach Vegesack holt – diese Angabe beruht auf einer Zählung, die wir vor zwei Jahren durchgeführt haben. Wenn das Vegesack Marketing hier und im Rahmen vieler anderer Veranstaltungen und Angebote nicht aktiv würde, dann möchte ich nicht wissen, wie es um den Standort bestellt wäre.

Werner Pohlmann

Werner Pohlmann

Foto: Christian Kosak

Der Rechnungshof fordert dennoch, die Gelder für das Stadtteilmarketing komplett zu streichen.

Pohlmann: Das hätte zur Folge, dass wir hier viel mehr Leerstände hätten. Wenn die Klein- und Mittelzentren nichts tun, verlieren sie angesichts der Umbrüche, die derzeit im Handel stattfinden. Die Klein- und Mittelzentren weisen überwiegend kleinere Unternehmen auf. Aufgabe des Vegesack Marketing ist es, diese Firmen zu unterstützen, wenn Einzelne von ihnen nicht selbst die Möglichkeiten haben.

Wolfgang Helms

Wolfgang Helms

Foto: Christian Kosak

Wem gegenüber muss das Vegesack Marketing Rechenschaft ablegen?

Wolfgang Helms: Das Wirtschaftsressort fordert jedes Jahr einen Jahresbericht von uns ein, in dem über die Mittelverwendung Rechenschaft abgelegt wird. Gleichzeitig legen wir einen Sachbericht vor. Standortmarketing besteht aus vielen weichen Faktoren. Zum Beispiel der Frage, warum sich jemand mit seiner Familie und seinem Unternehmen in Vegesack niederlässt. Das ist schwer bewertbar. Aber eine gut funktionierende Fußgängerzone hat darauf Einfluss. Wir haben aber einige handfeste Faktoren mit der Image-Analyse des Büros Heinze aus dem Jahr 2012. Diese Indikatoren werden wir im übernächsten Jahr noch einmal prüfen lassen.

Um welche Indikatoren geht es dabei?

Helms: Es geht zum Beispiel um die Kundenfrequenz. Und wir wollen abfragen, woher die Kunden kommen. So können wir sehen, ob die Maßnahmen greifen, die wir angeschoben haben.

Ein Gutteil der öffentlichen Förderung geht für Personalkosten drauf. Braucht das Vegesack Marketing vier Angestellte?

Pohlmann: Es gibt Wolfgang Helms als Geschäftsführer mit der Aufgabe, Strategien und Maßnahmen für die Geschäftsfelder Citymanagement und Tourismus zu entwickeln und umzusetzen. Fritz Rapp betreut die Maritime Meile und das Festival Maritim, Sarah Braun kümmert sich um den Einzelhandel und Sabine Kuhlmann ist unsere Sekretärin.

Helms: Das spiegelt genau die Aufgaben wider, wie sie 2010 für das Vegesack Marketing festgelegt worden sind.

Pohlmann: Ich kann nur sagen, dass die Damen und Herren ihre Aufgaben sehr gewissenhaft machen und sich stark einbringen.

Dem Vegesack Marketing gelingt es nicht, die Kaufmannschaft unter einen Hut zu bekommen. Zum Beispiel gibt es Unzufriedenheit bei der Händlern in der Reeder-Bischoff-Straße.

Pohlmann: Die Arge Reeder-Bischoff-Straße hat jetzt einen neuen Vorstand. Wir hatten vor rund zwei Monaten eine Zusammenkunft, bei der wir ein Papier aufgesetzt und festgehalten haben, wie wir in Zukunft miteinander umgehen. Wir werden uns jetzt sofort wieder zusammensetzen. Wir sind da offen. Wir wollen die Zusammenarbeit.

Braucht Vegesack noch das Haven Höövt?

Pohlmann: Das Haven Höövt ist wichtig für Vegesack und hat bis zur Insolvenz des Immobilieneigners auch funktioniert. Stefan Sahr ist nach wie vor als stellvertretender Vorsitzender im Vegesack Marketing vertreten.

Der Schulterschluss ist weiterhin richtig?

Pohlmann: Ja. Auch wenn wir feststellen müssen, dass es in Vegesack zwei Zentren gibt. Einmal die Innenstadt und einmal das Haven Höövt. Es ist nicht gelungen, diese Zentren miteinander zu verbinden. Das ist aber keine Angelegenheit, die das Vegesack Marketing leisten kann. Diese Aufgabe hätten andere übernehmen müssen.

Das Vegesack Marketing hat in den vergangenen zwei Jahren eine Reihe neuer Aktivitäten angeschoben, angefangen beim Winterspaß mit Eislaufvergnügen über die Hökermärkte bis hin jetzt zum Kindertag. Braucht es da noch das Vegefest, das kein wirklich scharfes Profil hat?

Pohlmann: Wir waren mit dem Vegefest tatsächlich nicht zufrieden und haben deshalb ein neues Konzept für das Fest entwickelt und umgesetzt. Das ist uns im vergangenen Jahr schon sehr gut gelungen. Wir wollten vor allem den Charakter des Vegefestes weiter herausarbeiten, um es deutlicher von anderen Veranstaltungen wie dem Hafenfest abzugrenzen, nicht zuletzt, weil beim Vegefest die Interessen der Kaufleute im Vordergrund stehen. Erreicht haben wir die neue Ausrichtung mit der Entscheidung, interaktiver zu werden und das Geschehen wieder stärker in die Fußgängerzone zu verlagern und uns nicht nur auf zwei, drei Bühnen zu konzentrieren.

Welche Aufgabe ist für das Vegesack Marketing die dringlichste?

Pohlmann: Wir haben uns vor Kurzem im Nautilus-Haus zu einer Klausur getroffen. Ein Hauptthema dabei war die Notwendigkeit eines neuen Wir-Gefühls. Damit ist gemeint, dass Vegesack wieder ein Standort werden muss, mit dem sich die Menschen, die hier leben, identifizieren können und auf den sie vielleicht sogar stolz sind. Und genau dafür wird sich das Vegesack Marketing auch in Zukunft konsequent einsetzen.

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