Die Formation "Nu Dance" zeigte im neuen "TheaterSpace" der Jacobs University Bremen ihr Stück "Stillness" Auf der Suche nach seltenen Momenten

Grohn. Momente der Stille sind rar: auch auf dem Campus der Jacobs University Bremen. Die Menschen dort sind ständig in Bewegung. Einen künstlerischen Kontrapunkt setzte die Formation "Nu Dance" in den vergangenen Tagen. Im neuen "TheaterSpace" zeigten die jungen Frauen unter der Leitung von Özen Odag ihre Produktion "Stillness".
04.06.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulf Buschmann

Grohn. Momente der Stille sind rar: auch auf dem Campus der Jacobs University Bremen. Die Menschen dort sind ständig in Bewegung. Einen künstlerischen Kontrapunkt setzte die Formation "Nu Dance" in den vergangenen Tagen. Im neuen "TheaterSpace" zeigten die jungen Frauen unter der Leitung von Özen Odag ihre Produktion "Stillness".

Überall in den hochtechnisierten Gesellschaften führen viele Menschen mehr oder weniger gezwungenermaßen ein Leben auf der Überholspur: Sie sollen ihre Ausbildung möglichst schnell abschließen, möglichst viel Auslandserfahrungen haben und natürlich jung sein. Diese Anforderungen, findet Özen Odag, seien zusammen so etwas wie eine "Farce". Die Tänzerin, Leiterin von "Nu Dance" und Dozentin an der Jacobs University ist davon überzeugt, dass jeder Mensch auf der Suche nach Ruhe, auf Englisch stillness, sei - "ein Thema, nach dem sich jeder sehnt".

Dieser Konflikt zwischen eigenem Wunsch und der rauen Wirklichkeit des Lebens ist Dreh- und Angelpunkt von "Stillness". Ruhe in der Natur, im Gebet oder in der Routine des Alltags: All dieses haben die jungen Frauen mit Hilfe von Sound Designer Aidan Boyle und Néill O'Dwyer, Visual Designer, umgesetzt. Heraus kommen bisweilen bizarre aber auch wunderschöne Bilder und Musik, die das ebenso Fremdartige wie die fehlende Stille noch verstärken.

Zur Ruhe kommt kaum jemand

Da fragt sich der Zuschauer in diesem kleinen, gerade einmal 90 Menschen fassenden "TheaterSpace": Wo bitte ist die Stille geblieben? Musik zum Entspannen, Angebote in Sachen Meditation und anderen Angeboten zum Trotz: Wirklich zur Ruhe kommt irgendwie kaum noch jemand.

Diesen im Englischen "Lack of Stillness" genannten Umstand tanzen die Akteure denn auch in gleich drei Teilen. Da ist es zuerst ganz ruhig, dann erreichen sie zur Musik von "Killing In The Name Of" der Band "Rage against the Machine" ihren Höhepunkt, bis sie zur Stille in der Einsamkeit und in ganz unterschiedlichen Momenten kommen.

Die Tänzerinnen, die alle über mehr oder weniger Erfahrung in ihrer Profession verfügen, verzaubern ihre Zuschauer durch eine überaus intensive Bühnenpräsenz und Arbeit mit ihrem Körper. Minimalistisches ist hier - klarer Fall - fehl am Platze. Verstärkt werden die Impressionen nicht nur durch das extravagante Sound- und Lichtdesign von Aidan Boyle und Néill O'Dwyer. Zusammen mit Choreographin Özen Odag ist eine Produktion entstanden, in deren Mittelpunkt eine Art menschlichen Urwunsches steht."Nu Dance" und das komplette Team tragen auf ihre Weise eine Botschaft in die Welt. Die lautet ganz einfach: "Tretet im Alltag auf die Bremse, macht einfach mal Pause und verhaltet im Moment der Stille." Kurz übersetzt heißt das: Jeder Mensch sollte seine persönliche Stille genießen.

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