Sonderausstellung in Bremerhaven

Auf virtueller Expedition mit der "Polarstern"

Von Expeditionen in Arktis und Antarktis träumen nicht nur Wissenschaftler. Auf der "Polarstern" können normalerweise nur Forscher mitfahren. In Bremerhaven öffnet sich nun die Tür zu den Geheimnissen des Schiffes - zumindest virtuell.
15.05.2019, 14:30
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Der Boden schwankt, der Fahrtwind bläst durch die Haare, der Motor brummt - was anmutet wie eine echte Schiffsfahrt, ist doch nur virtuell: Von außen betrachtet steht der Besucher einfach nur im Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven an einer Station mit zwei kleinen Ventilatoren und hat eine Brillen-Konstruktion auf. Er selbst taucht dabei gerade in ein virtuelles Reiseerlebnis ein.

Mithilfe einer sogenannten VR-Brille (virtuelle Realität) befindet er sich auf der Brücke des Forschungseisbrechers "Polarstern". Er sieht dessen Bug immer wieder in die Nordsee tauchen. Unwillkürlich will sich mancher festhalten, obwohl sich der Museumsboden nicht bewegt.

"360 Grad Polarstern - Eine virtuelle Forschungsexpedition" heißt die Sonderausstellung, die am Freitag im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Kooperation mit dem Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut eröffnet wird und bis Ende März 2020 zu sehen ist.

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VR-Brillen vermitteln den Besuchern einen Rundumblick ins Innere des Forschungsschiffes. Sie wähnen sich mitten in der Kombüse, in einem Schlafraum oder in der Kapitänskammer. "Die Besucher erhalten so einen hautnahen Einblick in das Forschen und Leben an Bord", sagte Museumsdirektorin Sunhild Kleingärtner am Mittwoch. "Wir setzen ihnen die Brille des Forschers auf." Mit Hilfe einer weiteren Technik können die Besucher sogar ein virtuelles Modell der "Polarstern" im Ausstellungsraum schweben sehen.

Die echte "Polarstern" ist regelmäßig in Antarktis und Arktis unterwegs und übt eine große Faszination aus, auch wenn sie in ihrem Heimathafen Bremerhaven liegt. "Als wir vor zwei Jahren ein Open Ship angeboten haben, kamen viele tausende Menschen", sagte Rainer Knust vom Alfred-Wegener-Institut. Nicht alle Menschen konnten an Bord gelassen werden. "Die Enttäuschung war groß. Jetzt können wir ihnen die Möglichkeit geben, in unser Leben einzutauchen."

Die "Polarstern" ist Eisbrecher und Forschungsschiff zugleich. Sie wurde im Dezember 1982 in den Dienst genommen. An Bord gibt es Möglichkeiten für Untersuchungen zum Beispiel in den Bereichen Geologie, Ozeanographie, Meteorologie, Biologie und Chemie. Das 118 Meter lange Schiff wird von vier Motoren mit zusammen 20 000 PS angetrieben.

Wer an der Ausstellungsstation "Fahren" im bequemen Sessel sitzt und eine VR-Brille aufsetzt, spürt mithilfe eines sogenannten Bass-Shakers unter der Sitzfläche das vermeintliche Vibrieren der Schiffmotoren. Virtuell befindet sich der Besucher im Maschinenraum, schaut einem Maschinisten bei der Arbeit zu und hört die Dieselmotoren brummen.

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An der Station "Leben" wird der Besucher an einem Tisch stehend mit in die Kombüse genommen. Da die Spezialkamera, mit der die 360-Grad-Aufnahmen gemacht wurden, auf einem rollenden Servierwagen steht, setzt sich auch der Hobbyforscher virtuell in Bewegung. Manch' Nutzern wird dabei schon mal übel. "Den Besuchern wird bei den VR-Erlebnissen einiges abverlangt", räumte Kurator Nils Hollmeier ein.

"Für uns ist die Ausstellung ein großes Experiment", sagte Direktorin Kleingärtner. Da sich das Schifffahrtsmuseum gerade sowohl baulich als auch inhaltlich neu aufstellt, könnte die VR-Technik auch künftig eingesetzt werden. Eine Besucherbefragung soll zeigen, wie das Konzept ankommt. (dpa)

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