120 Schausteller richten die Attraktionen ein Aufbau des Bremer „Freipaaks“ hat begonnen

Bald sieht die Bürgerweide so aus, wie sie immer Mitte Oktober aussieht: Karussells und Buden sind nun aber „Freipaak“ statt Freimarkt. Für Besucher funktioniert der Einlass nach dem Stechuhr-Prinzip.
24.09.2020, 05:00
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Aufbau des Bremer „Freipaaks“ hat begonnen
Von Nina Willborn

Der „Happy Sailor“ liegt noch ziemlich platt vor den Messehallen. Er ist eines der ersten Fahrgeschäfte, die seit diesem Mittwoch für den „Freipaak“ auf der Bürgerweide aufgebaut werden. Für den „Seemann“ ist die Ersatzveranstaltung für den Freimarkt, die am 2. Oktober beginnt und am 1. November endet, der erste Ausflug des Jahres. „Ich hatte die Sechsjahres-Prüfung durch den TÜV im März. Seitdem stand das Fahrgeschäft eisern in der Halle“, sagt Betreiber Manfred Howey.

„Ich konnte da wochenlang gar nicht reingehen, weil mir sonst die Tränen gekommen wären.“ Das monatelange unfreiwillige Berufsverbot hat ihm wie auch vielen Schaustellerkollegen sowohl emotional als auch finanziell zugesetzt. Umso wichtiger sei es, sagt Howey, „dass wir nun wieder in Gang kommen und Bremen beweisen, dass Volksfest geht“. Denn der Freipark wird auch die Blaupause für den Weihnachtsmarkt und möglicherweise auch die großformatigen Vergnügungen 2021.

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Das Konzept: Abstand ist das Wort, das über allem steht, selbst beim Aufbau. Die großen Karussells wie Riesenrad, Wildwasserbahn, Autoscooter und die großformatige Außengastronomie „Kaffeegarten“ sind zuerst an der Reihe, die kleineren und die Verkaufswagen und -buden folgen. Am Wochenende, schätzt Bettina Robrahn-Böker, Geschäftsführerin der Schausteller-Veranstaltungsgesellschaft VBS, werden die rund 120 Attraktionen des „Freipaak“ weitgehend aufgebaut sein. Jede hat ihr eigenes Hygienekonzept. Beim „Happy Sailor“ beispielsweise werden die Gäste im Einbahnstraßensystem geführt und Spender mit Hygienemittel aufgestellt, andere verringern die Infektionsgefahr mit zusätzlichen Plexiglasscheiben.

Die Wegführung für die Besucher auf der rund 60.000 Quadratmeter großen umzäunten Fläche ist wesentlich großzügiger als auf dem Freimarkt. „Wir haben etwa ein Drittel der Fläche des Freimarkts“, sagt Robrahn-Böker. Eine vorgegebene Laufstrecke gibt es nicht, „aber die Bremer gehen traditionell rechts herum, das war schon immer so“, sagt die Schaustellerin. Mund- und Nasenschutz müssen Besucher beim Bummeln nicht tragen, allerdings überall dort, wo sie anstehen. Auf dem Gelände und an den zwei Eingängen sollen zunächst insgesamt rund 30 Ordner für Sicherheit sorgen, Gespräche mit dem Innenressort über die Besetzung der Polizeiwache der Bürgerweide laufen noch. „Wir würden uns freuen, wenn die Polizei Präsenz zeigen würde“, sagt Rudolf Robrahn, Chef des Bremer Schaustellerverbandes.

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Der Einlass: Zeitgleich dürfen sich 6000 Besucherinnen und Besucher auf dem Gelände aufhalten. Über die Internetseite www.ischa-freipaak.de kann man sich ein Formular für die Kontaktdaten für eine mögliche Nachverfolgung bei Infektionsfällen herunterladen und ausdrucken. Das ausgefüllte Formular (eins pro Haushalt) wird für den Einlass benötigt. Vor Ort kann man es ebenfalls ausfüllen, muss dann aber möglicherweise Wartezeit in Kauf nehmen. Die Formulare werden an den beiden Eingängen gegenüber dem Hauptbahnhof und an der Findorff-Seite der Bürgerschaft mit Zeitstempel versehen. Beim Verlassen des Freiparks werden sie erneut gestempelt und abgegeben.

„Die Karten werden in datenschutzgerechten Urnen gesammelt und bei Bedarf zur Nachverfolgung benutzt“, sagt Bettina Robrahn-Böker. „Dieses Stechuhren-Prinzip hat sich bei anderen temporären Freizeitparks besser bewährt als App-Modelle.“ Sorgen um Gedränge vor allem vor dem Eingang am Bahnhof machen sich die Veranstalter nicht. Der Wartebereich befindet sich am sogenannten Klangbogen vor der ÖVB-Arena. „Wir haben dort theoretisch Platz bis zur Gustav-Deetjen-Allee“, sagt Rudolf Robrahn. Der Eintritt kostet einen Euro, für Kinder bis sechs Jahre ist er frei. Geöffnet ist der Freipark montags bis sonnabends von 13 bis 22 Uhr und sonntags von 12 bis 21 Uhr.

Das Drumherum: Im Freipark wird kein Alkohol ausgeschenkt, auch das Mitbringen ist nicht erlaubt. Ebenso werden deutlich alkoholisierte Besucher abgewiesen. „Das wird ein Familienfest, kein Freimarkt“, sagt Robrahn-Böker. Die Sorge der Schausteller gilt ein wenig der Gastronomie im Hauptbahnhof. Für die Umgebung des Geländes sind laut Ordnungsamtsleiter Uwe Papencord bisher keine besonderen Auflagen geplant, die über die schon bestehenden Corona-Regelungen hinausgehen würden.

Die Findorffer kennen es schon: Im Herbst wird es auf ihren Straßen enger und chaotischer. Das Amt für Straßen und Verkehr hat für die vier Wochen "Freipaak" rund um die Bürgerweide Sperrungen eingerichtet und Einbahnstraßen umgedreht. Es gibt im Vergleich zum Freimarkt 2019 allerdings weniger Einschränkungen, weil es kein Park & Ride gibt. Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne): "Es war uns wichtig, auch in diesem Jahr die Anwohner vor dem Parkverkehr zu schützen." Sie appelliert an Besucher, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

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