Kritik an Vormachtstellung von Cambio

Aufgeladene Debatte um das Carsharing

Die Parteien fordern Fairness auf dem Carsharing-Markt: Laut CDU handelt der Senat wirtschaftsfeindlich, wenn er öffentliche Mobilpunkte an Cambio vermietet und Elektro-Anbieter keine Chance haben.
11.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Aufgeladene Debatte um das Carsharing
Von Alexander Tietz

Mehrere Parteien fordern Fairness auf dem Carsharing-Markt. Laut CDU handelt der Senat wirtschaftsfeindlich, wenn öffentliche Mobilpunkte an Cambio vermietet werden und Elektro-Anbieter keine Chance haben. Die Grünen wollen einen Antrag in die Bürgerschaft einbringen. Erklärtes Ziel: die Elektromobilität im Carsharing fördern.

Die Christdemokraten halten die Bedingungen auf dem Carsharing-Mark für unhaltbar. Laut Heiko Strohmann, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, ist es „völlig unverständlich, warum SPD und Grüne einem Unternehmen die alleinige Monopol-Stellung bei der Nutzung öffentlicher Parkflächen gewähren“. Das Verhalten des Senats bezeichnet Heiko Strohmann als „wirtschaftsfeindlich“.

Ebenfalls Kritik am Senat übt die Linksfraktion. Deren umweltpolitischer Sprecher Klaus-Rainer Rupp sagt: „Der Verkehrssenator widerspricht seinen umweltpolitischen Zielen und blockiert jegliche Förderung von Elektroautos.“ Es gelte, E-Mobile stärker in das Bewusstsein der Autofahrer zu rücken. Um das zu erreichen, schlägt der Politiker vor, eine 25-Prozent-Quote zu etablieren. Demnach soll auf jedem vierten öffentlichen Carsharing-Parkplatz ein Elektroauto stehen. „Das wäre ein Anfang“, so Rupp.

Momentan liegt die Quote bei null. Alle 14 Mobilpunkte, die die Stadt für Carsharing-Autos vorhält, werden an Cambio vermietet. Das Unternehmen hat Zugriff auf etwa 60 öffentliche Stellplätze im Umfeld der Innenstadt. Cambio unterhält eine Flotte von etwa 200 Pkw. Die Fahrzeuge werden ausschließlich mit Diesel- oder Benzinmotoren betrieben.

Im Gegensatz zu Cambio muss Move About, größter Anbieter von Elektrofahrzeugen auf dem Markt, auf privat angemietete Parkplätze in Horn-Lehe, in der Vahr und in Osterholz ausweichen. Das Unternehmen betreibt zehn Elektroautos für Privatkunden. Alle Pkw fahren mit Ökostrom und produzieren während der Fahrt keine Schadstoffe. Bislang hat Move About kein Zugriff auf öffentliche Mobilpunkte.

Angesichts der Dominanz von Cambio hält Arno Gottschalk, Sprecher für Umwelt und Energie der SPD-Fraktion, eine Diskussion über die Förderung von Elektroautos auf dem Bremer Carsharing-Markt für „dringend angebracht“. Der SPD-Politiker sagt: „Wir dürfen Anbietern von Elektrofahrzeugen keine Steine in den Weg legen“. Dem Unternehmen Cambio, das seine Pkw ausschließlich mit Verbrennungsmotoren betreibe, müsse etwas entgegengesetzt werden. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Bremen fordert, die Marktverhältnisse zu verändern. „Es ist schwer zu begreifen, warum Elektro-Anbieter keine öffentlichen Parkplätze nutzen dürfen“, erklärt Landesgeschäftsführer Martin Rode.

Tatsächlich könnte Bewegung in den Carsharing-Markt kommen. Die Grünen arbeiten an einem Antrag, wonach die Anmietung öffentlicher Mobilpunkte für Elektroanbieter einfacher werden soll. Ralph Saxe, Landeschef der Bremer Grünen, will prüfen, ob die Kriterien bei der Stellplatzvergabe zum Teil umgangen werden können.

Momentan dürfen Anbieter einen öffentlichen Mobilpunkt nur dann mieten, wenn sie die Anforderungen des „Blauen Engels“ erfüllen. Das Umweltsiegel fordert unter anderem die Einhaltung bestimmter Emissionsgrenzen. Ebenso verlangt es, dass ein Carsharing-Auto fünf bis elf privat genutzte Pkw ersetzt. Bislang konnte Move About im Vergleich zu Cambio diesen Nachweis nicht liefern. Grünen-Chef Saxe erklärt, an diesem Punkt Hand anlegen zu wollen. In dem Antrag der Grünen heißt es, dass ein Nachweis nicht sofort, sondern innerhalb von drei Jahren nach Anmietung der Stellplätze erbracht werden müsse. Bedingung sei, dass der Anbieter seinen Strom überwiegend aus erneuerbaren Energien bezieht. Laut Saxe müssen Elektro-Anbieter pro Carsharing-Auto mindestens sechs Privat-Pkw ersetzen.

Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) zeigt sich offen für den Vorschlag. Über Pressesprecher Jens Tittmann lässt er erklären: „Wir werden diesen Antrag wohlwollend prüfen.“ Bedenken gibt es dennoch. Laut Tittmann dürfe eine dreijähriger Probebetrieb nicht dazu führen, dass die von der Verkehrsbehörde ausgegebenen Ziele des Carsharing außer Acht gelassen werden. „Wichtig ist die Entlastung des Verkehrs und des Parkraums“, erklärt Tittmann. Der Aktionsplan Carsharing sieht vor, dass bis zum Jahr 2020 etwa 6000 privat genutzte Pkw durch Carsharing abgeschafft werden sollen. Der Antrag der Grünen liegt der SPD bereits vor. Die Sozialdemokraten begrüßen dem Vernehmen nach den Vorschlag von Ralph Saxe.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+