Berater-Netzwerk sieht noch großen Informationsbedarf zu Energieausweis und staatlichen Fördermitteln

Aufklärungsarbeit in Sachen Energiesparen

Energiesparen schont Umwelt und Geldbeutel, das hat sich herumgesprochen. Weniger bekannt ist, dass Vater Staat seine Bürger dabei auf vielfältigen Wegen fördert und auch fordert. Vergleichsweise neue Instrumente sind Sanierungsbeihilfen für Immobilienbesitzer sowie der Energieausweis für Wohngebäude.
04.04.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Aufklärungsarbeit in Sachen Energiesparen
Von Bernhard Komesker

Energiesparen schont Umwelt und Geldbeutel, das hat sich herumgesprochen. Weniger bekannt ist, dass Vater Staat seine Bürger dabei auf vielfältigen Wegen fördert und auch fordert. Vergleichsweise neue Instrumente sind Sanierungsbeihilfen für Immobilienbesitzer sowie der Energieausweis für Wohngebäude.

Landkreis Osterholz. Ob Energieausweis oder staatliche Fördermittel: Die Architektin Rita Meyer aus Platjenwerbe und der Stadtwerke-Mitarbeiter Klaus-Jürgen Pika sehen auf beiden Feldern noch großen Informationsbedarf. Sie wollen zusammen mit einem guten Dutzend Fachleuten im Energieberater-Netzwerk "Enerkom" Aufklärungsarbeit leisten.

Zum Energieausweis: Der ist mittlerweile Pflicht, wenn Eigentümer ihr Wohnhaus vermieten, verpachten oder verkaufen wollen, das Gebäude vor 1977 errichtet wurde und weniger als fünf Wohnungen hat. Wurde das Gebäude zwischenzeitlich modernisiert, dann muss geprüft werden, welcher Dämmstandard damit erreicht wurde. Schätzungen zufolge fallen bundesweit beinahe 75 Prozent der Wohnhäuser in diese Kategorie. Für sie wird der sogenannte bedarfsorientierte Energieausweis benötigt, wenn Verkauf oder Vermietung anstehen. Nach den Beobachtungen des Fachmanns bestehen bisher längst nicht alle Käufer oder Mieter darauf. Dabei könnten sie bei Fehlen des Ausweises problemlos vom Vertrag zurücktreten. Nach Angaben von Architektin Rita Meyer plant der Gesetzgeber nun, dass das Dokument ab 2014 bei der Besichtigung unaufgefordert vorgelegt werden muss.

Für Wohngebäude, die zwischen 1977 und 2001 errichtet wurden, genügt die verbrauchsorientierte Ausweis-Variante. "Die ist mit 75 bis 100 Euro zwar preiswerter, aber dafür auch nicht besonders aussagekräftig", erklärt Pika. In die Ausweis-Daten fließe dann lediglich der Energieverbrauch der letzten drei Jahre ein und der sei bekanntlich individuell sehr verschieden – je nach Lebensgewohnheiten und Kälteempfinden. Der ausführliche Bedarfsausweis für Neubauten ist ab 2002 ohnehin schon vorgeschrieben. Dabei handelt es sich um ein öffentlich-rechtliches Papier, das nur von qualifizierten Sachverständigen ausgestellt werden darf. "Das Enerkom-Netzwerk hilft da mit Rat und Tat weiter", so die Architektin Meyer.

Das Papier kostet je nach Anbieter und Aufwand einige Hundert Euro. Fester Bestandteil des Ausweises, der eine Gültigkeit von zehn Jahren hat, sind abschließende Modernisierungsempfehlungen, beispielsweise für Fenster, Decken, Außenwände, Dach, Heizung oder Lüftung. In mehreren Varianten wird auf diesem Blatt dann durchgerechnet, mit welcher Maßnahmenkombination sich welche Einsparung beim Energiebedarf und bei den CO2-Emissionen erzielen lassen.

Den Sanierungsbedarf können Klaus-Jürgen Pika und sein Kollege Klaus Brinkmann von den Stadtwerken zwar benennen; wenn es aber um Immobilien außerhalb von Lilienthal, Ritterhude und Osterholz-Scharmbeck geht, um genauere Kostenabschätzungen oder die Fördermittelberatung, dann treten eher die Handwerker, Ingenieure und Architekten aus dem Energieberater-Netzwerk auf den Plan. Rita Meyer verweist auf ein neues Programm der staatlichen KFW-Bank (Infos auch unter www.kfw.de). Neben dem Werterhalt spreche in der Regel auch die Verbesserung des Wohnklimas für eine Modernisierung.

Weniger Kosten, mehr Komfort

Dass ein besserer Kälte- und Schallschutz zu mehr Lebensqualität beitrage, werde oft ebenso unterschätzt wie der Zusammenhang der Maßnahmen. Wer sein Dach neu eindeckt, ohne dabei groß etwas für die Dämmung zu tun, macht einen Fehler, ist Meyer überzeugt. "Ich finde es einfach schade, wenn eine Fassade nur für einen neuen Putzanstrich eingerüstet wird", so die Architektin. Dann sei absehbar, dass dort die nächsten zehn bis 20 Jahre nichts für die Dämmung getan werde – oder dass doppelte Gerüstbau-Kosten entstehen.

Über all das und noch mehr informiert am 20. und 21. April die Modernisierungsmesse in der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck. Pika: "Da gibt es auf einen Schlag die geballte Kompetenz aus der Region."

Informationen zum Energieausweis und zum Förderprogrammen der KFW-Bank gibt es im Internet unter www.zukunft-haus.info, einer Website der Deutschen Energieagentur. Pika ist telefonisch erreichbar unter 04791/809551; an Meyer und das Enerkom-Netzwerk können sich Ratsuchende unter 0421/6930535 wenden.

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