Schlechter baulicher Zustand

Auflagen für den Verkehr auf der Stephanibrücke

Die Nutzung der maroden Bremer Stephanibrücke muss für Lastwagen eingeschränkt werden, um die Last zu verringern. Zudem muss der Fahrrad- und Fußweg schmaler gemacht werden.
18.06.2017, 21:08
Lesedauer: 3 Min
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Auflagen für den Verkehr auf der Stephanibrücke
Von Pascal Faltermann
Auflagen für den Verkehr auf der Stephanibrücke

Muss dringend renoviert werden: die Stephanibrücke in Bremen

Christian Walter

Nun also doch. Der Verkehr über die Bremer Stephanibrücke muss in Teilen eingeschränkt werden. Bislang hatten die Experten im Amt für Straßen und Verkehr (ASV) darüber informiert, dass die Brücke für gut ein halbes Jahr verschärft beobachtet werden muss. Ein Ingenieurbüro aus Sachsen hatte allerdings empfohlen, dass umgehend Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Nun steigt der Handlungsdruck wesentlich schneller als gedacht. Die Nutzung der Brücke der abgehängten Fahrbahn – Rad- und Gehweg – muss eingeschränkt werden. Die Last für das Bauwerk ist zu hoch. Die Maßnahmen sollen im Laufe der Sommerferien starten.

Klar ist, dass die Weserbrücke, auf der die Bundesstraße 6 verläuft, in einem so schlechten Zustand ist, dass die Konstruktion in den kommenden Jahren nicht nur instand gesetzt, sondern auch ein Neubau geplant werden muss. „Wir wollten keine Hals-über-Kopf-Entscheidung treffen“, sagt ASV-Sprecher Martin Stellmann. Erst sei nur ein Monitoring angedacht gewesen, weil man sich genau anschauen wollte, was die unabhängigen Experten berechnet hatten.

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Nun die Kehrtwende: Die Ingenieure aus dem Straßenverkehrsamt wollen die empfohlenen sogenannten verkehrlichen Kompensationsmaßnahmen umgehend einleiten. Das ging aus einer Antwort des Senats auf eine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Frank Imhoff hervor.

Schwerlaster erhalten keine Dauererlaubnis mehr

Praktisch bedeutet das: Es wird ein Überholverbot für Lastkraftwagen auf der Stephanibrücke geben. Außerdem müssen Lastkraftwagen im Falle eines Staus einen Mindestabstand von 50 Metern zum vorausfahrenden Fahrzeug einhalten. Und es gibt keinen genehmigungspflichtigen Schwerverkehr mit Dauererlaubnis mehr. Die verkehrsrechtliche Anordnung dafür sei raus, sagt Stellmann.

Doch damit nicht genug: Die außen liegenden Fahrrad- und Fußwege in der tiefer gelegenen Konstruktionsebene der Straße müssen schmaler werden. „Der kombinierte Geh- und Radweg wird um zwei Meter verringert“, sagt Stellmann. Bislang sind die angehängten Wege unter der Brücke etwa 5,50 Meter breit. Das sei eine Vorkehrung gegen größere Menschenansammlungen auf der Fußgängerebene, erklärt Stellmann. Er habe dort zwar noch keinen Stau erlebt, aber das Amt sei rein rechtlich dazu verpflichtet, einen solchen Lastenfall einzurechnen und Vorkehrungen zu treffen.

100.000 Fahrzeuge überqueren die Brücke jeden Tag

Über die Stephanibrücke fahren täglich knapp 100.000 Fahrzeuge, davon sind neun Prozent Schwerlastverkehr. Mittelfristig ist eine Instandsetzung des Bauwerks erforderlich, heißt es vom Senat. Bei den Planungen für die 1968 gebaute Brücke war eine Lebensdauer von 100 Jahren angedacht gewesen. Dieses Alter wird die Brücke aber nicht mehr erreichen. Damals sei nicht absehbar gewesen, wie sich die Fahrzeugdimensionen einmal entwickeln, so Stellmann. Also muss eine technische Ertüchtigung angefertigt werden.

Aktuelles und vergleichbares Beispiel ist die Weserbrücke mit der Autobahn A 1: Dort soll das Bauwerk mit zusätzlichen 500 Tonnen Stahl stabilisiert werden, um sich eine Restlaufzeit von zehn bis 15 Jahren zu erkaufen. Zeit, um einen Neubau zu planen. Bei der Instandsetzung, also dem Einbau von Stahl, werde es zu Auswirkungen auf den Verkehr kommen. Dabei handelt sich um eine Baumaßnahme des Bundes. Es werde Einschränkungen geben, eine komplette Sperrung aber nicht. Beim Monitoring müsse die Brücke sehr genau auf Rissbildungen und Beulen untersucht werden. Auch eine erneute Verkehrszählung müsse es geben.

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„Ich verstehe nicht, wie diese Maßnahmen umgesetzt werden sollen“, sagt der CDU-Abgeordnete Imhoff. Wie wolle man denn verhindern, dass sich Lastwagen überholen oder in einem Stau auffahren? Er habe das Gefühl, dass man in Bremen darauf warte, bis im Jahr 2021 die Infrastrukturgesellschaft eingeführt werde. Die Autobahngesellschaft solle dann wohl alles machen und zahlen. „Es ist ein Armutszeugnis, dass die Sanierung der Brücke so lange hinausgezögert wurde“, sagt Imhoff. Das sei auch bei anderen maroden Brücken der Fall. „Es ist eine Pflichtaufgabe der Politik, dass die Hauptquerungen an einem Logistikstandort wie Bremen offen bleiben. Erst die Pflicht, dann die Kür“, so Imhoff.

Die Stephanibrücke ist nicht die einzige Baustelle in Bremen. In den Ferien wird es zahlreiche Sommerbaustellen wie Am Stern, Hauptbahnhof oder der A1-Anschlussstelle Uphusen/Mahndorf geben. Fachleute rechnen mit einem Verkehrschaos.

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