Meyenburger Chronik Aufregung über ein ausgebüxtes Schwein

Pünktlich zum Jahresende liegt sie vor: die jährliche Meyenburger Chronik von Wilhelm Asmus. Eine Mischung aus Jahresrückblick und historischem Streifzug durch das Dorfleben vor 100 Jahren.
01.01.2018, 20:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Gabriela Keller

Meyenburg. Ein ausgebüxtes Schwein versetzt seine Besitzer in helle Aufregung, der Wolf sorgt für Gesprächsstoff im Dorf. Es ist tierisch was los in Meyenburg, damals wie heute. 100 Jahre liegen zwischen den beiden Ereignissen. Der Meyenburger Hobbyhistoriker Wilhelm Asmus mengt sie in seiner frisch erschienenen Dorfchronik zusammen mit vielen anderen kleinen und großen, wichtigen und weniger wichtigen Begebenheiten der Jahre 1916 und 2017. „Meyenburger Hefte“ nennt sich die Ansammlung von Histörchen, die vor einem Jahrhundert die Meyenburger bewegten, und aktuellen Ereignissen des vergangenen Jahres.

Alljährlich bringt Asmus seine Chronik pünktlich zum Jahresende heraus, inzwischen zum 23. Mal. Im neuen Band hat der Chronist gewohnt chronologisch und subjektiv zusammengetragen, was sich einst und heute an Berichtenswertem im Geestdorf zugetragen hat. Asmus’ Rückschau ­beginnt traditionell im Dezember des Vorjahres, dieses Mal also im Dezember 2016. Da beschreitet die Freiwillige Feuerwehr Meyen­burg als Vorreiter in der ­Gemeinde Schwanewede mit der Gründung eines Fördervereins Neuland. Dem denkwürdigen Ereignis räumt der Chronist eine ganze Seite ein für das Anschreiben des Wehrchefs mit der Einladung zur Gründungsversammlung.

Für helle Aufruhr im Dorf haben im abgelaufenen Jahr 17 geplante Windräder in der Meyenburger Feldmark gesorgt. Auch den Chronisten lässt das Thema nicht kalt, gleich mehrfach ist in der Chronik darüber zu lesen. Asmus hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. „Hoffentlich kann dieser Irrsinn noch gestoppt werden“, kommentiert er die Pläne.

„Etwas Erfreuliches“ hat der Chronist auch zu berichten: Der Kindergarten im Dorf wird 20 Jahre alt. Gebührend gewürdigt wird das 125-jährige Bestehen des Meyenburger Schützenvereins im März. Zur karibischen Nacht im Dorphuus im Juli merkt Asmus an: „Das Wetter war zwar nicht so wie in der Karibik, dafür waren aber die Getränke schön kühl.“

Vor 100 Jahren war im Dorf Unterhaltung anderer Art gefragt, weiß der Chronist zu berichten. Im Juli 1916 gibt der Soldatenchor des Gefangenenlagers Meyen­burg im Saal der Gaststätte Seebeck ein Wohltätigkeitskonzert. „Zum Besten der Hinterbliebenen gefallener Krieger“, zitiert Asmus aus historischer Quelle. Das Staatsarchiv in ­Stade ist für den pensionierten Berufsschullehrer eine ergiebige Fundgrube auf der Suche nach Geschichten und Histörchen, die vor einem Jahrhundert die Meyen­burger bewegten. Im Februar 1916 ist ein Pferdegespann, das mit einem Ackerwagen durchgeht, das Gesprächsthema im Dorf. Eine ­Linde bei Seebecks Gasthaus kommt den tierischen Ausreißern dabei in die Quere. Das Ende vom Lied: ein in zwei Teile zerrissener Wagen, eine beschädigte Saaltür, zertrümmerte Fensterscheiben, eine beschädigte Einfriedungsmauer und ein verletzter Fahrer auf dem Bock. „Die Pferde blieben unversehrt“, zitiert Asmus aus dem Zeitungsbericht vom 4. Februar 1916.

In dem Jahr regen sich die Dorfbewohner auch über „groben Unfug“ in den Straßen auf. „Es wurden Ackerwagen verschleppt, Gartenpforten ausgehakt, Bänke auf die Fahrstrasse geworfen“, heißt es in der Zeitung vom 5. September 1916. „Solche Spitzbübereien werden meistens von eben der Schule entwachsenen Jugendlichen ausgeführt, die sich spät abends noch auf den Strassen herumtreiben“, meint der Berichterstatter die Schuldigen zu kennen und fordert: „Wann wird ein solcher Unfug endlich aufhören?“

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