Anwohner in Bremen protestieren Aufregung um Stichweg zur Haltestelle Robert-Koch-Straße

Die einen wollen einen kürzeren Weg zur Straßenbahnhaltestelle, die anderen haben Angst vor Einbrüchen: In Kattenturm ist ein Streit über einen geplanten Fußgängerweg entbrannt.
03.05.2018, 00:40
Lesedauer: 3 Min
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Aufregung um Stichweg zur Haltestelle Robert-Koch-Straße
Von Karin Mörtel

Ein neuer schmaler Durchgang zwischen zwei Häusern an der Wohnstraße "Im Arster Felde" zur Straßenbahnhaltestelle Robert-Koch-Straße sorgt in diesen Tagen für reichlich Aufregung unter Anwohnern in Kattenturm. Die betreffenden Pläne der Stadt sind zwar seit Jahrzehnten bekannt, doch dass sie nun tatsächlich umgesetzt werden, löst in Teilen der Nachbarschaft offenbar Empörung aus.

Zum Hintergrund: Bereits im Bebauungsplan für den Bereich zwischen Theodor-Billroth-Straße, Robert-Koch-Straße und Arsterdamm aus dem Jahr 1976 sind verschiedene Stichwege als Abkürzungen für Fußgänger aus dem Wohngebiet zu den umgebenden Hauptstraßen eingezeichnet. Weil die meisten der dafür benötigten Flächen allerdings in Privatbesitz waren, konnte die Stadt sich zunächst lediglich im Grundbuch Vorkaufsrechte für die Flurstücke sichern. Und mussten warten bis die Eigentümer verkaufen wollten.

Stadt sicherte sich Vorkaufsrecht

Das ist offenbar nun "Im Arster Felde" geschehen. "Die Stadt hat soeben das zweite benötigte Grundstück erworben, um den Weg zur Straßenbahnhaltestelle Robert-Koch-Straße realisieren zu können", berichtet Baubehördensprecher Jens Tittmann auf Nachfrage. Bereits vor zwei Jahren konnte sich die Stadt über ihr Vorkaufsrecht einen weiteren schmalen Streifen an der Stelle sichern. Zusammengenommen reiche der Platz nun aus, um einen vier Meter breiten Weg anzulegen, heißt es aus der Baubehörde. Baubeginn solle in der zweiten Jahreshälfte sein.

Anwohner der Straße "Im Arster Felde" hatten sich kurz vor dem jüngsten Grundstückskauf der Stadt mit einem Schreiben an Bausenator Joachim Lohse (Grüne) gewendet, das dem WESER-KURIER vorliegt. Darin fordern sie, von den Stichweg-Plänen Abstand zu nehmen. Als Begründung nennen die Verfasser zum einen die Angst, das Risiko für Einbrüche an den angrenzenden Grundstücke könne durch das Bauvorhaben steigen. Außerdem, so steht in dem Brief, ergebe es "keinen Sinn, den Weg zu bauen, da die Wenigen, die davon profitieren würden, ihn nicht haben wollen." Eine entsprechende Unterschriftenliste liege dem Ortsamt Obervieland bereits seit zwei Jahren vor. Die Straßenbahnhaltestelle sowie das Ärztezentrum sei zudem auch jetzt schon bequem zu Fuß zu erreichen.

Petition für kurze Wege

Dem widerspricht Tittmann entschieden: "Uns sind da differente Sichtweisen bekannt, andere Anwohner haben durchaus ein starkes Interesse an einem kürzeren Weg zur Straßenbahn." Tatsächlich hat es im Jahr 2013 ein Bürgerbegehren von einem Petenten und 90 Unterstützern gegeben, die ebenfalls in dem Wohngebiet leben. Dieses zielte darauf ab, einen direkten Zugang vom Minna-Bahnson-Weg zur Straßenbahnhaltestelle Robert-Koch-Straße voranzutreiben. Dazu wäre zum jetzigen Zeitpunkt neben dem aktuell geplanten Stichweg ein weiterer Verbindungsweg zwischen "Im Arster Felde" und dem Minna-Bahnson-Weg nötig. Und auch dort sind seit 2009 bereits Teile der für diese zweite Verbindung erforderlichen Flächen im Eigentum der Stadt. Andere Teilflächen fehlen allerdings noch.

"Aus Ängsten heraus andere Leute vom Weg abzuschneiden, kann für die öffentliche Verwaltung keine Lösung sein", erklärt Tittmann. Die Polizei habe keine Bedenken im Rahmen des bisherigen Planungsprozesses angemeldet. Daher gehe die Baubehörde davon aus, dass keine erhöhte Einbruchsgefahr in dem Bereich vorliege. Für die Sicherung seines Grundstücks sei zudem jeder Eigentümer grundsätzlich selbst verpflichtet. Ob die Stadt sich wie in ähnlichen Fällen bereits geschehen, an speziellen Sicherungsmaßnahmen beteiligen könne, sei noch offen.

Fakt sei, dass die Laufwege je nach Ausgangspunkt nach Fertigstellung der neuen Querverbindung deutlich kürzer ausfallen werden als bisher. Das Hauptziel bliebe jedenfalls, "das Wohngebiet besser an die Straßenbahn anzuschließen, das ist ein bekannter uralter Plan der Stadt und daran halten wir fest", so der Behördensprecher. Im Jahr 2016 hatten die Stadtplaner bereits den ersten Anlauf unternommen, die Verbindung zur Haltestelle auszubauen – damals zunächst nur zwei Meter breit, da das zweite Grundstück noch fehlte. Der Beirat hatte sich gegen diese halbe Realisierung ausgesprochen, aber Gesprächsbereitschaft signalisiert, wenn das zweite Grundstück erworben sei.

Beirat steht dem Vorhaben wohlwollend gegenüber

"Daher gehe ich davon aus, dass der Beirat dem Vorhaben grundsätzlich wohlwollend gegenübersteht, wenn nun die volle Breite umgesetzt werden kann", sagt Ortsamtsleiter Michael Radolla. Auch wenn nachvollziehbar sei, dass manche Anwohner den derzeitigen Zustand lieber beibehalten würden.

Der Beirat Obervieland hat bereits in seinem letzten Beschluss zu dem Thema Bedingungen für seine Zustimmung gestellt. So müssten Regelungen "für die laufende Reinigung insbesondere den Winterdienst als auch über die Abgrenzung und ihrer Unterhaltung zu den Privatgrundstücken" getroffen werden, um Privateigentümer vor zusätzlichen Kosten zu schützen, hieß es in dem Beschluss aus dem Jahr 2016.

"Es werden keine Zusatzkosten für die Anrainer der Verbindungswege für Reinigung, Winterdienst oder Sonstiges zukommen, dafür ist die Stadt zuständig", versichert Behördensprecher Jens Tittmann. Auch die Befürchtung der Plangegner, es könnten Enteignungen bevorstehen, um weitere Stichwege umzusetzen, sei unbegründet.

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