Dank einer Rekordzahl an Fluggästen kann Airport-Chef Bula das befürchtete Minus zum Jahresende vermeiden Aufschwung rettet die Flughafen-Bilanz

Bremen. Noch im Mai schien der Bremer Flughafenchef Jürgen Bula seinen lebensfrohen Optimismus nahezu verloren zu haben. Da hatte der Vulkanausbruch auf Island den europäischen Flugverkehr gerade tagelang lahmgelegt. Um bis zu 35 Prozent sackten die Einnahmen ab, am Ende fehlten Einnahmen in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro. Bula konnte nicht davon ausgehen, dieses Minus wieder ausgleichen zu können. Und am Horizont zeichnete sich schon die Einführung der befürchteten Flugsteuer ab. Ende Oktober hat der Schweizer jedoch seine Zuversicht zurückgewonnen: Denn der Airport steuert auf ein Rekordjahr zu.
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Von Krischan förster

Bremen. Noch im Mai schien der Bremer Flughafenchef Jürgen Bula seinen lebensfrohen Optimismus nahezu verloren zu haben. Da hatte der Vulkanausbruch auf Island den europäischen Flugverkehr gerade tagelang lahmgelegt. Um bis zu 35 Prozent sackten die Einnahmen ab, am Ende fehlten Einnahmen in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro. Bula konnte nicht davon ausgehen, dieses Minus wieder ausgleichen zu können. Und am Horizont zeichnete sich schon die Einführung der befürchteten Flugsteuer ab. Ende Oktober hat der Schweizer jedoch seine Zuversicht zurückgewonnen: Denn der Airport steuert auf ein Rekordjahr zu.

'Uns ist eine unglaubliche Aufholjagd gelungen', sagt der Flughafenchef. Abgesehen vomVulkan-Monat Mai wurden fast jeden Monat neue Spitzenwerte erzielt. Zuletzt im September, als 263000 Passagiere in Bremen an Bord eines Flugzeuges kletterten - 17 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Auch das ein Allzeithoch. Insgesamt könnten es bis Ende des Jahres 2,65 Millionen und damit 200000 Passagiere mehr werden als 2009. Das rettet am Ende die Bilanz.

Im Sommer musste Bula noch davon ausgehen, erstmals seit Jahren wieder in den roten Zahlen zu landen. Kleinere Unsicherheiten bleiben wegen der Streiks in Frankreich und wegen des Wetters, das jederzeit wieder verrückt spielen könnte. Doch es sieht alles danach aus, dass im operativen Geschäft doch eine 'schwarze Null' steht. Auch der Schuldendienst kann bedient werden, allein sechs Millionen Euro müssen in diesem Jahr zur Ablösung eines Alt-Darlehens gezahlt werden, 'das schaffen wir aus eigener Kraft', betont Bula. Auch in den kommenden beiden Jahren werde der Airport ohne einen Zuschuss der öffentlichen Hand auskommen.

Deutlich vor der Konkurrenz

Bremen liegt mit seinen Zahlen wie schon im Vorjahr deutlich vor der unmittelbaren Konkurrenz. Laut einer aktuellen Statistik wächst das Passagieraufkommen an allen 23 internationalen Flughäfen in Deutschland um 4,2 Prozent. Bremen schafft knapp zehn Prozent. Besser sind nur der relativ unbedeutende Flughafen in Erfurt (+17 Prozent), Karlsruhe (+12) und der große Ryanair-Hub in Weeze mit einem Plus von 22 Prozent. Im Norden hat Hamburg dagegen in den ersten neun Monaten des Jahres nur um gut fünf Prozent zugelegt. Hannover kommt auf magere 0,2 Prozent, Münster/Osnabrück rutscht sogar mit vier Prozent ins Minus.

Ryanair mit drei hier stationierten Maschinen ist auch in Bremen für einen gewichtigen Teil des Aufkommens verantwortlich. Aber auch alle anderen Fluglinien bis hin zur Regionalgesellschaft OLT tragen den Aufschwung mit. 'Es zahlt sich aus, die Anbindung an die Luftdrehkreuze zu verbessern', sagt Bula. Neben den traditionellen Umsteige-Flughäfen Frankfurt, München, Amsterdam und Paris hat vor allem Zürich zugelegt, seit die OLT eine Partnerschaft mit der Swiss eingegangen ist und seit Kurzem der gestiegenen Nachfrage mit größeren Flugzeugen begegnet.

Auch das Tourismus-Geschäft habe um zwölf Prozent zugelegt, vermeldet Bula. Sorgenkind bleibt die Luftfracht, die um 18 Prozent zurückging. Aber das sei vorhersehbar gewesen, nachdem die DHL ihre Aktivitäten weg von Bremen nach Hannover verlagert habe. Teilweise könnten aber auch diese Verluste kompensiert werden - dank der neu angeschafften Röntgenanlage. Der Airport setzt künftig verstärkt auf schwere Einzelladung, Frachtkunden müssen ihre Güter nun nicht mehr in Frankfurt, Leipzig oder Köln/Bonn überprüfen lassen - das spart Zeit und Kosten. 'Und wir können Geld verdienen', sagt Bula. Die Investition soll sich in nur drei Jahren amortisiert haben.

Zeit zum Durchatmen bleibt der Flughafen-Crew allerdings kaum. Im kommenden Jahr, so sieht es der Wirtschaftsplan vor, soll Bremen die diesjährige Rekordmarke möglichst wieder erreichen - trotz der Flugverkehrssteuer und entgegen der pessimistischen Branchenprognose, die von einem Rückgang um 2,2 Prozent ausgeht. Wie sich diese Abgabe, die mit mindestens acht Euro pro Start auf einem deutschen Flughafen zu Buche schlägt, auswirken wird, sei noch nicht absehbar. Der irische Lowcost-Carrier Ryanair hatte auf die Pläne der Bundesregierung und auch über den ausbleibenden Protest des Bremer Senats ziemlich verschnupft reagiert und prüft dem Vernehmen nach derzeit sein gesamtes Streckennetz. Bula rechnet damit, dass sich die Verhandlungen bis Januar hinziehen dürften. Er glaubt allerdings nicht, dass sich der für Bremen so enorm wichtige Kunde zurückziehen könnte, 'dafür ist der deutsche Markt zu lukrativ'.

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