Kulturbehörde kann vermitteln

Aus dem privaten Archiv ins Museum

„Später landet ja doch alles im Container!“ Wer mit privaten Sammlern spricht, hört solche resignierten Sätze häufiger. Den Verbleib einer Sammlung beizeiten zu regeln, ist eine große Herausforderung.
23.03.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Joshua Hartmann

„Später landet ja doch alles im Container!“ Wer mit privaten Sammlern spricht, hört solche resignierten Sätze häufiger. Den Verbleib einer Sammlung beizeiten zu regeln, ist eine große Herausforderung, weil häufig Listen fehlen – und weil viele Sammlerinnen und Sammler möchten, dass alles beisammen bleibt. Ein Wunsch, der sich selten analog erfüllen lässt, manchmal aber in elektronischer Form. „Digitale Archive haben andere Anforderungen als Archive, die Dokumente auf Papier sammeln“, gibt Irmgard Christa Becker, die Vorsitzende des Verbandes deutscher Archivare und Leiterin der Archivschule in Marburg, zu bedenken.

Hat eine Sammlung regionalen Charakter, können lokale und regionale Institutionen weiterhelfen: städtische Kultureinrichtungen, Heimatmuseen oder regionale Archive. Wenn es um Überregionales geht, können Landes- oder Bundesinstitutionen angefragt werden – wie das Deutsche Museum, die Deutsche Nationalbibliothek und das Bundesarchiv. In der Kulturbehörde ist Alexandra Albrecht Bürgerbeauftragte – und unter Telefon 361-4658 erreichbar. „Wir können keine Sammlungen übernehmen“, sagt sie. „In jedem Fall können wir jedoch an Bibliotheken, Archive und Museen weitervermitteln.“

Ob das Staatsarchiv am Fedelhören eine Dokumentensammlung in seinen Bestand aufnehmen kann, hängt beispielsweise davon ab, ob die gesammelten Schriften zum Profil des Hauses passen und ob ein geografischer Bezug zu Bremen hergestellt werden kann, ob es um einen Gegenstand, eine Person, einen Verband oder ein anderes, für die Stadt wichtiges Thema geht. „Zeitungen oder Bücher, die wir schon haben, nehmen wir natürlich nicht mehr auf“, sagt Dorothea Breitenfeldt, Telefon 361- 6217, die Ansprechpartnerin für „nicht-amtliches Schriftgut“.

In der vom Staatsarchiv 2009 herausgegebenen Broschüre „Archive im Land Bremen“ sind alle Archive aufgelistet. Die Broschüre ist im Archiv unter „Kleine Schriften – Heft 44“ zu finden. „In letzter Zeit haben wir häufig Dokumente von Bürgerinitiativen“, sagt Irmgard Christa Becker. „Die Alt-68er gehen langsam in die Rente, sortieren ihre Unterlagen und finden Dokumente aus der Zeit. Diese Nachlässe spiegeln die politische Aktivität in der Stadt wieder. Das nimmt jedes Archiv.“

Neben staatlichen gibt es auch private Archive, die nichtamtliches Schriftgut sammeln. „Die meisten Leute in Bremen gehen ja zum Staatsarchiv – und das ist auch richtig so. Aber es gibt auch viele nichtstaatliche Archive“, betont Sigrid Dauks, Telefon 218-6 03 90, vom Arbeitskreis „Bremer Archive“, der 40 der etwa 50 Archive in Bremen vertritt.

Ulrich Duve, Telefon 32 85 12, vom Klaus-Kuhnke-Archiv für populäre Musik in der Altstadt rät Sammlern in jedem Fall, sich frühzeitig um den Verbleib ihrer Schätze zu kümmern. „Um diverse Sammlungen klassifizieren und deren Wert einschätzen zu können, müssen Spezialisten beauftragt werden. Und die findet man häufig erst nach langem Suchen im Privaten.“

Das Zentrum für Medien, das dem Landesinstitut für Schuld (LiS) angegliedert ist, archiviert Fotos und Filmmaterial. Leiter ist Daniel Tilgner, Telefon 361- 7545. Die ehemalige Landesbildstelle hat mittlerweile mehr als 400 000 Fotos in ihren Beständen. „Wir dokumentieren bremisches Zeitgeschehen“, sagt Michael Schnelle (Telefon 361-14744). „Für Hochzeits-, Konfirmations- oder Urlaubsfotos interessieren wir uns deshalb eigentlich nicht“ – von Ausnahmen abgesehen, schon des Zeitkolorits wegen.

Kernaufgaben sind die Unterstützung der Bremer Schulen in Fragen der Fotografie, die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften sowie das Bereitstellen von Bildmaterial aus dem Fotoarchiv für den Unterricht. Zurzeit wird mit Hochdruck an der Digitalisierung und am Online-Stellen der Bestände gearbeitet.

Das Focke-Museum als gewerblich-historisches Heimatmuseum sammelt Bremisches, überregional unter anderem auch Glas, Porzellan oder Möbel. „Über die Zeit wurden weitere Kategorien, wie beispielsweise Archäologie, Spielzeug und Industrie- und Alltagsgeschichte mit aufgenommen. Das hing auch immer ein wenig von meinen Vorgängern ab“, sagt die Direktorin des Museums, Frauke von der Haar.

Die Kunsthalle übernimmt ausschließlich Gemälde und bietet Sammlern aus den Reihen ihres Kunstvereins eine Beratung an. Dabei geht es nicht darum, den materiellen Wert zu schätzen. „Das machen die Auktionshäuser“, sagt Stefanie Glied von der Kunsthalle Bremen. Auch Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker sind auf diesem Gebiet tätig. Die Anmeldung der Beratung im Kunstverein läuft über Berit Krumbein unter Telefon 32 90 86 38.

Im Waller Kulturzentrum Brodelpott, zu dem ein sehr gut sortiertes, von Cecilie Eckler-von Gleich geleitetes Bildarchiv unter anderem zur Geschichte des Bremer Westens gehört, arbeitet Achim Saur (388 70 74) am Digitalen Heimatmuseum. Es befasst sich mit Bremer Alltagsgeschichte und sucht vor allem nach privatem Schriftgut, Tonträgern und filmischem Material.

In vielen Fällen ist es sinnvoll, eine Sammlung auf mehrere Institutionen aufzuteilen. Im Idealfall kann eine Bibliothek beispielsweise die Bücher und die Tonträger einer Sammlung aufnehmen. Ansonsten gehen die Tonträger an ein speziell darauf ausgerichtetes Museum oder Archiv, die Bücher an die Bibliothek.

Eine Initiative des Deutschen Museums hat in den vergangenen Jahren Aufmerksamkeit gefunden. Unter der Bezeichnung „Sammeln im Verbund“, soll ein bundesweites Konzept entstehen, das sich um das Sammeln von nichtamtlichen Schrift- und Bildmaterialien sowie audiovisuelles Material kümmert. In der Tagung „Sammeln im Verbund. Archive und eine nationale Sammlungsstrategie“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Archiven und Bibliotheken die Grundbedingungen, wie nationales Kulturgut aktiv und kooperativ gesammelt, erschlossen und der Forschung zur Verfügung gestellt werden kann.

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