Bar an der Diskomeile Aus für Bremer Hooligan-Kneipe "Old School's"

Das "Old School’s" ist ein Treffpunkt für die rechte Szene in Bremen. Doch seit ein paar Tagen ist die Bar geschlossen - das Objekt soll nun verkauft werden.
15.11.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jan Oppel Milan Jaeger

Schon von außen sieht die Bar „Old School’s“ nicht gerade einladend aus: Die Fassade der Kneipe an der Straße auf der Brake ist beschmiert, das schmale Fenster vergittert. An der Tür hängt ein Schild, das Gästen unter 21 Jahren den Eintritt verbietet.

Jahrelang firmierte die Bar in der Nähe des Hauptbahnhofs unter dem Namen „Bells“. Unlängst gab es einen Pächterwechsel, die Bar hieß seitdem „Old School’s“. Doch laut Hans-Joachim von Wachter, Chef des Bremer Verfassungsschutzes, blieb sie auch nach der oberflächlichen Veränderung ein „wichtiger Treffpunkt der Bremer Neonazi- und Hooliganszene“. Seit ein paar Tagen ist die Bar nun geschlossen.

Der Vermieter der Liegenschaft erklärt auf Anfrage des WESER-KURIER, er habe seinen Mieter mit den Vorwürfen, das „Old School’s“ sei ein Treffpunkt der rechten Szene, konfrontiert. „Dabei hat sich herausgestellt, dass unser Vertragspartner nicht der Betreiber der Bar ist“, sagt er. Seinen Namen will der Vermieter lieber nicht in der Zeitung lesen. Nach seiner Auskunft haben er und seine Mitarbeiter nach der Schließung des „Old School’s“ Drohanrufe erhalten.

Betrieben wurde die Szenekneipe zuletzt von der Stieftochter des Mieters. Diese machte in der Vergangenheit aus ihrer einschlägigen Kundschaft keinen Hehl: Mehrfach schoss sie Handyfotos mit diversen bekannten Größen der Bremer Hooligan- und Neonazi-Szene und postete die Bilder in sozialen Netzwerken.

Rechtsrock zur Eröffnung

Fotos, die dem WESER-KURIER vorliegen, zeigen die Klientel, die sich im „Old School’s“ traf. Ein prominenter Gast der Bar ist demnach ein Angehöriger einer bekannten Rechtsrock-Band. Dem Vernehmen nach ist er am Eröffnungsabend in der Bar aufgetreten. Wie aus Sicherheitskreisen zu hören ist, ging das Bandmitglied aber auch danach im „Old School’s“ ein und aus. Seine Band spielt regelmäßig bei rechten Aufmärschen.

Auch Marcel K. ist auf den Fotos als Gast des „Old-School’s“ zu identifizieren. K. ist in der deutschen Hooliganszene gut vernetzt. So trat er bei den Hogesa-Demonstrationen („Hooligans gegen Salafisten“) in Köln und Hannover im vergangenen Jahr als Regionalleiter für den norddeutschen Raum in Erscheinung. Der Bremer agiert außerdem als lokale Führungsfigur von „Gemeinsam sind wir stark“, einer weiteren rechten Hooligan-Gruppierung.

Unter dem Pseudonym „Captain Flubber“ mobilisierte Marcel K. gemeinsam mit anderen Rechten im Vorfeld des 12. September Gleichgesinnte zum Besuch des „Tags der deutschen Patrioten“ nach Hamburg. Die Demonstration wurde später nach Bremen verlegt (wir berichteten). Als sich rechte Hooligans und linke Ultras im Rahmen des vergangenen Fußball-Bundesliga-Nordderbys zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV vor der Fan-Kneipe „Verdener Eck“ im Stadtteil Peterswerder eine handfeste Auseinandersetzung lieferten, war auch Marcel K. vor Ort. Bilder vom Tag des Vorfalls zeigen, dass K. an diesem 19. April mit der Hooligan-Gruppe unterwegs war. Bei deren Aufeinandertreffen mit linken Ultras und der folgenden Schlägerei wurde der Ultra Valentin S. verhaftet. Die Bremer Polizei leitete gegen mehrere Beteiligte Ermittlungen ein.

Auf den Bildern, auf denen auch der Innenraum der Kneipe „Old School’s“ zu sehen ist, erkennt man das Logo der „Standarte Bremen“, einer rechten Bremer Hooligan-Gruppe. Offiziell hat sich die Standarte in diesem Jahr zwar aufgelöst, ihre Mitglieder sollen aber weiterhin in der Szene aktiv sein. Auch Vertreter der Bremer Rechtsrock-Gruppe „Endstufe“ und deren Fanklub besuchten das „Old School’s“ und ließen sich mit der Pächterin ablichten. Die CDs der Band sollen in der Kneipe als Wandschmuck gedient haben. In Bremen registriert das Landesamt für Verfassungsschutz bereits seit Jahren eine im Bundesvergleich verhältnismäßig große Hooligan-Szene. Laut Amtsleiter von Wachter „beobachtet der Verfassungsschutz die Schnittstelle zwischen Hooligans und Neonazis sehr genau“.

Aggressive Stimmung

Zu den Beobachtungsobjekten gehörte offenbar auch die Kneipe im Umfeld des Bremer Hauptbahnhofs. In den frühen Morgenstunden des 25. Oktober kam es nach Recherchen des WESER-KURIER im „Old School’s“ zu einer Schlägerei zwischen Hooligans. Die Polizei bestätigt, dass damals ein 30-Jähriger aus Walsrode verletzt wurde. Beobachter berichten, dass die Betreiberin beim Eintreffen der Einsatzkräfte stark betrunken gewesen sein soll. Die Polizei ermittelt gegen einen Tatverdächtigen wegen gefährlicher Körperverletzung, Strafvereitelung und Nötigung. Ein Polizeisprecher erklärt auf Nachfrage: „Das ,Old School’s’ war ein beliebter Treffpunkt für rechte Kreise.“ Nach einem Pächterwechsel sei die Stimmung im Umfeld der Bar „immer aggressiver“ geworden.

Am 11. November wurden der Mieter und die Betreiberin in das Stadtamt vorgeladen, um zu den Vorfällen von Ende Oktober Stellung zu beziehen. Der Mieter soll sich von den Ereignissen und der Kundschaft seiner Stieftochter schockiert gezeigt und seine Konzession daraufhin zurückgegeben haben. Der Vermieter soll das Lokal umgehend danach ausgeräumt haben. Auf Nachfrage erklärt er, das Objekt nun verkaufen zu wollen. Die Betreiberin des „Old School’s“ war für unsere Redaktion nicht zu erreichen.

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