Bremen gibt Galoppbahn auf

Aus für Galopprennbahn ist beschlossen

Der Galopprennsport in Bremen und die Rennbahn in der Vahr werden schon bald Geschichte sein. Auf der rund 30 Hektar großen Fläche an der Ludwig-Roselius-Allee sollen stattdessen Wohnungen entstehen.
10.12.2015, 17:57
Lesedauer: 3 Min
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Aus für Galopprennbahn ist beschlossen
Von Jürgen Hinrichs
Aus für Galopprennbahn ist beschlossen

Wo jetzt noch Pferde laufen und springen sollen spätestens ab 2018 Wohnungen entstehen.

Frank Thomas Koch

Der Galopprennsport in Bremen und die Rennbahn in der Vahr werden schon bald Geschichte sein. Auf der rund 30 Hektar großen Fläche an der Ludwig-Roselius-Allee sollen stattdessen Wohnungen entstehen. Das hat Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) am Donnerstag dem WESER-KURIER bestätigt. „Es geht nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie“, sagt Günthner. Wo bisher noch die Pferde laufen, werden demnach spätestens vom Jahr 2018 an bis zu 1000 Wohnungen für mehr als 2000 Menschen geschaffen.

„Bremen braucht neue Wohnungen, und das nicht erst, seitdem so viele Flüchtlinge in die Stadt kommen“, erklärt der Senator. Vor diesem Hintergrund biete sich die Rennbahnfläche in der Vahr geradezu an. „Sie liegt nur fünf Kilometer von der Innenstadt entfernt, ist hervorragend an das Straßennetz und den ÖPNV angeschlossen, und man kann in der Umgebung gut einkaufen“, zählt Günthner die Vorzüge auf. Kurz: „Ein optimales Gelände für den Wohnungsbau.“

Schnelle Kündigung

Möglich wird der schnelle Zugriff auf die städtische Fläche, weil es im Pachtvertrag mit dem Rennverein einen Passus gibt, der Bremen erlaubt, den Vertrag vorzeitig zu kündigen. Bedingung ist, dass das Gelände als Bauland ausgewiesen wird. Die Stadt darf es dabei nicht bei einer losen Planung belassen, sondern muss mit entsprechenden Beschlüssen den Nachweis erbringen, dass tatsächlich gebaut werden soll. Erst dann kann sie kündigen.

Für den Rennverein, der auf eine mehr als 150-jährige Tradition zurückblickt, ist die Entscheidung des Senats ein schwerer Schlag. „Wir hatten gerade erst unsere schwierige Phase bewältigt und waren für die Zukunft optimistisch“, sagt Vereinssprecher Frank Lenk. Es dürfe deshalb nicht sein, dass die Stadt die Kündigung ohne Wenn und Aber vollstrecke, auch wenn sie das Recht dazu habe. „Wir erwarten ein Signal, es muss Gespräche geben, wie man möglicherweise noch zu anderen Lösungen kommt.“ In sein Schicksal fügen wolle der Verein sich jedenfalls nicht: „Wir lassen noch nicht los.“

In dieser Woche erst hatte der Verein eine Bilanz des Rennjahres 2015 gezogen: Sechs Rennen, 13 000 Besucher, stabiler Umsatz und ein nur noch geringes Minus. Die Krisenzeit nach dem Wegfall von Subventionen der Stadt sei gut bewältigt worden, auch dank der vielen Sponsoren, die für das kommende Jahr bereits wieder zugesagt hätten. Falls die Tendenz so anhalte, komme der Verein sehr bald das erste Mal wieder ins Plus.

Frank Lenk betont, dass trotz der neuen Entwicklung an der Planung für 2016 festgehalten werde: „Wir wollen wieder sechs Rennen veranstalten, vielleicht auch sieben oder acht, und zwar mit der gleichen Leidenschaft und Qualität wie immer.“ Das gleiche gelte für das Jahr darauf.

Die Stadt kann mit einer Frist von einem Jahr zum Jahresende kündigen. Weil dafür aber zunächst einmal die Bedingungen erfüllt sein müssen, mindestens sind das erste Planungen für die Bebauung, wird dieser Schritt wohl erst zum Jahresende 2016 vollzogen. „Wir brauchen ohnehin rund zwei Jahre, bis die planerischen Voraussetzungen geschaffen sind“, erklärt Senator Günthner. „Anfang 2018 soll es dann aber definitiv losgehen.“

Was wird aus der GolfRange?

Einigen muss die Stadt sich noch mit dem Betreiber einer Golfanlage, der sogenannten GolfRange, die im Oval der Rennbahn liegt. Der Unternehmer hat nach Angaben der Wirtschaftsbehörde einen Pachtvertrag bis zum Jahr 2030. Für Günthner nicht das große Problem: „Wir werden miteinander reden. Außerdem wird das Gelände schrittweise und zunächst von den Rändern her entwickelt.“

Dass es demnächst in Bremen keinen Galopprennsport mehr gibt, findet der Senator verschmerzbar: „Politisch war das immer hoch umstritten.“ Der Rennverein sei über Jahrzehnte zwar eine feste Größe im Bremer Veranstaltungskalender gewesen, und noch in den 1990er-Jahren habe es die Hoffnung gegeben, das Thema neu zu beleben und als Tourismusfaktor zu etablieren. „Diese Hoffnungen sind aber längst begraben.“ Auch wenn es in den vergangenen Jahren gelungen sei, das schon einmal beschlossene Ende des Rennvereins zu vermeiden, merke man die bundesweite Flaute des Rennsports auch in Bremen.

Leicht sei die Entscheidung trotzdem nicht gefallen, sagt Günthner. „Die Renntage hatten für die Besucher natürlich ihren eigenen Charakter und Charme. Das wird es dann so in Bremen nicht mehr geben.“

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