Hoffnung für unversorgte Jugendliche

Sonderprogramm gegen Flaute am Lehrstellenmarkt

Bremer Betriebe haben die Zahl ihrer Ausbildungsplätze wegen Corona verringert. Damit nicht zu viele Jugendliche leer ausgehen, legt der Senat ein Sonderprogramm auf, das den Weg ins Berufsleben ebnen soll.
25.08.2020, 05:00
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Sonderprogramm gegen Flaute am Lehrstellenmarkt
Von Jürgen Theiner
Sonderprogramm gegen Flaute am Lehrstellenmarkt

Ein Auszubildender arbeitet mit Hammer und Stechmeißel an einem Werkstück. Da viele Handwerksbetriebe in der Pandemie ihre Ausbildungskapazitäten zurückfahren, bemüht sich der Senat jetzt um Alternativen.

Sebastian Gollnow

Die Corona-Krise erschwert vielen jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben. Bei den betrieblichen Ausbildungsstellen war im Juli ein Rückgang von rund 14 Prozent im Land Bremen zu verzeichnen. Um einer möglichst großen Zahl von Schulabsolventen doch noch eine Lehre zu verschaffen, will der Senat nun über sogenannte Ausbildungsverbünde kurzfristig zusätzliche Kapazitäten bereitstellen.

Das Wirtschaftsressort hat eine entsprechende Strategie erarbeitet, das Papier liegt dem WESER-KURIER vor. Über die Ausgangslage macht man sich im Haus von Senatorin Kristina Vogt (Linke) keine Illusionen. Nach Einschätzung der Behörde wird es beim bereits bekannten Minus an Lehrstellen nicht bleiben. Laufende oder gerade begonnene Ausbildungsverhältnisse seien durch Kurzarbeit in den Betrieben bedroht, „was zu einer Zunahme von Ausbildungsabbrüchen gerade ab der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres und darüber hinaus führen kann“, heißt es in der Vorlage.

Wie soll die Politik auf diese Entwicklung reagieren? Grundsätzlich gibt es auf Landes- und Bundesebene schon jetzt eine Reihe von Instrumenten, mit denen versucht wird, unversorgte Schulabgänger in eine Berufsausbildung zu bringen. So fördern etwa die Jobcenter die Bereitstellung zusätzlicher Lehrstellen durch Unternehmen pro Fall mit 6000 Euro. Außerbetriebliche Ausbildungen bei Bildungsdienstleistern oder berufliche Einstiegsqualifikationen in einem Betrieb als Brücke in reguläre Ausbildungsverhältnisse werden ebenfalls bezuschusst. Außerdem erhalten kleine und mittlere Unternehmen, die wirtschaftlich erheblich von der Pandemie betroffen sind und ihr Ausbildungsplatzangebot 2020 trotzdem nicht verringern, für jeden neu geschlossenen Ausbildungsvertrag eine einmalige Prämie von 2000 Euro. Diese und weitere Maßnahmen werden nach Ansicht der Fachleute in der Wirtschaftsbehörde aber nicht reichen, um die Lage am Ausbildungsmarkt zu entschärfen.

Kurzfristig sollen deshalb sowohl in Bremen als auch in Bremerhaven sogenannte außerbetriebliche Ausbildungsverbünde gestartet werden. Dabei findet die Ausbildung nicht in Betrieben, sondern ausschließlich bei einem Bildungsdienstleister statt. Im Fall einer wirtschaftlichen Erholung und wieder anziehender Nachfrage nach Azubis könnten die Teilnehmer kurzfristig in einen entsprechenden Betrieb vermittelt werden und ihre Lehre dort fortsetzen. Ein solcher Übergang sei das „prioritäre Ziel“, er soll durch Prämienzahlungen begünstigt werden.

Für die Zeit bis 2022 rechnet das Wirtschaftsressort mit einem Anstieg der Teilnehmerzahlen in den Ausbildungsverbünden auf gut 220. Um welche Berufsbilder es konkret geht, soll mit der Jugendberufsagentur abgestimmt werden. Zumindest für Bremerhaven gibt es bereits die Überlegung, Einstiege in Gastronomie, Hauswirtschaft, kaufmännische Berufe sowie Lagerwirtschaft zu ermöglichen. Im industriellen sowie handwerklichen Bereich lauten die Stichworte Elektronik, Metall, Holz, Bau, Garten-und Landschaftsbau, Kfz, Maler/Lackierer und Friseurhandwerk.

Der Senat wird sich diese Anstrengungen eine Menge Geld kosten lassen. Bis 2023 dürfte sich der finanzielle Aufwand auf rund 13,3 Millionen Euro summieren. Die Wirtschaftssenatorin geht davon aus, dass sich die Anstrengungen lohnen werden, spätestens wenn die Konjunktur nach Corona wieder deutlich an Dynamik gewinnt. „Durch die zusätzlichen Ausbildungsplätze wird die Zukunftsfähigkeit der Bremer und Bremerhavener Wirtschaftsstandorte gestärkt“, ist Kristina Vogt überzeugt.

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