Werner Pieper stellt unter dem Titel „Füllhorn“ 40 Bilder in der Galerie Lichthof aus

Ausdrucksmittel in schwierigen Situationen

Burgdamm. Die Bilder von Werner Pieper sind nicht immer leicht verdauliche Kost. Im Zentrum eines seiner neuesten Werke begegnet dem Betrachter ein äußerst wildes und kämpferisches Element.
13.05.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Doris Friedrichs

Burgdamm. Die Bilder von Werner Pieper sind nicht immer leicht verdauliche Kost. Im Zentrum eines seiner neuesten Werke begegnet dem Betrachter ein äußerst wildes und kämpferisches Element. „Metamor­phose“ hat der Künstler das Bild genannt. Eine von 40 Arbeiten in Öl, Acryl, Aquarell und Mischtechnik, die im Laufe von 30 Jahren entstanden sind und die er ab Sonntag unter dem Titel „Füllhorn“ in der Galerie „Lichthof“ in Burgdamm zeigt.

Er male und zeichne seit seiner Jugend, erzählt Werner Pieper. Die Gestaltungsfähigkeit durch Musik und Malerei habe er gleichzeitig entwickelt als Möglichkeit, in der Bedrängnis einen Ausdruck zu finden. Der gebürtige Bremer wurde von einer Pflegemutter aufgezogen, die schwer krank ­wurde und in eine Pflegeeinrichtung kam. Bereits mit 16 Jahren war Werner Pieper vielfach auf sich allein gestellt. „Da war die Kunst eine Möglichkeit, damit fertig zu werden“, sagt er. „Ein Ausdrucksmittel für die schwierige Situation.“

Malen und Zeichnen habe bis heute etwas rein Intuitives für ihn, und das sei auch lange Zeit in der Musik so gewesen. Pieper spielt unter anderem Saxofon, ist auch Saxo­fonlehrer und singt in der von ihm gegründeten Band Jazz Garten. Keine Tanzmusik, wie er betont. Der studierte Sozialarbeiter war vier Jahre lang im Jakobushaus in der Obdachlosenarbeit tätig, danach im Klinikum Bremen-Ost im Bereich der Suchterkrankungen. „Im Zusammenhang mit der eigenen Lebensgeschichte war das sehr belastend“, blickt er zurück. Das sei auch ein Grund gewesen, seinen Job 2010 mit damals 52 Jahren aufzugeben, zugunsten einer selbstständigen Musiker- und Künstlerlaufbahn.

Werner Pieper ist sowohl in der Musik als auch in der Kunst weitestgehend Auto­didakt. „Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass ich immer Misstrauen gegen die Vermittlung als eine Art Fremdbestimmung gehabt habe. Ich habe befürchtet, dass sie mir meine Intuition austreiben könnte.“ Erst vor vier Jahren ist er von dieser Sichtweise ein wenig abgerückt. Für die Aquarellmalerei hat er in der Volkshochschule in Bremen-Nord Kurse belegt. „Weil mir das mit der intuitiven Herangehensweise nicht viel gebracht hat.“

Blumen zu malen sei ihm aber zu langweilig gewesen, und so landete er schnell wieder bei seinen surrealistischen Motiven. Der Bremer Künstler Claus Gero Heitmann, der den Kurs vor zwei Jahren übernahm, habe ihn bestärkt, „mein eigenes Ding zu machen und nicht zu kopieren“. Heitmann unterstütze ihn auch beim Aufbau seiner neuen Ausstellung, der ersten seit 18 Jahren. 14 Tage dauert sie, vom 14. bis 28. Mai. „Man kann den Ausstellungszeitraum selber festlegen, muss dafür zahlen und ist aber jeden Tag anwesend“, erläutert Pieper das Konzept der Galerie. Er zeigt Bilder aus drei Jahrzehnten mit dem Schwerpunkt auf den neueren Arbeiten, wozu fünf großformatige Bilder zählen. „Eigentlich hatte ich mir nur zwei vorgenommen, aber dann habe ich einen richtigen Flash bekommen und gleich fünf Acrylbilder gemalt.“ Die ­überwiegende Zahl der in den zurückliegenden Jahren ­gemalten Bilder sei in Aquarelltechnik entstanden.

Zur Aquarellmalerei habe ihn eigentlich eine Ausstellung des deutsch-französischen Künstlers Wols inspiriert. „Einer der ersten informellen Maler“, sagt Pieper. „Viele ­haben sich an dem orientiert. Er hat mit Aquarellfarben einen luftigen Hintergrund gestaltet und mit Scriptol surreale Figuren hineingemalt. Diese Bilder haben mich ­total angesprochen und mich gereizt.“

Am Anfang sei die Aquarellmalerei für ihn schwierig gewesen, gibt der 58-Jährige zu. „Bei Aquarell muss man von vornherein einen Plan haben und überlegen, welcher Teil des Bildes hell und welcher dunkel sein soll, und da ich ja eher improvisiere, fiel mir das schwer. Surrealistische wie abstrakte Bilder seien für ihn in seiner Kunst gleich wichtig, ebenso das Spiel mit Illusionen und grafischen Elementen.

„Ich habe mich auch lange Zeit für Kandinsky begeistern können, insbesondere für seine strengen Motive aus den Zwanzigerjahren. Das einzige Kunstbuch, das ich mal gelesen habe, ist von Kandinsky.“ In „Über das Geistige“ beschreibe der Künstler die Verknüpfung von Farben und Assoziationen und wie Farben wirken, beispielsweise dass Rot und Gelb nach vorne gestellt werden sollten und Blau nach hinten. „Gerade wenn man abstrakt arbeitet, ist das wichtig“, betont Pieper.

Aber auch Salvador Dalí gehört zu seinen Helden in der Kunst. Auf den sei er aber vor allem durch die Künstler gestoßen, die surrealistische Plattencover gestaltet haben. Im Hinblick auf die Farben gesteht Pieper, dass er es vor allem kräftig liebt. „Das liegt vielleicht auch an meiner Rot-Grün-Schwäche. Ich gehe von meinem subjektiven Farbempfinden aus, und es fällt mir schwer, die Zwischentöne zu gestalten. Aber Kunst hat ja ohnehin immer mit dem subjektiven Empfinden zu tun.“

Das mit den Zwischentönen ist ihm bei einem etwas ruhigeren Bildmotiv aber durchaus gelungen. Es heißt denn auch „Aufkommende Ruhe“ und überzeugt mit strukturierteren Formen. In einem anderen Werk hat Werner Pieper seine Krebs-Diagnose niedrigmaligne lymphatische Leukämie, die er vor vielen Jahren erhielt, verarbeitet. In der Mitte des Bildes zeigen sich eine Verwachsung, eine Mutation und das lauernde Monster im Untergrund. Malerei, so der Nordbremer abschließend, sei für ihn viel Improvisation und sich selbst überraschen. „Kunst muss berühren und notfalls auch ärgern.“

Die Ausstellung „Füllhorn“ mit Arbeiten von Werner Pieper wird am Sonntag, 14. Mai, um 11 Uhr im Lichthof / Kunstfabrik Marßel, Stader Landstraße 64, eröffnet und ist dort bis zum 28. Mai zu sehen. Die Öffnungszeiten, bei denen der Künstler persönlich anwesend ist, sind dienstags von 14 bis 16 Uhr, mittwochs von 18.30 bis 20.30 Uhr, donnerstags von 18 bis 20 Uhr, freitags von 17 bis 19 Uhr, sonnabends von 12 bis 14 Uhr sowie von 16 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Weitere Informationen unter www.wernerbremen-kreativ.de.

„Kunst muss berühren und notfalls auch ärgern.“ Werner Pieper
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