Küchenduell im Institut français bringt Teilnehmern Geschmackserlebnisse und neue Erkenntnisse

Ausgerechnet Kochbananen

Das französische Kochteam hat die Gäste mit einem selbst gemachten Ratatouille für sich gewonnen. In der Küche des Institut français an der Contrescarpe 19 sind in der Integrationswoche insgesamt drei Teams in einem Kochwettbewerb gegeneinander angetreten.
04.10.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ina Schulze

Das französische Kochteam hat die Gäste mit einem selbst gemachten Ratatouille für sich gewonnen. In der Küche des Institut français an der Contrescarpe 19 sind in der Integrationswoche insgesamt drei Teams in einem Kochwettbewerb gegeneinander angetreten.

Ostertor. Es riecht nach frisch geschnittenem Gemüse und exotischen Gewürzen. Im Hintergrund spielen Sheriffo Sanneh und die "West African Vibes", und der Bürgerschaftsabgeordnete Elombo Bolayela (SPD) gesellt sich erst einmal zu ihnen: Mit Musik geht eben auch das Kochen besser, vor allem bei einem Wettbewerb im Institut français hat sich am Freitag gezeigt, wie unterhaltsam Integration am Herd laufen kann.

Nadège Le Lan, die Direktorin des Instituts, und die Arbeitsgruppe Afrika des Bremer Rates für Integration hatten zum Kochen eingeladen. "Ich habe selbst noch nie an einem Kochwettbewerb teilgenommen, aber man merkt, dass die Teams gut zusammenarbeiten", sagt Le Lan, die einige Mitglieder ihrer Gruppe erst an diesem Nachmittag kennengelernt hat. Die Französin ist der "Deutschen Gruppe" zugeteilt worden. Gulaschsuppe steht auf ihrem Plan.

Drei Teams

Die "Deutsche Gruppe" tritt gegen zwei weitere Hobbykochteams an. Das afrikanische soll Kochbanane mit Bohnen zubereiten, das französische Ratatouille. Das Publikum darf die Gewinner küren. "Ich bin eine Liebhaberin von Gulasch, aber ich habe es noch nie gekocht, und wir haben eine große Konkurrenz", sagt Nadège Le Lan. "Das Ratatouille schmeckt sehr gut."

Unterstützt wird die Gastgeberin von Polizeipräsident Lutz Müller, Ferol Odehe und Frank Essoh. Die vier nehmen es sportlich. "Dabei sein ist alles", sagt Lutz Müller, der mehrere Veranstaltungen der Integrationswoche besucht hat. Der Kochwettbewerb ist arrangiert worden, um verschiedene Kulturen zusammenzubringen und etwas gemeinsam zu erleben. "Sonst wird einfach nur viel geredet. Diese Veranstaltung ist sehr innovativ und die Gerichte sind sehr lecker", findet Ana Maria Becker aus Horn, die als Besucherin dabei ist.

"Geht mal nicht so geizig mit den Zutaten um", ermahnt Moderator Ngoromari Camara die Kandidatinnen und Kandidaten. "Alle wollen mal probieren." Gekocht wird vor allem mit Biolebensmitteln, und die Veranstalter haben einen Sponsor gefunden. "Für mich war selbstverständlich das Projekt zu unterstützen", sagt Marie Ubben, die Vertriebsleiterin EDEKA Nord-West, die in der französischen Gruppe das Siegergericht Ratatouille kocht. "Ich finde es sehr interessant, neue Leute und neue Kulturen kennenzulernen."

Auch Michael Bredow vom Markt der Kette in der Galeria Kaufhof in der Altstadt schnibbelt mit. Er wollte wie andere auch gerne wissen, wie die Kochbananen zubereitet werden und wie diese Frucht schmeckt. "Ich hatte gehofft, dass ich der afrikanischen Gruppe zugeteilt werde", sagt Silke Harth, die Bremer Integrationsbeauftragte. "Ich finde es extrem spannend."

Ihre Teamkollegin Michèle Watat aus der Neuen Vahr Nord stammt aus Kamerun, und dort gehören Kochbananen zu den Grundnahrungsmitteln. Die ungeschälten Bananen werden in Wasser gekocht, dann wird ihre Schale entfernt und das Ganze wird gestampft. In Palmöl frittierte Zwiebeln verleihen dem Gericht mit Bohnen das nötige Flair.

Die AG Afrika hat bestimmt, was gekocht werden soll, und lediglich die Zutaten gestellt. Wie gekocht wird, mussten die Mitglieder der drei Gruppen unter sich ausmachen. Zum Kochen müsse man eben auch viel Kreativität mitbringen, sind sich viele Besucher einig. "Ich koche das erste Mal Kochbananen und habe sie auch noch nie probiert", sagt die Diana Altun aus dem Viertel, die Projektleiterin von Memi (Mentoren für Migranten) des Kulturzentrums Lagerhaus. Als Lutz Müller das Gericht der afrikanischen Gruppe probiert, ist er verwundert: "Die Bananen schmecken gar nicht exotisch, sie schmecken eher wie Kartoffeln."

Während die Kochbananen noch vor sich hin brutzelten und der Obstsalat vorbereitet wurde, rührte Chief Tala Awolola, 1. Vorsitzende des Pan-Afrikanischen Kulturvereins, seine Ratatouille um. Eine ungewöhnliche Tätigkeit für Männer seines Amtes. "In Nigeria dürfte der Chief keine Küche betreten", sagt Ngoromari Camara und fragt sicherheitshalber bei der französischen Gruppe nach: "Was gehört eigentlich in eine Ratatouille?"

Jeder nach seinem Geschmack

"Auf jeden Fall Paprika", antwortet Marie Uppe, die bereits einen riesigen Berg Paprika vor sich liegen hat. Aber ansonsten habe Lorna Hörstemeier vom Mütterzentrum Tenever den besten Überblick. Am Ende sind alle begeistert von dem Einsatz der Teams und den Gerichten.

"Es ist beeindruckend, dass man in kurzer Zeit etwas Leckeres kochen kann", sagt Hobbyköchin Nadège Le Lan über ihr Gulasch und die Speisen der anderen. Olga Kshyshovskaya aus Horn würde am liebsten an alle Gruppen jede Menge Punkte verteilen. Und die Kochbananen würde sie sogar gern selbst mal nachkochen, allerdings bevorzugt sie noch eine eigene Soße dazu. "Hier kann eben jeder etwas für sich mitnehmen", sagt Diana Altun.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+