Premiere des Kinder- und Jugendmusicals

Ausgezeichnet: Die zweite große Pause

Bremen. 80 Kinder und Jugendliche und ein Choreograf planen ein halbes Jahr lang ein Musical, dessen Premiere am Donnerstagabend im Schlachthof vor ausverkauftem Publikum stattfand.
19.07.2014, 00:00
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Von LAURA ALBUS
Ausgezeichnet: Die zweite große Pause

Tanz, Gesang und ganz viel Dynamik präsentieren die 80 Kinder auf der Bühne im Schlachthof.

80 Kinder und Jugendliche und ein Choreograf planen ein halbes Jahr lang ein Musical, dessen Premiere am Donnerstagabend im Schlachthof vor ausverkauftem Publikum stattfand. In ihrem Stück verarbeiten sie Erfahrungen mit sozialen Netzwerken und Fairness. Erstmalig haben bei diesem Projekt alle Bremer Bürgerhäuser miteinander kooperiert.

Der Kesselsaal im Schlachthof ist prall gefüllt am Donnerstagabend, selbst auf den Treppenstufen sitzen zahlreiche Zuschauer. Die Ventilatoren kämpfen leise brummend gegen die Hitze an. Das Licht geht aus, und es wird still auf den Rängen. Ein Mann in einer der vorderen Reihen errötet, als sein klingelndes Handy die Stille des Saales zerreißt.

Soziale Netzwerke und ihre Auswirkungen sind das zentrale Thema des Musicals „Die zweite große Pause“, das erstmalig in Zusammenarbeit aller Bremer Bürgerhäuser entstanden ist. Erarbeitet wurde das Stück von rund 80 Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 16 Jahren unter künstlerischer Leitung von Arton Veliu. „Am Anfang war es natürlich schwierig, eine so große Kooperation aufzubauen. Aber am Ende hat es gut geklappt“,sagt Veliu nach der Premiere, der nicht nur Regisseur und Choreograf war, sondern auch als Motivator, Streitschlichter und Ansprechperson für die Jugendlichen agieren musste. Er hat bereits im vergangenen Jahr „Die große Pause“ auf die Bühne gebracht. Doch „dieses Mal waren es mit acht Bürgerhäusern auch deutlich mehr Kinder“, fügt er lachend hinzu. Inspiration fand er, als er verschiedene Leute in ihrem Umgang mit sozialen Netzwerken beobachtete. Mit diesen ist eine neue Kommunikationsform entstanden, die von älteren Generationen nur schwer verstanden wird. Facebook, Instagramm, Whats-App – das Smartphone ist ständiger Begleiter der Kids. Das Musical hat eine Brücke zu den anderen Generationen gebaut.

Anfangs sind es zwei große Gruppen auf dem Pausenhof: die coolen Halbstarken und die frechen, überraschend manipulativen Kids. Wer postet welches Foto mit wem und wieso? Vertrauen zu bilden fällt schwer, so dass die Gruppen zerfallen, schließlich gibt es unterschiedliche Ansichten zum Thema Fairness. Zu Musik von Amir Irandoost und Femi Amin tanzen sie dynamischen Hip Hop, Breakdance und singen. Musikalisch verarbeiten sie dabei nicht nur ihre Facebook-Probleme, sondern auch die der Integration, des Geschwister-Daseins und die der Sprache. Schlussendlich kommt dann die Intrige der Kids heraus, und sie sehen ein, dass Fairness auch im Netz geboten ist.

Die 14-jährige Whoopy Kruse hat trotz Schulstress der vergangenen Wochen erneut beim Musical mitgemacht, wie bereits im Jahr zuvor. „Wenn die Schule es zulässt, mache ich nächstes Jahr wieder mit“, erzählt sie. „Eigentlich haben wir alle Smartphones, aber nicht alle Instagram oder Facebook. Ich selber habe kein Facebook, weil ich es einfach nicht brauche.“ Zur Premiere erschien auch Kultur-Staatsrätin Carmen Emigholz, Stiftungsratsvorsitzende der Start-Jugend-Kunst-Stiftung. Emigholz zeichnete die „Große Pause“ als „Projekt des Jahres“ aus, dotiert mit 5 000 Euro. Sie begründet die Vergabe so: „Kinder und Jugendliche werden hier unter Anleitung an ihre eigenen kreativen Ausdrucksmöglichkeiten herangeführt. Gezielt werden Konzentration, Teamgeist und Kommunikationsfähigkeit geschult. Gleichzeitig bietet die Inszenierung den jungen Tänzerinnen und Tänzern eine Plattform für ihre Meinungen und Gefühle zu einem sie bewegenden Thema.“

Das Musical wird noch bis zum Ende des Jahres an verschiedenen Orten in ganz Bremen zu sehen sein, konkrete Termine stehen noch nicht fest.

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