Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten Ausgezeichnete Geschichten aus Bremen

31 Projekte von 142 Schülern aus Bremen. Zahlreiche Teilnehmer werden beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten in der Bremischen Bürgerschaft ausgezeichnet.
30.08.2017, 20:30
Lesedauer: 5 Min
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Von Christine Leitner

„Das Ziel ist es, das Geschichtsinteresse bei Kindern und Jugendlichen zu wecken“, erklärt Carmen Ludwig. Sie ist die Programmleiterin des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten, bei dessen Preisverleihung am Mittwoch in der Bremischen Bürgerschaft die Landessieger ausgezeichnet wurden. Der Wettbewerb wird seit 1973 alle zwei Jahre von der Körber Stiftung ausgerichtet. Zur 25. Ausschreibung reichten bundesweit 5000 Schüler aller Klassenstufen 1639 Beiträge ein.

Allein aus Bremen kamen 31 Projekte von 142 Schülern. Das diesjährige Thema lautete: „Gott und die Welt - Religion macht Geschichte“. Anhand historischer Analysen und einem Bezug zur eigenen Stadt setzten sich die Kinder und Jugendlichen mit der Relevanz von Glauben und Religion auseinander. Denn Glauben und Religion hätten, unabhängig davon, ob jemand religiös ist oder nicht, eine gesellschaftliche Relevanz, wie Bildungssenatorin Claudia Bogedan betonte.

Kurzroman über den Holocaust

Zu den diesjährigen Bremer Landessiegern gehören Lana Tendahl und Melisa Hoshaber. Die zwei Schülerinnen besuchen die zwölfte Klasse des Kippenberg-Gymnasiums und haben einen Kurzroman eingereicht. Im Zentrum des Geschehens steht die siebenjährige Anna, ein jüdisches Mädchen, das zum Opfer des Holocaust wird. Damit setzen sich die Schülerinnen mit der Frage auseinander, wie ein jüdisches Kind die Diskriminierung und Unterdrückung seiner Religion miterlebt und verarbeitet hat.

Während der Recherche haben die Zwölftklässlerinnen mit Zeitzeugen gesprochen, unter anderem mit einem der letzten Überlebenden der Minsk Deportierten aus Bremen. „Nach dem Gespräch war uns wieder bewusst, wie privilegiert wir leben“, sagt Hoshaber. Überhaupt sei das Treffen sehr emotional gewesen, fügt Tendahl hinzu.

Auch Katharina Grosse, Lehrerin für Geschichte und Religion am Kippenberg-Gymnasium, freut sich sehr über den Erfolg ihrer Schüler. „Man muss zeigen, dass Geschichte nichts Verstaubtes ist, sondern dass es was mit einem selbst, der Familie, der Stadt zu tun hat und dass es Fragen gibt, die man auch zulassen muss", sagt sie. Besonders hilfreich und motivierend war neben dem Besuch im Staatsarchiv auch die Zusammenarbeit mit der Universität Bremen. Sie würde es jederzeit wieder machen, sagt Grosse und freut sich: „Viele aus der neunten Klasse haben jetzt auch Geschichte als Leistungskurs gewählt.“ Ob das dem Geschichtswettbewerb zuzuschreiben ist, kann sie jedoch nicht sicher sagen.

Deutschlands größter historischer Forschungswettbewerb

Mit bislang 141.000 Teilnehmern und rund 31.500 Projekten gilt der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten als größter historischer Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland. Bewertet werden die Beiträge unter anderem nach ihrer historischen Fragestellung, dem Umgang mit den Quellen und die Darstellung und Bewertung der Ergebnisse. „Natürlich läuft die Bewertung der Landesjury alters- und schulgerecht ab. Zwischen Grundschule und Oberstufe wird zum Beispiel schon unterschieden“, sagt Carmen Ludwig, die Programmleiterin des Geschichtswettbewerbs.

Die landesbeste Schule wird nach einem Punktesystem errechnet. "Den Förderpreis mit einem Punkt erhalten Beiträge, die Potenzial haben und deshalb gefördert werden sollen, der Landessieg mit drei Punkten geht an die drei besten Beiträge im Bundesland“, erklärt Ludwig. Die Punkte werden schließlich zusammengerechnet.

Bei der Landespreisverleihung in Bremen waren Schüler des Ökumenischen Gymnasiums, des Hermann-Böse-Gymnasiums, der Albert-Einstein-Schule, der Oberschule Findorff und der Grundschule an der Brinkmannstraße aus dem Bundesland vertreten. Aus Bremerhaven reisten Schüler des Schulzentrums Geschwister Scholl und des Lloyd Gymnasiums an. Drei der gewählten Landessieger stammen vom Kippenberg-Gymnasium, das den Preis als landesbeste Schule erhält. „Solche Projekte sollten auch weiterhin gefördert werden“, so der Schulleiter Hermann Pribbernow vom Kippenberg-Gymnasium. Er durfte gestern den Preis für die landesbeste Schule in Empfang nehmen.

Wie wichtig die Auseinandersetzung mit Religion und Glauben ist, bringt die Schülerin der Albert-Einstein-Schule, Adiza Lenonie Yacoubou, bei der Preisverleihung auf den Punkt: „Es ist egal woran man glaubt. Hauptsache, man steht für seine Überzeugungen ein.“

Am 22. November findet schließlich die Bundespreisverleihung statt. Dort werden schließlich bundesweit die besten Landessieger geehrt.

Die Bremer Landessieger

Schulzentrum Geschwister Scholl

Das Kloster Neuenwalde: Die Schüler Jano Schuermann, Richard Steinfeldt und Malte Wasielewski vom Schulzentrum Geschwister Scholl in Bremerhaven setzten sich mit dem Einfluss des Klosters Neuenwalde auf die Klosterbauern und die landwurster Bauern auseinander. Der Kurzfilm verdeutlicht deren Lebensumstände im 14. Jahrhundert. Die Schüler kamen zu den Schluss, dass das Kloster als gutes Beispiel für den Einfluss des Adels auf die Kirche gilt.

Albert-Einstein-Schule

Fight for your Conviction: Adazia Leonie Yacouboub von der Albert-Einstein-Schule hat sich mit der Geschichte der Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus beschäftigt. Auch sie gehörten zu einer verfolgten Gruppe, da sie unter anderem den Hitlergruß sowie den Kriegsdienst verweigerten. Im Mittelpunkt stehen das Schicksal zweier Bremer Zeugen Jehovas. Für ihre Arbeit sprach die Schülerin mit den Nachkommen der beiden Verfolgten und besuchte lokale Gedenkstätten in Bremen.

Kippenberg-Gymnasium

Aber ich bin doch nicht tot: Der Kurzroman „Aber ich bin doch noch nicht tot“ von Lana Tendahl und Melisa Hoshaber erzählt die Geschichte eines fiktiven jüdischen Mädchens zur Zeit des Nationalsozialismus. Dabei lag der Fokus auf der kindlichen Wahrnehmung und die Verarbeitung und Unterdrückung der jüdischen Religion und der Diskriminierung ihrer Gemeindemitglieder. Der Roman basiert auf der Lebens­geschichte dreier historischer Persönlich­keiten.

Ökumenisches Gymnasium

Hexenverfolgung in Bremen: Elf Schüler des Ökumenischen Gymnasiums beschäftigten sich mit der Hexenverfolgung. Dabei untersuchten die Mädchen und Jungen die Rolle der Kirche, den Ablauf der Prozesse und den Auslösern der Verfolgungen. Im Fokus lagen die frühneuzeitlichen Hexenprozesse in Bremen. Als Produkt erstellten die Schüler einen schriftlichen Text und verarbeiteten sechs Fallbeispiele zu einem lebendigen Hörspiel.

Kippenberg-Gymnasium

Missionare in Togo: Kurz vor dem ersten Weltkrieg reisten die Bremer Carl und Sophie Spieß im Namen der Norddeutschen Mission nach Togo. In Briefen berichtete Sophie ihren in Bremen zurückgebliebenen Kindern von ihrer Arbeit als Missionarin. Diese sind bis heute erhalten geblieben und dienten vier Neuntklässlern des Kippenberg-Gymnasiums, um die Beweggründe der Missionare, ihre Einsätze im Ausland und die Reaktionen der dortigen Bevölkerung zu untersuchen.

Hermann-Böse-Gymnasium

Bremer Freimaurerloge: In einer schriftlichen Arbeit geht Elif Beyza der Frage nach, inwiefern die Bremer Freimaurerloge „Ölzweig“ die in den „Alten Pflichten“ geforderte Toleranz gegenüber anderen Religionen wahrte. Wie die Schülerin feststellte, galt dieses Toleranzgebot nicht für die Bremer Freimaurerloge. Stattdessen handelte es sich dabei um eine christlich konservative Loge, die nur Christen aufnahm. Der Kontakt zu anderen Logen war unerwünscht.

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