Aufsichtsratssitzung der Gewoba "KT" stand auch für "Kundentelefon"

Die Gewoba will zweifelhafte Vermerke in Mieterdateien weiter prüfen, auch von externen Fachleuten. Das beschloss der Aufsichtsrat. Einige der angemerkten Fälle stellten sich als nicht diskriminierend heraus.
09.06.2021, 17:21
Lesedauer: 2 Min
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Von Nina Willborn

Der Aufsichtsrat der Gewoba, mit rund 42.000 Wohnungen die größte Vermietungsgesellschaft der Stadt, hat sich am Mittwoch mit dem internen Bericht der Geschäftsführung zur Vermietungspraxis beschäftigt. Das Gremium beschloss, dass die Nachforschungen vom Vorstand weiterverfolgt werden und auf der nächsten Sitzung im Juli erneut Thema sein sollen.

„Der Aufsichtsrat konnte sich heute davon überzeugen, dass der Gewoba-Vorstand alles dafür tut, die Sachlage umfassend aufzuklären", sagte die Vorsitzende, Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne). „Aufsichtsrat und Vorstand sind sich einig, dass diskriminierende Einträge im Vermietungsbereich vollständig zu unterbinden sind. Allerdings konnten noch weitere Fälle, die sich insgesamt im Promillebereich bewegen, als nicht diskriminierend identifiziert werden."

Die Mitglieder des Aufsichtsrates ließen sich die 130 in dem Bericht erwähnten Datensätze in der Sitzung näher erklären. In zehn Prozent der Fälle (13 Akten) hat sich nach Angaben von Gewoba-Sprecherin Christine Dose inzwischen herausgestellt, dass keine Diskriminierung vorlag, weil die verwendeten Abkürzungen in einem anderen Bedeutungszusammenhang verwendet worden waren: "KT", bei der Brebau mutmaßlich für "Kopftuch" verwendet, stand in einigen Fällen für "Kundentelefon", das Stichwort „Farbiger“ wurde im Zusammenhang mit einem Wandanstrich vermerkt und nicht aufgrund der Hautfarbe eines Interessenten. Ein Tippfehler lag womöglich bei der Kennung "R+S" vor, die in einer Notiz auftauchte, dass "Vater und Sohn" gemeinsam eine Wohnung beziehen wollten – es war kein Hinweis auf "Sinti und Roma".

32 Prozent, also 38 der übrigen im Bericht erwähnten 117 Mietinteressenten, hätten insgesamt 107 Wohnungsangebote erhalten, teilt die Gewoba mit, bislang seien zwölf Verträge unterschrieben worden. Die anderen Fälle sollen weiter untersucht werden. Mit dem Thema beschäftigt sich neben der Innenrevision der Gewoba auch eine neue Arbeitsgruppe. Auch von extern soll laut dem Sitzungsbeschluss auf den Vermietungsprozess geschaut werden: durch die Datenschutz Nord GmbH und die Landesbeauftragte für Datenschutz.

„Die Suchbegriffe haben in unseren Datenbanken nichts verloren. Wir entschuldigen uns dafür, dass es offenbar trotzdem passiert ist und werden klären, wie und warum sie hineingekommen sind", sagte Peter Stubbe, Gewoba-Vorstandsvorsitzender.

Bei der Brebau werden die Vorwürfe ebenfalls untersucht – intern und durch die Staatsanwaltschaft.

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