Senat kämpft gegen Lehrstellen-Flaute

Auffanglösung für Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag

Die Corona-Pandemie macht sich auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar. Die Zahl der angebotenen Lehrstellen ist deutlich rückläufig. Der Bremer Senat will mit außerbetrieblicher Ausbildung gegensteuern.
23.09.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Auffanglösung für Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag
Von Jürgen Theiner
Auffanglösung für Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag

Gasschweißen in einem außerbetrieblichen Ausbildungszentrum. Der Senat will verhindern, dass eine größere Zahl von Jugendlichen wegen der coronabedingten Flaute am Ausbildungsmarkt in diesem Jahr keine Lehrstelle bekommt.

Sebastian Kahnert

Angesichts stark rückläufiger Zahlen bei neuen Lehrstellen-Verträgen forciert der Senat das Thema außerbetriebliche Ausbildung. Am Dienstag hat die Landesregierung beschlossen, die Ausbildungsgesellschaft Bremen, die eigentlich abgewickelt werden sollte, wieder mit Leben zu erfüllen und ihr die Organisation des Projekts zu übertragen. Kurzfristig sollen dadurch 60 zusätzliche Lehrstellen in Bremen geschaffen werden. In Bremerhaven ist ein ähnliches Vorhaben in Planung. Die SPD verfolgt verfolgt darüber hinaus das Ziel einer Ausbildungsumlage für Betriebe, die derzeit keine Lehrstellen anbieten.

Der Ausbildungsmarkt ist in Bremen aktuell angespannt. Schon vor Corona gab es in einzelnen Sparten ein Unterangebot, im Zeichen der Krise haben gerade kleinere und mittlere Betriebe ihr Engagement bei der beruflichen Bildung verringert. Gegenüber dem Vorjahresmonat war bereits im Juli ein Rückgang des Angebots an betrieblichen Ausbildungsstellen um 14 Prozent festzustellen. Um zu verhindern, dass viele junge Menschen in diesem Herbst leer ausgehen, hatte der Senat deshalb bereits Ende August ein erstes Maßnahmenbündel beschlossen.

Lesen Sie auch

Kern ist ein außerbetrieblicher Ausbildungsverbund, der kurzfristig berufliche Einstiege ermöglichen soll. Seine Aufgabe wird es sein, die zusätzlichen Lehrstellen zu koordinieren. Bereitgestellt werden sie von Institutionen, die dem Verbund arbeitsmarktpolitischer Dienstleister in Bremen angehören. Das Angebot reicht vom Koch über die Kauffrau für Büromanagement bis zu diversen Ausbildungsgängen im Metallbereich.

Die Jugendlichen sollen möglichst nach einer einjährigen Grundlagenausbildung bei den Ausbildungsträgern den Übergang in eine betriebliche Ausbildung schaffen. Das Projekt steht und fällt also mit der Hoffnung, dass sich der Ausbildungsmarkt nach Corona mittelfristig wieder erholt. Die Kapazitäten des Verbundes sollen auch zur Überbrückung dienen, wenn Azubis ihre Ausbildung in einem insolventen Betrieb nicht fortsetzen können.

Lesen Sie auch

Für die SPD-Landesvorsitzende Sascha Aulepp ist die Ausbildungsoffensive des Senats ein Schritt in die richtige Richtung. Sie fordert, zudem die Fördermöglichkeiten für Ausbildungsplätze auszuschöpfen, die der Bremen-Fonds bietet. Dabei handelt es sich um einen von der Bürgerschaft beschlossenen, kreditfinanzierten Topf zur Abmilderung der Corona-Krise.

Die einsetzende Krise auf dem Ausbildungsmarkt ist für Aulepp aber auch Anlass, eine ältere Forderung der Sozialdemokraten erneut vorzubringen: die Einführung einer Ausbildungsumlage. Sie soll von Betrieben gezahlt werden, die selbst nicht ausbilden. Eine solche Abgabe würde aus Aulepps Sicht „ausbildende Unternehmen entlasten und Investitionen in Ausbildung zwischen den Unternehmen solidarisch verteilen“.

Lesen Sie auch

Das sei „im Interesse der jungen Menschen und der Fachkräftesicherung der Wirtschaft“, meint Aulepp. Sie verweist auf den Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und Linken. Darin wurde vereinbart, eine Kommission einzusetzen, die ein handhabbares Umlagemodell entwickeln soll. „Diese Kommission muss ins Arbeiten kommen“, fordert die SPD-Landeschefin. Vom Senat erwartet sie „zeitnah“ eine entsprechende Vorlage.

Bremer Wirtschaftsverbände und Kammern hatten einer Ausbildungsumlage in der Vergangenheit regelmäßig eine Absage erteilt. In einigen Branchen gibt es sie allerdings schon seit Jahrzehnten. Im Baugewerbe etwa oder in den Pflegeberufen. Aus der Sozialkasse Bau erhalten ausbildende Betriebe Zuschüsse für ihre Azubis, finanziert wird der Fonds durch die Gesamtheit der Betriebe.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+