Zwölf-Millionen-Euro-Projekt in Bremerhaven Auswandererhaus in Bremerhaven soll wachsen

Nach dem Klimahaus soll mit dem Auswandererhaus ein weiterer Bremerhavener Touristenmagnet ausgebaut werden. Das ist jedenfalls die Absicht von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD). Die Grünen bremsen ihn.
05.04.2019, 19:05
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Auswandererhaus in Bremerhaven soll wachsen
Von Jürgen Theiner

Das Auswandererhaus in Bremerhaven soll mit Millionenaufwand um einen weiteren Trakt für wissenschaftliche Arbeit und zusätzliche Ausstellungsflächen erweitert werden. Einen entsprechenden Beschluss möchte Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) am kommenden Dienstag im Senat herbeiführen. Ob es dazu kommt, ist offen, denn die Grünen fühlen sich von Günthners Vorstoß kurz vor der Wahl überrumpelt.

Das Auswandererhaus ist nach Klimahaus, Zoo am Meer und Universum die meistbesuchte touristische Attraktion im Land Bremen. Unter den klassischen Museen gilt es sogar als unangefochtene Nummer eins. 2005 wurde das Deutsche Auswandererhaus (DAH) als Spezialmuseum zum Thema Migration am Südende des Neuen Hafens der Seestadt eröffnet – ein historischer Flecken Erde, denn von dort brachen 7,2 Millionen Menschen nach Übersee auf, vor allem nach Nord- und Südamerika.

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Gut 20,5 Millionen Euro ließ sich das kleinste Bundesland den ersten Bauabschnitt des DAH kosten. 2012 wurde eine erste Erweiterung fertiggestellt. 4,7 Millionen Euro wurden aufgewendet, um die Einwanderungsgeschichte Deutschlands angemessen präsentieren zu können.

Nun soll es also einen zweiten Anbau geben. Ziel ist es, das DAH als nationales Migrationsmuseum weiterzuentwickeln und die wissenschaftliche Beschäftigung mit Aus- und Einwanderung zu vertiefen. Denn das DAH war zwar ursprünglich als populärwissenschaftliche Erlebnisausstellung konzipiert, doch haben sich über die Jahre vielfältige Berührungspunkte mit der akademischen Migrationsforschung ergeben. Vor diesem Hintergrund soll nun am DAH eine Akademie für vergleichende Migrationsstudien gegründet werden, die mit Universitäten, Instituten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen kooperiert.

Kostenteilung mit dem Bund

Kern der Pläne für einen 830 Quadratmeter großen, dreistöckigen Erweiterungsbaus ist deshalb ein wissenschaftlicher Komplex mit Seminar- und Büroräumen. Darüber hinaus sollen neue Bereiche für die museumspädagogische Vermittlung eingerichtet werden, auch sind Veränderungen der 13 Jahre alten Ausstellung angedacht. Die Brücke zwischen Haupthaus und erstem Erweiterungstrakt soll durch einen Verbindungsgang im Erdgeschoss ergänzt werden, sodass ein Rundlauf zustande kommt.

Was kostet das Ganze? Das Wirtschaftsressort, in dessen Zuständigkeitsbereich Bremerhavens touristische Attraktionen fallen, kalkuliert mit gut 12,3 Millionen Euro, wobei mit dem Bund die Übernahme eines 50-prozentigen Kostenanteils vereinbart wurde. So steht es zumindest in einem Papier für die Senatssitzung, das dem WESER-KURIER vorliegt.

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Bremen wäre also mit gut sechs Millionen Euro dabei. Aus Sicht von Wirtschaftssenator Günthner geht es bei dem Vorhaben um nicht weniger, als die „Vorrangstellung des DAH in der deutschen Museumslandschaft bei der Aufarbeitung und Präsentation zu Integration und Migration“ zu behaupten und auszubauen. „Gemeinsam mit dem Bund wollen wir diesen Weg weitergehen“, so Günthner.

Handlungsbedarf lässt sich aber auch aus den Besucherzahlen ableiten. Sie sind im Grunde seit 2006 rückläufig und unterschritten 2012 erstmals die Marke von 200 000 zahlenden Gästen. 2017 wurden noch etwa 167 000 Besucher im Deutschen Auswandererhaus registriert. Für das DAH gilt also nichts anderes als für die meisten touristischen Attraktionen: Sie bedürfen nach einigen Jahren eines Erneuerungsimpulses, um das Interesse der Kundschaft zu stimulieren.

Überall fehlt Geld

Für das Bremerhavener Klimahaus hatte Günthner eine solche Attraktivierung um die Jahreswende bereits politisch durchgedrückt. Zumindest die Planungsgelder für eine neue Extremwetterzone (Kostenpunkt: gut elf Millionen Euro) sind inzwischen bewilligt. 650 000 Euro kann die Wirtschaftsbehörde dafür ausgeben. Nun will Günthner, der auch Vorsitzender Seestadt-SPD ist und dem nächsten Senat wieder angehören möchte, in seinem Bremerhavener Wahlbereich mit der DAH-Erweiterung nachlegen.

Das Wohlwollen des grünes Koalitionspartners hat er sich noch nicht gesichert. Fraktionschefin und Bürgerschafts-Spitzenkandidatin Maike Schaefer findet es jedenfalls „sehr befremdlich, wie hier schon wieder Millionen verplant werden, ohne dass dies koalitionsintern abgestimmt wäre“. Überall fehle Geld, und über deutlich niedrigere Beträge werde im Senat und unter den Haushältern von Rot-Grün ausgiebig diskutiert.

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„Da verärgert es mich, wenn Martin Günthner kurz vor der Wahl schon wieder Millionenbeträge für Bremerhavener Projekte in Senatsvorlagen packt“. Einen Zusammenhang mit der Bürgerschaftswahl dementiert Günthners Sprecher Tim Cordßen allerdings entschieden. Bei der DAH-Erweiterung handele es sich keineswegs um ein Wahlgeschenk. An dem Projekt werde schon seit mehreren Jahren gearbeitet. Dass es jetzt auf die Senatstagesordnung komme, habe allerdings indirekt mit der Wahltermin am 26. Mai zu tun. Bis danach wieder haushaltswirksame Gremienbeschlüsse herbeigeführt werden könnten, werde es Herbst. So lange wolle man nicht warten.

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