Ralf Sasse bekommt Ehrennadel und Urkunde für SPD-Mitgliedschaft / Jens Böhrnsen gratuliert am Telefon

Auszeichnung für 65 Jahre in der Partei

Vegesack. Der Jubilar, Gratulanten und Parteifreunde warten im Café Kursana auf den Laudator. Diese Funktion sollte ursprünglich der frühere Bürgermeister Jens Böhrnsen übernehmen.
26.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Pfeiff

Der Jubilar, Gratulanten und Parteifreunde warten im Café Kursana auf den Laudator. Diese Funktion sollte ursprünglich der frühere Bürgermeister Jens Böhrnsen übernehmen. Schließlich soll der Parteigenosse Ralf Sasse für 65 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet werden. Doch Böhrnsen kommt nicht, gratuliert am Telefon und entschuldigt seine Abwesenheit mit Kommunikationsproblemen bei der Terminabsprache. Böhrnsen verspricht, Sasse und dessen Frau Hannelore bald in der Residenz am Löhpark zu besuchen.

Sasse nimmt es mit Humor. Schließlich habe er sich in all den Jahren auch wenig parteipolitisch engagiert. „Neben meinem Beruf habe ich mich aber bei den freien Turnern engagiert, über 40 Jahre lang die Lyra im Spielmannszug gespielt. Hierauf habe ich meinen Schwerpunkt gelegt, zumal ich wenig Lust hatte, mich in Fraktionszwänge pressen zu lassen.“

Ralf Sasse bekommt aber seine Auszeichnung mit Urkunde und Ehrennadel. Die Aufgabe übernimmt spontan Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt. Statt einer Laudatio erzählt der Jubilar seinen Gästen selbst etwas über sich. „Ich stamme sozusagen aus einem Nest von Sozialdemokraten. Mein Vater und meine Großväter waren schon genauso eingestellt“, blickt der Rönnebecker zurück und erinnert sich noch gut an als Kind miterlebte Zeiten, in denen es gefährlich war, eine sozialdemokratische Gesinnung öffentlich zu äußern.

Zum Zeitpunkt seines Parteieintritts im Januar 1951 arbeitete Sasse bereits fast ein Jahr im Dienste des Staates: Zunächst beim Landessozialgericht, anschließend beim Sozialamt, später beim Versicherungsamt: „Das war die schönste Zeit meines Berufslebens, in der ich vielen Menschen helfen konnte. Die Landesversicherungsanstalt war ja komplett ausgebrannt, viele hatten während des Krieges ihre Papiere verloren. Durch Zeugenaussagen und ähnliches konnte ich vielen helfen, ihre berechtigten Rentenansprüche geltend zu machen“, blickt Sasse zurück. Weniger gut sind ihm indes seine letzten Berufsjahre in den ausklingenden 1980er-Jahren, abermals beim Sozialamt, in Erinnerung geblieben: Zwar arbeitete er auch hier ganz im Sinne seiner politischen Gesinnung, fühlte seine Arbeit und die seiner Kollegen aber durch teils betrügerische Klienten ausgenutzt. „Bedrohungen und körperliche Übergriffe auf uns als Personal hat es auch damals schon gegeben. Das kam bloß nicht an die Öffentlichkeit.“

Ein Sozialdemokrat ist Ralf Sasse zeitlebens geblieben. Die Frage, ob er sich in der Zeit seiner Zugehörigkeit immer mit den Inhalten und Ausrichtungen seiner Partei identifizieren konnte, beantwortet er indes mit einer Gegenfrage: „Können Sie sich mit ihrem Partner immer identifizieren? Natürlich gab es viele Dinge, mit denen ich nicht einverstanden war und die ich anders gesehen habe. Aber von allen, die alle Fehler haben, sind die Sozialdemokraten mir doch am liebsten.“

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