Tatorte in gesamter Stadt Autobrände weiten sich aus

Bremen. Eine Nacht, vier brennende Autos: In mehreren Stadtteilen waren am Wochenende Brandstifter am Werk. Die Tatorte sind weit verteilt.
03.09.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Autobrände weiten sich aus
Von Sara Sundermann

Eine Nacht, vier brennende Autos: In mehreren Stadtteilen waren am Wochenende Brandstifter am Werk. Lange galt Huchting als Kerngebiet der meisten Autobrände. Inzwischen sind die Tatorte über das ganze Stadtgebiet verteilt. Die Polizei geht nicht von politischen Motiven der Täter aus, sondern von „erlebnisorientiertem Vandalismus“.

Es ist noch gar nicht lange her, da galten brennende Autos als alarmierendes Zeichen für die politische Unruhe in den Vorstädten. Als in Frankreich 2005 die Banlieue, die Pariser Randgebiete brannten, ging das mit Jugendkrawallen, Straßenschlachten und sozialen Unruhen einher. Die Autos wurden in den Stadtteilen angezündet, in denen sich auch Ausgrenzung, Gewalt und Arbeitslosigkeit ballten.

Als kurz darauf auch in Huchting einzelne Autos brannten, fürchteten nicht wenige in Bremen, dass nun hier ähnliches im Kleinen drohen könnte. Tatsächlich war Huchting Tatort einer größeren Brandserie: Seit 2011 wurden hier insgesamt 30 Autos angezündet, nach Angaben der Polizei konzentrierten sich hier wesentlich mehr Fälle als in anderen Stadtteilen. Zuletzt brannte im Mai ein Wagen in Huchting.

Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Nicht nur Huchting ist betroffen. Am Wochenende brannten Autos und Mülltonnen in Gröpelingen, der Bahnhofsvorstadt und in Vegesack. Die Brandanschläge ballen sich somit nicht mehr nur in den Bremer Randgebieten. „Die Autobrände sind über das ganze Stadtgebiet verteilt, es gibt keinen Brennpunkt“, sagt Polizeisprecherin Franka Haedke.

In Huchting hätten sich die Fälle zuletzt auch deshalb konzentriert, weil dort eine ganze Serie von Autobränden durch eine Tätergruppe verursacht worden sei. „Schließlich haben wir den Täter gefasst, dann war da Ruhe.“

Derzeit brennen die Fahrzeuge mal hier und mal dort: In Walle und Gröpelingen, dann wieder in der Innenstadt und in Woltmershausen, sagt Haedke. „Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass es sich bei den jüngsten Bränden um politische Taten handelt, so wie es zum Beispiel teilweise bei Autobränden in Berlin der Fall war“, sagt die Sprecherin. Die Täter suchten sich zuletzt auch nicht etwa besonders teure Fahrzeuge aus, die auch als Statussymbole gelten. „Die Fahrzeuge, die angezündet wurden, waren durchweg ältere, gebrauchte Wagen.“

Bei einem der ausgebrannten Fahrzeuge handelt es sich um einen Kleinbus, der in der Behindertenarbeit eingesetzt wurde. Der Ford Transit, der in der Gröpelinger Heerstraße in Brand gesetzt wurde, brannte komplett aus.

Das Fahrzeug gehört der Diakonischen Behindertenhilfe in Lilienthal. „Ich glaube nicht an eine gezielte Attacke gegen die Behindertenhilfe“, sagt Ingo Wichmann, Bereichsleiter für Wohnen und ambulante Betreuung bei der Behindertenhilfe Lilienthal. „Es war wohl eher ein willkürlicher Angriff, dem wir zum Opfer gefallen sind.“ Er will sich das ausgebrannte Fahrzeug jetzt selbst ansehen. „Natürlich trifft uns das, und wir werden jetzt ein neues Fahrzeug anschaffen.“

Die Polizei geht davon aus, dass Erlebnishunger und Vandalismus die Täter antreiben. Neue Erkenntnisse zur Identität der Brandstifter, die in der Nacht zum Sonntag die Fahrzeuge sowie Mülltonnen anzündeten, haben die Ermittler derzeit noch nicht.

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