Platzprobleme im Parkhaus Autofahrer ärgern sich über schmale Stellplätze

Die meisten Stellplätze in Parkhäusern sind mittlerweile zu schmal. Trotz der Entwicklung zu immer größeren Autos will Bremen an der Mindestbreite der Parkplätze von 2,30 Metern festhalten.
02.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Autofahrer ärgern sich über schmale Stellplätze
Von Alexander Tietz

Bequem und einfach das Auto abstellen? Nicht im Parkhaus. Die meisten Stellplätze in Bremen sind schmal, komfortables Ein- und Aussteigen ist kaum möglich. Trotz der Entwicklung zu immer größeren Autos will das Bau- und Verkehrsressort an der Mindestbreite der Parkplätze von 2,30 Metern festhalten – und damit Halter abschrecken, die große PKW fahren.

Der 63-jährige Klaus-Dieter König überlegt, ob er die Innenstadt mit dem Auto besser meiden sollte. Immer frustrierender wird für den Autofahrer aus Schwanewede die Suche nach einem angemessenen Parkplatz. Neulich zwängte er sein Fahrzeug im Parkhaus der Brepark GmbH am Osterdeich in einen kleinen Stellplatz ein – zwischen einer Wand und einem parkendem PKW.

Das Tückische bei dem Manöver: Um wenigstens seiner Frau auf dem Beifahrersitz ausreichend Platz zum Aussteigen zu lassen, fuhr der 63-Jährige seinen Wagen so nahe wie möglich an die Wand heran. Er selbst konnte die linke Tür dann nicht mehr öffnen. Er musste über Mittelkonsole klettern und den Wagen durch die Beifahrertür verlassen. Die kleine Turnübung war notwendig, aber „nicht gerade amüsant“, sagt Klaus-Dieter König. Die Verhältnisse in dem Parkhaus seien „eine Zumutung“. Zu schmal seien die Parkplätze, um vernünftig auszusteigen, wie er sagt.

Zur Wahrheit gehört auch, dass Klaus-Dieter König einen Geländewagen fährt, einen SUV, Marke Volvo. Der 63-Jährige macht keinen Hehl daraus. Sein Fahrzeug nehme Platz in Anspruch. Aber er sagt: „Für die heutigen Verhältnisse ist der Wagen nicht übermäßig groß“. Der Trend gehe zu immer größeren Fahrzeugen.

Der scheinbare Größenwahn der Autoindustrie zeichnet sich bereits bei traditionellen PKW wie dem VW Golf ab. Die aktuelle Version des deutschen Dauerrenners ist 18 Zentimeter breiter als das erste Modell im Jahr 1974. Darüber hinaus sind die Maße von 85 Prozent der im Verkehr befindlichen PKW nach Angaben des Auto Club Europa (ACE) seit der Jahrtausendwende bis zum Jahr 2010 um 19 Zentimeter in der Länge und um 15 Zentimeter in der Breite gestiegen.

Es ist eine Entwicklung, die laut Klaus-Dieter König von Parkhausbetreibern wie der Brepark GmbH in Bremen ignoriert wird. Die Autos werden größer, die Stellplätze in Parkhäusern dadurch kleiner. Was sagt das Unternehmen zum offenbar schwindenden Komfort der Besucher?

Dazu haben die Vertreter der Brepark, die mit sieben Parkhäusern in der Innenstadt und zwei Parkhäusern in Bremen-Nord der größte Anbieter in Bremen sind, auf Nachfrage des WESER-KURIER keine Stellung genommen; sie waren nicht erreichbar.

Nach einer Untersuchung des ADAC im Jahr 2011 ist zumindest bekannt, dass der Zustand dreier Parkhäuser in Bremen lediglich für „ausreichend“ und eines mit „mangelhaft“ bewertet wurde. Im Parkhaus der Brepark in Bremen-Mitte beispielsweise bemängelten die Experten unter anderem abgenutzte Parkplatz-Markierungen, fehlende Richtungspfeile sowie schmale Parkplätze, die eine Breite von 2,33 Metern aufweisen.

Die Mindestbreite ist gesetzlich vorgeschrieben. Laut Bremischer Garagenverordnung müssen Stellplätze in Parkhäusern, die nicht an einer Wand angrenzen, mindestens 2,30 Meter breit sein. Damit liegt die Brepark im gesetzlichen Rahmen. Deshalb macht der ADAC weniger den Betreibern, sondern eher den Behörden einen Vorwurf. Christian Hieff, Sprecher des ADAC, hält die gesetzlichen Vorgaben für überholungsbedürftig. Er meint, selbst eine Breite von 2,50 Metern sei für moderne Autos zu schmal.

Im Bremer Umwelt-, Bau- und Verkehrsressort sieht man keinen Handlungsbedarf, Hand an die Gesetze zu legen. Im Gegenteil: „Wir haben kein Interesse daran, Halter großer PKW zu begünstigen“, erklärt Jens Tittmann, Pressesprecher des Bau-, Umwelt- und Verkehrssenators. Ebenso wolle man die unternehmerische Freiheit der Betreiber nicht unnötig einschränken. „Stellplätze zu bauen, die über die Mindestvorgaben hinausgehen, ist allein Sache der Betreiber“, so Tittmann.

Christian Hieff vom ADAC geht davon aus, dass Betreiber ohne politischen Druck ihre Haltung nicht ändern. Zum Einen würden die Anbieter der Parkhäuser aus wirtschaftlichen Gründen so viele Parkplätze wie möglich anbieten. Zum Anderen sei ein Umbau, gerade in alten Parkhäusern, aufwendig. „Häufig ist die Architektur für schmale Autos konzipiert.“ Neue Markierungen könnten zwar schnell gesetzt werden. Die Pfeiler aber, die die Parkplätze begrenzen, können ohne größeren Aufwand kaum umgestellt werden, so Hieff.

Grundsätzlich verteidigt der Sprecher des ADAC den Trend zu größeren Autos. „In den vergangenen Jahren hat sich die Sicherheit der Autofahrer verbessert.“ Knautschzonen und dicke Türen würden Autos robuster machen, so Hieff. In Bremen scheint die Brepark die Entwicklung der Automobilbranche zumindest nicht zu ignorieren. Das erste Parkdeck im Parkhaus am Brill gilt als sogenannte „Komfort-Etage“ mit XXL-Parkplätzen. Fahrer großer Geländewagen dürften kaum Probleme haben, einen geeigneten Parkplatz zu finden. Den Service lässt sich die Brepark GmbH jedoch etwas kosten: 30 Cent je angefangene Stunde müssen die Nutzer auf den Normalpreis draufschlagen. Komfort – auch in Parkhäusern – hat seinen Preis.

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