Bremen Classic Motorshow mit Vehikeln aus Wirtschaftswunderzeit

Autos mit Geschichte(n)

Bremen. Die Zeit des Wirtschaftswunders ist auch eine Zeit der Fortbewegungs- und Transportmittel gewesen. Die Palette an Fahrzeugen der 1950er- und 1960er-Jahre bestimmt am Wochenende das Programm der Bremen Classic Motorshow.
29.01.2014, 00:00
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Von Frauke Fischer
Autos mit Geschichte(n)

Jann Kleemeyer ist stolzer Besitzer eines VW T1 Samba. Der Bus ist inzwischen „Kult“.

Frank Thomas Koch

Die Zeit des Wirtschaftswunders ist auch eine Zeit der Fortbewegungs- und Transportmittel gewesen. Bürger mit wenig Geld steuerten in den 1950er- und 1960er-Jahren stolz Leukoplastbomber oder Goggomobile. Wer es zu Wohlstand gebracht hatte, fuhr mit offenem Verdeck im eleganten Sportwagen. Die Palette der Möglichkeiten bestimmt am Wochenende das Programm der Bremen Classic Motorshow.

Jann Kleemeyer kann sich noch gut an die Fernsehsendung erinnern, die ihn auf die Spur jenes Bullis brachte, den er heute stolz sein Eigentum nennt. Der VW T1 Samba von 1966 wurde in einer zehnteiligen Restaurierungsserie auf einem Kabelsender vorgestellt, komplett zerlegt, restauriert und dann an den Sieger eines Auto-Quiz’ versteigert. Der 46-jährige Bremer war es nicht – aber er fand den neuen Besitzer umgehend und kaufte ihm das Symbol der Wirtschaftswunderzeit kurzerhand ab.

Geschichten wie diese sind es, die Autos zu ihrer Faszination verhelfen. Da ist der Projektleiter der Bremen Classic Motorshow Frank Ruge sicher. Die Geschichte von der alten Dame, deren Kleinwagen auf der Messe gezeigt wird, gehört auch dazu: Jahrzehnte sind seit dem Baujahr vergangen, doch der Tachostand lässt an einen Neuwagen glauben. „Die Frau ist immer nur einmal im Jahr zur Inspektion in die Werkstatt gefahren. Sonst hat der Wagen in der Garage gestanden“, erzählt Ruge.

Am Wochenende lockt die Oldtimer-Präsentation Sammler und Schaulustige in die Messe auf der Bürgerweide. Erstmals in acht Hallen – und erstmals mit vier Sonderschauen, denn das Thema Wirtschaftswunder gibt es offensichtlich her. Da sind beispielsweise die Zweiräder, die viel dazu beitrugen, dass ein Wirtschaftswunder überhaupt möglich wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Autos Mangelware und die verbliebenen oftmals von den alliierten Siegermächten in Deutschland beschlagnahmt waren, legten viele Menschen auch lange Strecken auf Fahrrädern zurück. Wie sie aussahen, zeigen die Oldtimer-Räder im Foyer der ÖVB-Arena.

Auch Mopeds spielten eine große Rolle. An sie erinnert eine Sonderschau in der ÖVB-Arena. Nicht zu vergessen: die Kleintransporter, die in Halle 4 gezeigt werden. Dazu gehören so skurrile Erfindungen wie das Wendax-Lieferdreirad. Nur 20 Stück sollen davon gebaut worden sein. Dabei gab es für die Kleinsttransporter in deutschen Städten enormen Bedarf. Mit ihnen wurde der Schutt der von Bomben zerstörten Häuser abgefahren.

Die Sonderschau in Halle 5 hingegen widmet sich dem weiten Angebot der Wirtschaftswunderzeit vom ausgefallenen Kleinwagen bis zum eleganten Auto, in dem die Damen und Herren offen fuhren.

Für Jann Kleemeyer ist die Bremen Classic Motorshow nicht nur eine Gelegenheit, aus der eigenen Sammlung zwei italienische Oldtimer zu präsentieren. Der Bremer gehört nach eigenem Bekunden von Beginn an zu den Motorshow-Messegästen, die sich gern zwischen den Karossen tummeln. Den Bulli, den er gestern Vormittag zur Vorschau auf die Messe für ein paar Stunden auf dem Domshof präsentierte, lässt er am Wochenende übrigens in der heimischen Garage.

Ein anderer aber ist direkt von der Domsheide zur Bürgerweide gefahren, allerdings im Anhänger. Zu schade wäre es gewesen, den 300 SL Flügeltürer dem Schneematsch auszusetzen. Sein Fahrer, Peter Burlager vom Autohaus des Eigentümers Thomas Rosier, verrät auch gern, warum: An dem Wagen aus dem Baujahr 1955 ist noch alles original – sogar die dunkelblauen Ledersitze. Der Wert des Autos, das Rosier 1995 aus den USA mitbrachte, ist entsprechend hoch. „Ein Betrag jenseits der Million“, sagt Burlager. In den letzten fünf, sechs Jahren habe sich dieser Wert etwa verdoppelt. Oldtimer nämlich, gerade im Top-Originalzustand, seien für viele gut betuchte Sammler eine Anlage. Nach Burlagers Ansicht hat sich daraus in den vergangenen Jahren ein Trend entwickelt. Auch der Flügeltürer gehört zu den Objekten der Begierde. Nur rund 1500 seien gebaut worden. Viele vermutet der Oldtimer-Experte in den Tiefgaragen arabischer Scheichs oder russischer Milliardäre.

Bremen Classic Motorshow, 31.1. bis 2.2., täglich von 9 bis 18 Uhr (Tageskarte für 15 Euro). Mehr Infos unter www.classicmotorshow.de.

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