Aktionstag auf dem Osterfeuerberger Ring Autos müssen draußen bleiben

Einen Tag lang hatten Fußgänger und Fahrradfahrer Vorfahrt auf dem 40 Meter breiten Osterfeuerberger Ring: Beim „Autofreien StadTraum“ waren am Sonntag Autos tabu, und rund 50 000 Besucher nutzten die Gelegenheit für einen Besuch in Walle.
22.09.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Anne Gerling

Einen ganzen Tag lang hatten Fußgänger und Fahrradfahrer Vorfahrt auf dem 40 Meter breiten Osterfeuerberger Ring: Beim „Autofreien StadTraum“ waren am Sonntag Autos tabu, und rund 50 000 Besucher nutzten die Gelegenheit für einen Besuch in Walle. Viele von ihnen kamen an diesem „Aktionstag für mehr Leben auf der Straße“ auf der „Mobilitätsmeile“ fast automatisch mit Themen wie Umweltfreundlichkeit, Nachhaltigkeit oder alternative Mobilität in Berührung.

Gelbe Warnwesten und Fahrradhelme so weit das Auge reichte: Zum Start zur ADFC-Hochstraßentour am Sonntag hatten sich auch dieses Mal wieder Tausende Bremer eingefunden, um mit ihren Fahrrädern über die B 6, die Hochstraße Breitenweg und die Autobahn A 281 zu fahren und dabei gemeinsam zu demonstrieren: Bremen ist eine Fahrradfahrerstadt! Schließlich sieht man hier längst nicht nur den grünen Verkehrssenator Joachim Lohse täglich zur Arbeit radeln. Der übrigens konnte am Sonntag aufatmen: Es blieb überwiegend trocken, und über längere Phasen zeigte sich sogar die Sonne.

So flanierten beim dritten „Autofreien StadTraum“ – Bremens jährlichem autofreiem Sonntag – Tausende Besucher aus der ganzen Stadt über den Osterfeuerberger Ring. Bis 17 Uhr waren der Utbremer Kreisel und der Osterfeuerberger Ring bis zur Fleetstraße / Auguststraße für den motorisierten Verkehr gesperrt. Eine gute Gelegenheit, Bekannte zu treffen, zu schnacken, die Informationsstände zu besuchen und vielleicht sogar die eine oder andere Idee mitzunehmen.

100 000 Euro von Verkehrsbehörde

Auch wenn es auf dem gut einen Kilometer langen abgesperrten Straßenabschnitt gelegentlich fast schon etwas drängelig wurde – der Raum reichte nicht nur für das gemeinsame Speisen an einer 200-Personen-„Klimatafel“ mit Blumenvasen und Kerzenleuchtern, für einen 500 Meter langen Lastenrad-Hindernisparcours und das schöne alte „Wellenflug“-Kettenkarussell, sondern auch für mehr als 60 Informationsstände und Bühnen. Schließlich würde der Osterfeuerberger Ring mit seiner Breite von mehr als 40 Metern „locker den Anforderungen für eine sechsspurige Autobahn samt Standstreifen und ohne Tempolimit genügen“, wie Waller Ortspolitiker und die „Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg“ seit Jahren kritisieren. „Wir haben bald zehnjähriges Jubiläum: 2007 hat die Diskussion um den Rückbau des Osterfeuerberger Rings angefangen, und wir hoffen, dass da bis 2017 etwas passiert“, begrüßte Walles Beiratssprecher Wolfgang Golinski (SPD) denn auch den Verkehrssenator.

Der möchte mit dem in seinem Haus organisierten autofreien StadTraum bewusst den Blick für Visionen öffnen und „die Qualität öffentlichen Raumes erlebbar machen, wenn dort keine Autos sind.“ 100 000 Euro hat Lohses Ressort für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt, die jeweils zu einem Viertel in Personal, Programm, Logistik und Werbung geflossen sind.

Eine sinnvolle Investition oder womöglich eine Verschwendung von Steuermitteln, wie Kritiker monieren? „Heute merkt man, wie viel Platz man eigentlich hat und wie viel Funktionalität ansonsten da ist. Gerade vor dem Hintergrund des Mega-City-Trends, also der Verdichtung des urbanen Lebensraums, ist es wichtig, das für einen Tag erlebbar und spürbar zu machen. Deshalb ist die Aktion meines Erachtens sinnvoll“, sagte Michael Scheer, Geschäftsführer der Gesellschaft für integrative Beschäftigung (GiB). Von seinem Gartenstuhl am Utbremer Kreisel blickte er auf Pflanzkisten mit Grünkohl, die er aus der „Gemüsewerft“, einem Urban-Gardening-Projekt in Gröpelingen, mitgebracht hat. Schließlich gehe es bei dieser Veranstaltung auch um Flächen, die Urban-Gardening-Projekten mehr Produktivität ermöglichen könnten.

Zu Scheers Linker weideten Kühe – definitiv einer der Hingucker bei diesem autofreien StadTraum. Etwas weiter in Richtung Findorff warb die Initiative Leben in Findorff (LiF) gemeinsam mit der Bürger Energie Bremen (BEGEno) und dem Recyclinghof Findorff für bessere Verbindungen zwischen der City und den Stadtteilen: In einem zum „begehbaren Tunnel“ umfunktionierten Container wurde hier ein Kurzfilm präsentiert, aufgenommen im dunklen und förmlich abstoßenden Findorfftunnel – der einzigen Verbindung zwischen Findorff und der Innenstadt. Mit Farbe und Licht wollte die Initiative diesen und auch andere städtische Tunnel in Zukunft attraktiver und sicherer machen. Darüber, über den Verkehrsentwicklungsplan und über vieles andere wurde geredet an diesem Aktionstag für mehr Leben auf der Straße – der den Besuchen offenkundig großen Spaß gemacht hat.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+