Messingplatten erinnern an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft / In Bremen-Nord gibt es insgesamt 75 Gedenksteine Azubis verlegen Stolpersteine gegen das Vergessen

Vegesack. Zur Erinnerung an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sind in Vegesack drei weitere Stolpersteine verlegt worden. Die kleinen Betonquader mit Messingtafel wurden von zukünftigen Straßenbauern, Auszubildende des Schulzentrums Alwin-Lonke-Straße, vor den Häusern Uhthoffstraße 68, Alte Hafenstraße 71 und Beckedorfer Straße 13 verpflastert. Sie erinnern an Martin Meiners, Louis Neumann und Stefan Lovasz. Die Inschrift der Tafeln gibt Auskunft über ihren Namen, ihr Alter und ihren Weg in den Tod.
23.09.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Azubis verlegen Stolpersteine gegen das Vergessen
Von Julia Ladebeck

Vegesack. Zur Erinnerung an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sind in Vegesack drei weitere Stolpersteine verlegt worden. Die kleinen Betonquader mit Messingtafel wurden von zukünftigen Straßenbauern, Auszubildende des Schulzentrums Alwin-Lonke-Straße, vor den Häusern Uhthoffstraße 68, Alte Hafenstraße 71 und Beckedorfer Straße 13 verpflastert. Sie erinnern an Martin Meiners, Louis Neumann und Stefan Lovasz. Die Inschrift der Tafeln gibt Auskunft über ihren Namen, ihr Alter und ihren Weg in den Tod.

"Die Auszubildenden haben sich vorher im Unterricht mit den Biografien der Menschen beschäftigt", sagte Dr. Barbara Johr, Leiterin des Projekts in Bremen. Seit dem Jahr 2005 sind insgesamt 75 Stolpersteine in Bremen-Nord verlegt worden. Das Erinnerungsprojekt, das der Kölner Künstler Gunter Demnig initiierte, wird in Bremen vom Verein Erinnern für die Zukunft und der Landeszentrale für politische Bildung realisiert. In Bremen-Nord engagiert sich die Internationale Friedensschule für die Aktion. Vor Ort stellte Gerd-Rolf Rosenberger die Lebensgeschichte der Opfer vor.

Der Stolperstein für den Oberlehrer Dr. Martin Meiners liegt vor seinem Geburtshaus in der Uhthoffstraße, die damals Bremerstraße hieß. Geboren wurde er am 4. Mai 1872. Er schloss sein Studium mit der philosophischen Doktorwürde ab. Er unterrichtete als Oberlehrer an der Handelsschule an der Dechanatstraße bis er im Januar 1900 infolge eines "Hirnleidens" beurlaubt wurde. Nach seiner Genesung wechselte er an eine Schule in Charlottenburg; kurz darauf erkrankte er erneut.

Die Diagnose der Ärzte hieß Schizophrenie mit Anfällen von Verfolgungswahn. Folge war die vorzeitige Pensionierung und Entmündigung. 1905 wurde er in das "St. Jürgens Asyl für Nerven- und Geisteskranke" eingewiesen. Von dort verlegte man ihn am 13. August 1942 mit 113 weiteren Patienten in die Landesheilanstalt Hadamar. Dort starb er einen Monat später im Alter von 70 Jahren in Folge mangelnder Pflege und Unterernährung.

Der Jude Louis Neumann lebte in der Hafenstraße. Mit seiner Mutter Ida Neumann wurde er im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Im Oktober 1944 wurde er nach Auschwitz überstellt, von wo er im Januar 1945 nach Mauthausen getrieben wurde. Er war danach beim Kommando Ebensee gemeldet; als das Lager von der US-Armee befreit wurde, brachte man ihn in das Lazarett Lambach-Schadl-Paura. Er starb an den Haftfolgen. Stefan Lovasz wurde als Kommunist und Mitglied der illegalen KPD verfolgt. Er wurde am 6. November 1901 in Zeitweg, Kreis Judenburg, in Österreich geboren. Der Vater floh 1907 als politisch Verfolgter mit seiner Familie nach Deutschland. Der Vater und später auch der Sohn arbeiteten als Modelltischler bei der Vulkan-Werft. Stefan Lovasz war verheiratet und hatte vier Töchter. Er wurde Funktionär in der KPD und in anderen Arbeiterorganisationen. Seit 1931 arbeitete er als Redakteur der Erwerbslosenzeitung, später auch in der Schriftleitung der illegalen Arbeiterzeitung.

Zunächst entkam er der Verhaftung durch die Nationalsozialisten; er lebte im Untergrund. 1935 wurde er in Süddeutschland verhaftet. Zwei Jahre lang saß er in Stuttgart in Untersuchungshaft. 1937 verurteilte der Volksgerichtshof Stuttgart ihn wegen "Landesverrats und Vorbereitung zum Hochverrat" zum Tode. Gemeinsam mit drei Parteifreunden wurde er am 20. Juni 1938 in Plötzensee hingerichtet.

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