Nach dem Sturmtief

Bäume fallen in der Stadt

In Hastedt dauert die Beseitigung eines Baums nach dem Sturmtief „Sebastian“ besonders lange. Im Rest der Stadt setzen die Vertreter der Umweltbetrieb die Säge an.
06.10.2017, 15:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Liane Janz
Bäume fallen in der Stadt

So sah es noch am 27. September in der Georg Bitter Straße aus.

Thomas Seiler

Hastedt/Östliche Vorstadt. Es stürmte schon wieder. „Xavier“ fegte vergangene Woche über Bremen hinweg und sorgte für Verkehrschaos und viel Holz auf den Straßen. Dabei war, zumindest in Hastedt, noch gar nicht weggeräumt, was der Orkan „Sebastian“ hat fallen lassen. Noch zwei Wochen nach dem Orkan lag ein umgekippter Baum auf dem Gehweg in der Georg-Bitter-Straße, Einmündung Treviranusstraße. Der Umweltbetrieb Bremen (UBB) ist für die Beseitigung dieses Baums nicht zuständig, fällt dafür aber andernorts.

Der Baum stand zuvor auf dem Grundstück eines Wohnhauses der Wohnungsbaugesellschaft Vonovia. Nach dem Orkan lag er mit rot-weißem Band abgesperrt auf dem Gehweg, sodass sich Fußgänger und Radfahrer den schmalen Radweg teilen mussten. „Wir sind nicht tätig auf privatem Grund“, teilt UBB-Sprecherin Kerstin Doty mit. Der städtische Betrieb ist nur für die Bäume zuständig, die auf öffentlichem Grund stehen. Selbst wenn ein Baum von einem Privatgrundstück auf öffentliche Fläche fällt, muss der Grundstücksbesitzer dafür sorgen, dass er entfernt wird. Es gebe Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, die Bäume zu zerteilen, sagt Kerstin Doty. Viele davon bieten auch die Entsorgung des jeweiligen Baums an. Der Umweltbetrieb selbst nimmt ebenfalls Dienste solcher Firmen in Anspruch, wenn es um die Pflege öffentlichen Grüns geht.

Liste muss abgearbeitet werden

Auch Vonovia brauchte eine Firma nicht nur mit dem speziellen Wissen zur Baumbeseitigung, sondern auch mit speziellem Gerät. Deswegen habe die Organisation mehr Zeit in Anspruch genommen, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Zudem seien es mehrere Bäume auf Grundstücken des Wohnungsbauunternehmens gewesen, die im Orkan Schaden nahmen. Die Liste müsse nacheinander abgearbeitet werden, so der Sprecher. Mit dem Stamm und den Ästen auf dem Gehweg ist die Arbeit allerdings nicht getan. Auch Baumstumpf und Baumteller müssen entfernt werden. Das sei sehr aufwendig. „Wir werden die Erfahrungen, die wir hierdurch sammeln, festhalten und hoffen, zukünftig schneller in derartigen Fällen reagieren zu können“, so der Sprecher. Für die Umstände, die Anwohnern und Mietern entstanden sind, bittet das Unternehmen um Entschuldigung.

Unabhängig von Sturmtiefs und Orkanen werden in Bremen in den kommenden Monaten weitere der rund 300 000 Stadtbäume fallen. Die Saison, in der der Umweltbetrieb Baumarbeiten vornimmt, hat am 1. Oktober begonnen. Bis zum 28. Februar entfernt der Umweltbetrieb Bäume aus der Stadt, die umstürzen oder von denen große Äste abbrechen und Menschen gefährden könnten. Gründe für die Sturz- oder Bruchgefahr können Krankheiten und Parasiten sein. Üblicherweise werden gefällte Bäume durch neue ersetzt. Das ist aber nicht überall in der Stadt möglich. Oft fehlt sowohl im Boden als auch in der Luft der Platz, damit sich ein Baum ausbreiten kann.

Der Umweltbetrieb veröffentlicht jährlich eine Liste mit Standorten und Bäumen, die gefällt werden. Einige Orte in Mitte, der Östlichen Vorstadt und Hastedt sind darin aufgeführt. So wird eine Winterlinde mit einem Stammdurchmesser von 53 Zentimetern in der Bückeburger Straße gefällt. Stamm und Krone weisen Faulstellen auf. Ob ein neuer Baum nachgepflanzt wird, geht aus der Liste nicht hervor. Eine kleine Rosskastanie muss in der Ernst-Glässel-Straße 32 weichen, ebenso wie eine Japanische Säulenkirsche in der Kreftingstraße 1, die abgestorben ist. Ein kleiner Baum derselben Art fällt in der Kreuzstraße sowie eine Holländische Linde mit Faulstellen an Stamm und Krone am Osterdeich 145. Gefällt wird auch eine Mehlbeere in der Hamburger Straße 56, die laut Liste abgestorben ist. Die Mehlbeere wird durch eine neue ersetzt.

Silberpappeln und Hainbuche betroffen

Wegen Baumaßnahmen fällt eine Ahornblättrige Platane mit einem Stammdurchmesser von 62 Zentimetern am Bahnhofsplatz 16. Gleich zwei Silberpappeln und eine Hainbuche fallen am Rembertiring ebenso wie eine Rosskastanie am Sielwall auf Höhe der Gesamtschule Mitte, Standort Brokstraße. Eine Nachpflanzung ist für diesen Standort nicht eingetragen. Bei einer Baustelle der SWB vor einigen Jahren wurde deutlich, dass der Sielwall mit den Leitungen im Untergrund als Baumstandort eigentlich nicht geeignet ist. An breiteren Stellen des Gehwegs ging es dennoch. Eine Holländische Linde in der Bennigsenstraße wurde als Sicherheitsrisiko eingestuft und wird ebenfalls gefällt.

Scheitern Nachpflanzungen nicht am Platz, kann es auch an mangelndem Geld liegen. Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, eine Baumpatenschaft einzugehen und einen Baum zu spenden, für den sie auch Pate stehen. Pflichten kommen auf die Patin oder den Paten aber nicht zu. Die Pflege übernimmt weiterhin der Umwelt­betrieb. Allerdings können Paten auch nicht bestimmen, wo ihr ge­spendeter Baum gepflanzt wird. Auch die Baumart wird vorgegeben.

156 neue Bäume sind bislang dank Spender in der Stadt gepflanzt worden. Ist einem der Standort wichtig, kann auch eine Patenschaft für einen bestehenden Baum übernommen werden. Ob neuer oder alter Baum, die Patenschaft kostet 800 Euro. Auch Teilpatenschaften sind möglich.

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