Bremer Bürger helfen das Land wieder aufzuforsten Bäume für Israel

Grüne Oasen gibt es inzwischen an vielen Orten in einem Land, das zu zwei Dritteln aus Wüste besteht. Seit Bestehen des Landes, seitdem 1948 der Staat Israel ausgerufen wurde, existiert ein gewaltiges Aufforstungsprogramm.
03.02.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von KRISTINA BELLACH

„Wenn man durch Haifa fährt, sieht es fast grüner aus als Bremen“, sagt Bürgerschaftspräsident Christian Weber. Das war etwas vorschnell, korrigiert er sich, und legt die Betonung auf das Wörtchen „fast“.

Übertreibung hin oder her – wer hätte das gedacht? Grüne Oasen gibt es inzwischen an vielen Orten in einem Land, das zu zwei Dritteln aus Wüste besteht. Seit Bestehen des Landes, seitdem 1948 der Staat Israel ausgerufen wurde, existiert ein gewaltiges Aufforstungsprogramm. Vom Norden des Landes, wo die Stadt Galiläa in einer fruchtbaren Ebene liegt, die Küste entlang bis zu der in der Landesmitte gelegen Stadt Beer Scheba in der Negev-Wüste, hat der Jüdische Nationalfonds (JNF) eine Reihe von Projekten initiiert, die das karge Land begrünen.

Eines dieser Projekte ist der Wald deutscher Länder, den die Ministerpräsidenten der Bundesländer gemeinsam mit dem JNF im Jahr 1991 ins Leben riefen. Rund 500 000 Bäume, hauptsächlich Akazien, Johannisbrotbäume, Kiefern und Ölbäume, wachsen inzwischen nördlich von Beer Scheba in der Negev-Wüste.

Das 50-jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel im vergangenen Jahr gab Anlass, nun auch einen Bremer Wald in der Wüste einzurichten. „Das ist ein Wald, der von Bremer Bürgern gespendet wurde“, sagt Christian Weber. Etwa 5000 Bäume haben die Bremer dem Projekt bereits beigesteuert.

Von der Wirkung solcher Anpflanzungen, die er selbst bei Reisen durch das Land erlebt hat, berichtet Christian Weber: „Bei Sommerhitze dort spazieren zu gehen, ist einfach wunderschön.“ Dem Klima, der Lebensqualität der Menschen und dem Kampf gegen Erosion und Verödung des Landes kommen die Baumspenden zu Gute. „Wenn wir nichts dagegen machen, drängt die Wüste uns weiter zurück“, erklärt Schaul Chorev, Hauptdelegierter des JNF in Deutschland. Man müsse nur einmal in Israel campen, um zu sehen, wie der Sandflug über Nacht ein Zelt teilweise begräbt.

Und dann weist JNF-Geschäftsführer Paul Jurecky einen oft gehörten Vorwurf zurück: „Wir ändern nicht die Natur“, sagt er entschieden. Immerhin sei Israel, so wie Südeuropa auch, in früheren Zeiten dicht bewaldet gewesen. Vom Altertum bis zum Osmanischen Reich sei der Baumbestand unter anderem für diverse Bauvorhaben gnadenlos gerodet worden. „Israel ist wohl das einzige Land, das heute mehr Bäume hat, als vor 100 Jahren“, meint Schaul schmunzelnd.

Zudem sei das Land führend, was Pflanzungsmethoden betrifft: Ob es beispielsweise um den Liman ginge, eine Senke, in der eine Gruppe von gepflanzten Bäumen vom dort angesammelten Wasser zehrt, um die Tröpfchenbewässerung oder die Aufforstung in Terrassen – „es kommen inzwischen Delegation aus Afrika, die das gleiche Problem haben, um von unseren Erfahrungen zu lernen“, berichtet Schaul.

„Einfach, sinnvoll, unabhängig“, fasst Hermann Kuhn, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bremen, das Projekt zusammen. Auch Elvira Noa, der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Bremen, ist es ein großes Anliegen, dass Israel grünt und blüht. In der Schule sowie bei religiösen Festen lernten israelische Kinder von Klein auf, wie wichtig es ist, Grünes zu pflanzen. Im Talmud, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums, steht folgender Spruch: „Der Mensch ist wie ein Baum im Felde“. Dieser Satz ist bezeichnend für die Rolle, die die Wälder in Israel, einem größtenteils semi-ariden Land, spielen.

Wer dem Projekt einen Baum spenden möchte, findet auf www.jnf-kkl.de weitere Infos. Auch als Geschenk mit einer Urkunde für den Baumpaten seien die Bäume zu haben, schlägt Jurecky vor: „Statt Blumen zum Besuch.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+