Christian Weber unter Verdacht Bagatellunfall mit Folgen

Bürgerschaftspräsident Christian Weber hat beim Ausparken eine kleine Delle in ein anderes Auto gefahren. Eine Bagatelle eigentlich, trotzdem ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bagatellunfall mit Folgen
Von Ralf Michel

Pressekonferenz beim Präsidenten der Bürgerschaft. Christian Weber hat am Donnerstagvormittag dazu eingeladen.Für Donnerstagnachmittag. Flankiert vom Bremer Staranwalt Erich Joester nimmt Weber vor 16 Journalisten, zwei Fernsehkameras, vier Mikrofonen und einem halben Dutzend Fotoapparaten Platz. Und schildert dann – einen Bagatellunfall.

Weber hat nicht aufgepasst. Ist beim Ausparken in einen abgestellten Pkw gefahren. Eine Delle im Kotflügel, ärgerlich, aber nichts wirklich Großes. Doch den eigentlichen Fehler begeht er erst dann. Er klemmt einen Zettel mit seinen Kontaktdaten hinter den Scheibenwischer des beschädigten Pkw und fährt nach Hause. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn: Es besteht der Anfangsverdacht einer Straftat – unerlaubtes Entfernen vom Unfallort.

Kommentar über Christian Weber

Soweit nichts Ungewöhnliches. Könnte jedem passieren. Wer weiß schon, dass in so einem Fall ein Zettel nicht ausreicht, sondern die Polizei angerufen werden muss. Oder dass es vorgeschrieben ist, mindestens eine halbe Stunde auf den Besitzer des beschädigten Wagens zu warten.

Nun ist aber Christian Weber Präsident der Bürgerschaft und damit der erste Mann im Stadtstaat. Und so wird zwangsläufig doch eine größere Sache draus: Denn um gegen Weber ermitteln zu können, muss die Staatsanwaltschaft die Aufhebung seiner Immunität als Abgeordneter beantragen. Schon tauchen die nächsten Probleme auf: Adressat dieses Antrages ist eigentlich – der Bürgerschaftspräsident. Und über die Aufhebung der Immunität entscheiden muss der Verfassungs- und Geschäftsordnungsausschuss der Bürgerschaft. Wer diesen Ausschuss leitet? Richtig, Bürgerschaftspräsident Weber.

Alles also doch ein wenig komplizierter. Vielleicht deshalb entscheidet sich Weber für eine Pressekonferenz in eigener Sache. Bevor hintenrum getuschelt wird, lieber in die Offensive gehen. Und so schildert er detailliert, was am 29. November passiert ist. Nach dem Essen – es gab Rouladen – habe er Sohn und Enkel zu deren Wohnung Auf den Höfen gefahren. Jede Menge Platz, kein Verkehr, trotzdem ein Moment der Unachtsamkeit. Beim Ausparken habe er einen anderen Pkw am Kotflügel touchiert, ein BMW mit Essener Kennzeichen.

Von dessen Besitzer keine Spur. Er sei ausgestiegen, um den Schaden zu begutachten, habe dann einen Zettel mit Namen und Telefonnummer hinter den Scheibenwischer des Fahrzeugs gesteckt. Sogar in einer Plastikfolie, weil es leicht nieselte, erzählt Weber. Dann sei er weggefahren. „Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, zu warten oder die Polizei anzurufen.“ Eine Dummheit, über die er sich heute noch maßlos ärgert, sagt er.

Er sei dann sogar nach einmal zurückgekommen, um den angerichteten Schaden zu fotografieren, berichtet Weber. Dann sei er nach Hause gefahren. Wenig später meldete sich sein Sohn. Der hatte vor seinem Haus die Polizei entdeckt, die den Unfall aufnahm, war rausgegangen, um die Sache aufzuklären und hatte dann seinen Vater angerufen. Der fuhr sofort zum Unfallort, hat nach eigenem Bekunden „ganz vernünftig“ mit der Polizei gesprochen und sich auch mit dem inzwischen anwesenden Besitzer des beschädigten Wagens verständigt. 5800 Euro kostet die Reparatur des BMW. Ein Versicherungsfall, so Weber. „Ich habe gedacht, die Sache ist damit erledigt.“ Bis zur Anzeige, gefolgt vom Antrag auf Aufhebung der Immunität und schließlich seinem Schritt in die Öffentlichkeit.

Vergleichsweise spröde nimmt sich das weitere Verfahren aus: Wenn die Immunität Webers aufgehoben ist, leitet die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein. An deren Ende steht die Entscheidung, ob und welche Konsequenzen dies für Weber haben wird – die Bandbreite reicht von der Einstellung des Verfahrens mit oder ohne Auflage über einen Strafbefehl bis hin zur Anklage.

Anwalt Erich Joester deutete schon einmal eine Verteidigungslinie an: Es müsse geklärt werden, ob überhaupt Fahrerflucht vorliege. Weber habe nichts zu verdecken versucht, im Gegenteil sein Sohn sei mit der Nennung seines Vaters gegenüber der Polizei „proaktiv“ vorgegangen.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+