Winterfahrplan Bahn verärgert Bremer Pendler

Bremen. Ab Montag wird es eng auf dem Bremer Hauptbahnhof. Das Fassungsvermögen eines ICE, der Hunderte Pendler jeden morgen nach Hamburg bringt, wird halbiert. Das ärgert die Betroffenen - zumal sie weiterhin für einen ICE zahlen sollen, in den sie vielleicht nicht mehr passen.
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Bahn verärgert Bremer Pendler
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Ab Montag wird es eng auf dem Bremer Hauptbahnhof. Das Fassungsvermögen eines ICE, der Hunderte Pendler jeden morgen nach Hamburg bringt, wird halbiert. Das ärgert die Betroffenen - zumal sie weiterhin für einen ICE zahlen sollen, in den sie vielleicht nicht mehr passen.

Auf Pendler von Bremen nach Hamburg kommen ab Sonntag einige Unannehmlichkeiten zu. Grund ist die Umstellung auf den Winterfahrplan. Bis zum 19.3. fährt der ICE 1020 dann nur noch mit der halben Platzkapazität. Dieser Zug ist bei Pendlern sehr beliebt. Er fährt um 7:17 in Bremen ab und kommt um 8:12 in Hamburg an – ideal für Berufstätige, die in Bremen wohnen und in Hamburg arbeiten.

Und davon gibt es Hunderte alleine in diesem ICE. 700 Leute passen bislang in den Zug, zu 90 Prozent sind die Plätze besetzt, berichten betroffene Pendler. Im Winter nimmt die Zahl der Zugreisenden eher zu, weil einige Pendler in den Monaten mit teils unsicheren Straßenverhältnissen von der Straße auf die Schiene ausweichen. All diese Kunden werden nun ab Montag vor einem Zug stehen, der nur etwa 350 Menschen fasst.

Am Dienstag informierte die Bahn zumindest diejenigen Kunden von der Maßnahme, die eine Jahreskarte für die Strecke Bremen-Hamburg besitzen, die auch für den ICE gilt. Die Maßnahme diene dazu, „einen verlässlichen Fahrplan anbieten zu können“, heißt es in dem Schreiben. Hintergund ist, dass die Bahn so eine Reserve für andere Strecken vorhalten wolle, erklärt Karl-Peter Naumann, Sprecher bei der Initiative "Pro Bahn". "Das ist zur Stabilisierung des Fahrplans sicher eine richtige Maßnahme“, sagt er, auch wenn das dann in konkreten Fällen zu Beeinträchtigungen führe. So wie jetzt für die Pendler aus Bremen. Warum es gerade sie erwischt hat, oder nach welchen Kriterien die Züge ausgesucht wurden, die unter der Reserve zu leiden haben, beantwortete die Bahn trotz Nachfrage nicht.

Höheres Verspätungsrisiko

Sie weist die Pendler in ihrem Brief stattdessen auf den Intercity hin, der als potenzielle Alternative zehn Minuten später von Bremen nach Hamburg fährt. Doch so einfach ist es aus Sicht der Pendler nicht. Der IC fährt zwar nur zehn Minuten später in Bremen ab, kommt aber 20 Minuten später am Hamburger Hauptbahnhof an – um 8:33 Uhr. Zu spät für viele Arbeitnehmer mit einem Arbeitsbeginn von 8:30. Zudem wird dieser Zug nicht in Bremen eingesetzt, sondern in Dortmund. Das erhöhe zum einen das Verspätungsrisiko, zum anderen seien in dem Zug schon Plätze besetzt, wenn er in Bremen ankommt, sagt Karl-Peter Naumann. Ums Stehen kommen die Pendler also unter Umständen auch im vermeintlichen Ausweichzug nicht herum.

Dementsprechend ungehalten sind viele Betroffene. Nicht nur, weil sie ab Montag einen Kampf um die verbliebenen Plätze befürchten. „Es wird ein Hauen und Stechen ohne gute Manieren geben“, prognostiziert etwa Marco Fieberg, einer von denen, die jeden Morgen im ICE 1020 sitzen.

Genauso ärgert viele Pendler aber, dass sie weiterhin den erhöhten Preis für eine Dauerkarte zahlen sollen, die die ICE-Nutzung beinhaltet – auch wenn sie sich nicht sicher sein können, ob sie in dem Zug überhaupt noch einen Platz bekommen – und den Zuschlag zumeist nur wegen dieses einen morgendlichen Zugs zahlen müssen. Das Angebot an den komfortableren Zügen ist zu Zeiten, die für Pendler interessant sind, nämlich dünn. Und einen Zeitvorteil auf der Strecke behauptet nicht einmal die Bahn. Viele Pendler fühlen sich daher prinzipiell von der Bahn ausgenommen.

Änderung des Abos - sechs Wochen später

Die Bahn bietet in ihrem Brief nun zwar an, dass die Betroffenen kostenlos ihr Ticket in die günstigere Variante ändern können, die dann nur die Nutzung bis hinauf zu Intercities beinhaltet. Doch gilt die von der Bahn vorgeschlagene Änderung erst ab dem 1.2.2011 – sechs Wochen nachdem die Maßnahme inkraftgetreten ist und ebenfalls sechs Wochen, bevor sie wieder endet. Auf Nachfrage erklärt die Bahn dazu, dass sich ein früherer Tausch des Abos nicht bewerkstelligen lasse. Als Ausgleich habe man dem Informationsbrief an die Kunden Genussgutscheine im Wert von 20 Euro beigelegt - mit dem Ziel, dass die Kunden nicht tauschten, wie die Bahn freimütig einräumt.

In der Tat rechnet sich ein Tausch, so wie ihn die Bahn anbietet, nur für diejenigen, die dauerhaft auf den IC umsteigen wollen. Ein Tausch zurück, wenn der ICE nach dem 19. März wieder in seiner längeren Version verkehrt, ist nämlich keineswegs kostenlos. Dafür berechnet die Bahn dann wiederum 15 Euro Gebühr.

Zumindest dagegen sollten sich die betroffenen Kunden wehren, sagt Karl-Peter Naumann von "Pro Bahn" Die Dauerkartenkunden sollten sich beschweren, weil sie durch eine von der Bahn verursachte Änderung mit dem IC statt mit dem ICE fahren sollen. Die Bahn weise in ihrem Brief ja selbst auf die Alternative hin, da gelte auch die Ausrede nicht, dass der ICE ja nach wie vor fahre, der Fahrplan sich also gar nicht so sehr ändere.

Eine Möglichkeit zur Änderung zum 1. Januar sei da das Mindeste, meint Naumann, besser noch sei die Erstattung der zusätzlichen Kosten. Wichtig sei dabei, dass die Kunden den offiziellen Beschwerdeweg beschreiten und sich erst auf dem direkten Wege an die Bahn wenden. Wenn das Unternehmen darauf nicht oder nur unzureichend reagiert, sollten sich die Pendler an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wenden.

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