Dealer verbreiten bedrohliche Stimmung

Bahnhofstraße: Drogenhandel auf offener Straße

An der Ecke von Bahnhofstraße und Breitenweg findet auf offener Straße Drogenhandel statt. Die Polizei sei nicht präsent genug, meint ein ansässiger Geschäftsmann.
17.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Bahnhofstraße: Drogenhandel auf offener Straße
Von Ralf Michel

An der Ecke von Bahnhofstraße und Breitenweg findet auf offener Straße Drogenhandel statt. Die Polizei sei nicht präsent genug meint ein ansässiger Geschäftsmann.

Die jungen Afrikaner geben sich locker. Die Hände tief in den Hosentaschen versenkt, stehen sie an der Ecke von Bahnhofstraße und Breitenweg. Lässig schlendern sie umher und scherzen miteinander. Aber sie sind wachsam. Immer wieder gehen die Blicke in alle Richtungen. Irgendwo Polizei im Anmarsch?

Meistens nicht. Und genau das ist das Problem, sagt Martin Timm. Der Geschäftsmann betreibt 20 Meter von der Kreuzung entfernt in der Bahnhofstraße ein Blumengeschäft. Seit Monaten beobachtet er, wie die Afrikaner vor seinem Laden mit Drogen dealen.

An die Polizei habe er sich gewandt, sogar schon einen Brief an den Polizeipräsidenten geschrieben, und auch der Beirat Mitte sei längst informiert. Doch geändert habe sich dadurch nichts. „Das ist ein Trauerspiel“, sagt er und in seiner Stimme schwingt nicht Ärger mit, sondern Resignation.

Gruppe geht arbeitsteilig vor

Übertreibt der Mann? Ist es wirklich so schlimm? Dienstagnachmittag, kurz vor 16 Uhr: Direkt an der Kreuzung stehen fünf junge Afrikaner, gegenüber auf der anderen Straßenseite am Breitenweg weitere sechs. Die Blicke der fünf Männer sind gen Bahnhof gewandt und tatsächlich lässt die Kundschaft nicht lange auf sich warten.

Unschwer ist zu erkennen, wie die Gruppe vorgeht – arbeitsteilig: Einer ist für den Erstkontakt zum Kunden zuständig, einer fürs Geld, der Dritte für die Übergabe der Drogen. Der Rest sondiert währenddessen die Umgebung.

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Immerhin, der eigentliche Deal geht nicht auf der Bahnhofstraße über die Bühne. Dazu bewegen sich Kunde und Verkäufer ein paar Meter weiter um die Ecke. Zwischen Wurstpavillon und Tiefgarage wechselt die Ware den Besitzer.

Nicht besonders heimlich

Doch besonders heimlich geht es auch hier nicht zu. Ein Kunde ist unzufrieden. Er beschwert sich. „Warte hier“, herrscht ihn der Dealer an und eilt zurück zur Kreuzung. Im Weggehen schimpft er gut hörbar für alle, die in der Nähe stehen auf Deutsch. „Das ist keine gute Ware.“

Wenig später ist er zurück. Keine Beanstandungen diesmal. Gerade drei Minuten hat das Ganze gedauert. Der Afrikaner geht zurück zur Kreuzung. Schon kurz darauf marschiert er mit dem nächsten Kunden um die Ecke. Das Geschäft läuft, drei erfolgreiche Abschlüsse lautet die Bilanz nach einer Viertelstunde.

Natürlich würden die Kunden bemerken, was da vor dem Blumengeschäft stattfindet, sagt eine von Timms Mitarbeiterinnen. „Jeder zweite spricht uns darauf an. Das ist ständig Thema im Laden.“ Wenn die Kunden denn überhaupt noch kommen, ergänzt ihr Chef. „Die Leute sehen die vielen Afrikaner und gehen in diesem Bereich automatisch schneller“, hat er beobachtet. Was er sogar nachvollziehen kann. „Die sind verunsichert und verlassen den Gefahrenbereich.“

Bremer Timm kennt die Szene

Timm ist Bremer. Seit 60 Jahren verkauft seine Familie Blumen in der Stadt. Auch im Viertel. Von daher kenne er die Szene, betont der 47-Jährige. Und ja, als er im November vergangenen Jahres den Laden in der Bahnhofstraße eröffnete, seien die Afrikaner natürlich schon da gewesen. „Aber ich dachte, ich kriege sie hier weg.“

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Er habe sie einfach direkt angesprochen, erzählt er. „Könnt ihr hier verschwinden?“ Die Antwort war unmissverständlich. „Ich sollte doch wegsehen“, habe einer gesagt. Und ein anderer habe ihn angerempelt.

Als das passierte, rief Timm bei der Polizei an. „Die kamen auch, sogar mit drei Streifenwagen.“ Anschließend waren die Afrikaner verschwunden. Doch nur für kurze Zeit. „Jetzt sitzen sie demonstrativ auf der Bank vor dem Geschäft, gucken zu uns rüber und zeigen mit dem Finger auf uns.“

"Man fühlt sich bedroht."

Die Polizei schaue zwar immer wieder mal nach dem Rechten. „Aber dann sind die immer sofort weg, sie haben ja inzwischen auch alle Fahrräder“, berichtet der Geschäftsmann. „Und kurz darauf sind sie alle wieder da.“

„Man fühlt sich bedroht“, sagt eine seiner Mitarbeiterinnen und erzählt, wie einer der Afrikaner sie erst beschimpft habe, nur um dann selbst feixend „Polizei, Polizei“ zu rufen. „Ich fühl mich inzwischen nicht mehr wohl“, sagt auch Timm. Seine Mitarbeiterinnen hat er angewiesen, das Geschäft abends lieber durch den Hinterausgang zu verlassen.

Er könne nicht nachvollziehen, warum dieses Problem nicht in den Griff zu bekommen ist, kritisiert der Geschäftsmann. Und seine Erwartungen hierbei richten sich nicht in erster Linie an die Polizei. „Ich erwarte von der Politik mehr Unterstützung. Die Polizei muss hier mehr Handlungsspielraum haben.“

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