Bauarbeiten Unterwasser Bahnunterführung Oberneuland: Taucher bei Bau im Einsatz

Die Oberneulander Bahnunterführungen nehmen langsam Gestalt an. Doch was man am Ende zu sehen bekommt, sei nur ein Bruchteil dessen, was während der Bauarbeiten tatsächlich passiert, sagen die Verantwortlichen.
11.09.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Die Oberneulander Bahnunterführungen nehmen Gestalt an. Nicht jedem Betrachter erschließt sich allerdings auf Anhieb, warum sich die Bauarbeiten über mehrere Jahre erstrecken, vermuten die Verantwortlichen. Was man am Ende zu sehen bekomme, sei nur ein Bruchteil dessen, was während der Bauarbeiten tatsächlich passiere.

Taucher bringen Unterwasserbeton an

Am künftigen Tunnel Auf der Heide wird getaucht. Das muss so sein, sagt Olaf Dürkop, beim Amt für Straßen und Verkehr (ASV) zuständiger Projektleiter für den Bau der drei neuen Bahnunterführungen in Oberneuland. Getaucht wird aber nicht etwa, weil man das Konzept zum Unterqueren der Schienen geändert hat. Beim Graben des Trogs, dem sogenannten Auskoffern, stoße man unweigerlich auf Grundwasser, das es langfristig in Schach zu halten gelte, erklärt Dürkop.

Zu diesem Zweck werde Unterwasserbeton auf den Grund des Trogs aufgetragen. Damit der Beton aber nicht wie ein Boot auf der Wasseroberfläche treibe, müsse man ihn verankern, ergänzt Heinz Josef Wöhrmann, Oberbauleiter der beauftragten Arge. Und genau da komme der Taucher ins Spiel.

Tauchtelefon und Tastsinn

Vier bis fünf Meter tief müsse er tauchen, um Verlängerungen an die zuvor eingelassenen Anker anzubringen. „Da unten ist es absolut finster“, sagt Dürkop. Der Taucher müsse sich auf seinen Tastsinn verlassen. Und auf seinen Kollegen, der ihn mittels eines Tauchertelefons vom Rand des Trogs in die richtige Richtung dirigiere. Sieben mal wiederhole sich diese Prozedur am Trog Auf der Heide – weil es sich um eine kleine Unterführung handelt. „An der Franz-Schütte-Allee sind es einige hundert Anker“, erzählen die Bauexperten.

Hier sind die rund 35 Mitarbeiter zurzeit auf einer Hälfte damit beschäftigt, Bewehrung auf dem Unterwasserbeton zu installieren. Was nach Strafvollzug klingt, ist tatsächlich eine Konstruktion aus Stahlgittern und Beton, die so kombiniert später sowohl Zug- als auch Druckbelastungen trotzen soll.

Auf der anderen Seite des Trogs, hinter einer riesigen Spundwand, koffern derweil mehrere Bagger die zweite Hälfte des künftigen Tunnels aus. Berge von Sand häufen sich am Rande der Baustelle. Bevor sie abtransportiert werden können, werden Proben genommen, um die Qualität des Erdreichs zu überprüfen. Ist die Probe nicht einwandfrei, muss der Sand in eine Sonderdeponie gefahren werden. Bisher habe es aber keine nennenswerten Auffälligkeiten gegeben, sagt Dürkop.

Einbahnstraßenregelung läuft unproblematisch

Parallel zu den Tunnelarbeiten wird auf Seite der Rockwinkeler Heerstraße der Fahrbahnanschluss vorbereitet. „Ansonsten wäre der Tunnel irgendwann fertig, und die Bürger müssten anderthalb Jahre warten, bis sie ihn benutzen könnten, weil er nirgendwohin führt“, erklärt Dürkop. Schließlich dauere der Ausbau des Straßenanschlusses etwa anderthalb Jahre. Die durch die Anschlussarbeiten entstandene Einbahnstraßenregelung auf Zeit im betroffenen Abschnitt der Rockwinkeler Heerstraße verlaufe seiner Beobachtung nach in der Praxis – entgegen der Befürchtungen mancher Oberneulander – relativ unproblematisch.

Das bestätigt auch Polizeirevierleiter Horst-Günther Feldmann auf Nachfrage. „Bis Weihnachten sollen die Arbeiten so weit abgeschlossen sein, dass die Straße wieder zweispurig befahrbar ist“, stellt Dürkop in Aussicht.

Spannend wird es für die Mitarbeiter der Großbaustelle im April kommenden Jahres. Dann steht die nächste Sperrpause an. Ein Termin, der bereits 27 Monate vor Baubeginn mit der Bahn abgestimmt worden und unbedingt einzuhalten ist, da dann der Zugverkehr für einige Tage pausiert. Für die Unterführung an der Franz-Schütte-Allee schlägt dann die Stunde der Wahrheit: Die jetzige Hilfsbrücke wird durch eine Betonbrücke ersetzt. „Dann muss alles passen – das ist schon ein spannender Moment“, so Dürkop. Trotzdem bleibt er beim Gedanken ans Frühjahr gelassen. „Wir liegen gut in der Zeit.“

Verkehr erst im März 2016

Wenngleich der Tunnel voraussichtlich im Sommer 2015 fertiggestellt sein wird, kann das erste Auto die Unterführung laut Zeitplan erst im März 2016 passieren, so Dürkop. So lange brauche es, bis Leitungs-, Anschluss- und Straßenarbeiten abgeschlossen seien. Der zeitgleiche Start der Bauarbeiten an der Unterführung Mühlenfeldstraße hatte bereits auf der jüngsten Sitzung des Fachausschusses Verkehr im Juli seitens der Bürger die Frage aufgeworfen, wie Bahnpassagiere während der Sperrung die Gleise am Bahnhof passieren sollen.

Darüber mache man sich beim ASV bereits Gedanken, versichert Dürkop. Denkbar sei beispielsweise eine Treppenüberführung. Spruchreif sei aber noch nichts. Für Senioren und Menschen mit Beeinträchtigung müsse eine andere Lösung gefunden werden.

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