Ute Mai leitet 60-plus-Gruppe an / Tanz schult Körper wie Geist und beugt Stürzen vor Ballett für Spätstarter

Vegesack. Christa John erfüllt sich einen Kindheitstraum. Schon als Mädchen wäre sie gern zum Ballettunterricht gegangen.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Sabine Lange

Vegesack. Christa John erfüllt sich einen Kindheitstraum. Schon als Mädchen wäre sie gern zum Ballettunterricht gegangen. Das war seinerzeit nicht möglich. Jetzt, mit 63 Jahren, übt sie zusammen mit anderen Frauen fortgeschrittenen Alters vor der Spiegelwand in der Tanzhafen-Akademie Vegesack Positionen und Schrittfolgen. „Ballett 60 plus“ heißt das Angebot, das die staatlich geprüfte Tanz- und Gymnastikpädagogin Ute Mai ins Leben gerufen hat. „Mir ist es wichtig, auch bei älteren Menschen den Mut zu wecken, etwas Neues auszuprobieren“, erklärt sie.

Neben den klassischen Elementen des Balletts sollen bei den Übungsstunden gesundheitliche Aspekte im Vordergrund stehen. Oberstes Ziel sei es, den Körper zu kräftigen, Koordination und Balance zu schulen. Letzteres sei eine hervorragende Sturzprophylaxe für das spätere Seniorenalter.

„Ballett ist eine sehr anspruchsvolle Kunst. Es fordert dem Körper und dem Geist einiges ab“, weiß Ute Mai, die außerdem lizenzierte Ballettpädagogin für den Laientanz ist. Die 51-Jährige lässt es bei ihren 60-plus-Schülerinnen langsam angehen. Die Bewegungsabläufe zum Einstieg sehen einfach aus, doch bei den meisten der Kursteilnehmerinnen hapert es an der korrekten Ausführung. Sie beobachten sich im Spiegel und bemerken es selbst.

Allein einen Fuß elegant zur Seite zu schieben und gleichzeitig die etwas angewinkelten Arme in die Waagerechte zu bringen, dabei auch noch auf einen leicht nach vorn gebeugten Oberkörper zu achten – das ist eine große Herausforderung für die Ballett-Anfängerinnen. Ute Mai hilft mit bildlicher Sprache. „Stellt euch vor, ihr würdet mit einem Partner tanzen. In der Höhe müssen eure Arme sein“, erklärt sie. Um das Ganze zu verdeutlichen, mimt sie den imaginären Tanzpartner. Sie schlüpft unter die ausgebreiteten Arme der in der gewünschten Position verweilenden Frauen. Erst nachdem alle die richtige Körperhaltung eingenommen haben, geht es mit den Übungen weiter.

Zum festen Bestandteil jeder Ballettstunde, egal auf welchen Level, gehört das ­Training an der Stange. So auch beim Unterricht im Vegesacker Tanzstudio an der Alten Hafenstraße. Das fühlt sich für die Kursteilnehmerinnen schon sehr nach „echtem“ Ballett an.

Voll konzentriert versuchen die Frauen, den Anweisungen der Bewegungstherapeutin zu folgen. Die Hände ruhen in der Ausgangsposition locker auf dem Holzholm. Wieder kann sich jeder bei den eleganten, fließenden Bewegungen im Spiegel beobachten und sich gegebenenfalls selbst korrigieren. Ute Mai lobt ihre Schülerinnen: „Das sieht schon richtig gut aus!“

Zur Auflockerung studiert die Trainerin mit den Frauen danach einige raumgreifende Schrittfolgen mit musikalischer Begleitung ein. Dabei ist erneut Koordinationstalent gefragt. Armhaltung, Fußtechnik, Richtung und Rhythmus in Einklang zu bringen, ist nicht einfach. Doch nach einigen Wiederholungen freuen sich die Tänzerinnen über erste Erfolgserlebnisse.

Der Ballettpart der Übungsstunde endet mit einem Ritual, der sogenannten Reve­rence. Nachempfunden wird die Verbeugung zum Abschluss eines klassischen Bühnenauftritts. Ute Mai weckt die Vorstellungskraft ihrer Schülerinnen, indem sie den Bewegungsabläufen Bilder zuordnet. Das erleichtert den Frauen, den Ansagen schnell zu folgen. „Wir verbeugen uns vor dem Orchester rechts und links unten, jetzt vor dem König und der Königin rechts und links oben und zum Schluss verneigen wir uns vor dem Publikum in der Mitte“, sprich sie. Die Damen haben dabei nicht nur nahezu fehlerfrei die Bewegungen der Lehrerin kopiert, sondern auch deren strahlendes Lächeln.

Beim gemütlichen Teil relaxen die Frauen bei Entspannungsübungen auf Bodenmatten. „Ich baue in den Unterricht auch Pilates- und Yoga-Elemente sowie Faszientraining ein“, berichtet Ute Mai. Und das Testen der harten Faszienrollen bereitet ihren Schützlingen sichtlich Genuss. Bei der selbst gesteuerten Massage der Muskelstränge huscht den Frauen immer wieder ein Grinsen übers Gesicht und eine spricht aus, was alle fühlen: „Oh, das tut aber gut!“

Informationen auf www.tanzhafen-bremen.de und www.facebook.com/tanzhafen

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+