„Rustlers“ bringen zum traditionellen Weihnachtskonzert eine Live-Doppel-CD heraus

Bandgeschichte, fein abgemischt

Vegesack. Das traditionelle Weihnachtskonzert der „Rustlers“ im Vegesacker Muddy am 25. Dezember kann in diesem Jahr Langzeitwirkung entfalten: Wer 25 Euro investiert, kommt ins Konzert und nimmt auch noch die brandneue Doppel-Live-CD der Rocker mit nach Hause.
19.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling
Bandgeschichte, fein abgemischt

Die „Rustlers“ im Tonstudio „Sundance“ in Aumund. Hier hat Volker Siedenburg (rechts) in den vergangenen Monaten mit seinen Bandkollegen an der Produktion der Doppel-CD gearbeitet.

Volker Kölling coast communication

Das traditionelle Weihnachtskonzert der „Rustlers“ im Vegesacker Muddy am 25. Dezember kann in diesem Jahr Langzeitwirkung entfalten: Wer 25 Euro investiert, kommt ins Konzert und nimmt auch noch die brandneue Doppel-Live-CD der Rocker mit nach Hause. Bis kurz vor Weihnachten hat die Band um Volker Siedenburg daran in seinem Sundance-Studio in Aumund gefeilt.

„Da steckt ein dreiviertel Jahr Arbeit drin. Live-Mitschnitte sind schwer zu mischen,“ meint Volker Siedenburg und zeigt auf die beiden großen Computermonitore voller geheimnisvoller Spur- und Reglerdarstellungen. Zudem hat die Band für die CD zum 50. Bandgeburtstag tief im Archiv gebuddelt: Ein Mitschnitt von 2001 bei Gerd Peschel im Fährhaus kommt zu neuen Ehren. Volker Siedenburg: „Damals haben wir noch Joy von Mick Jagger im Programm gehabt. Ich gebe zu: Ich wollte auch ein Stück auf der CD haben, das ich singe.“

Früher habe man noch einen halben Tag allein die Mischtechnik und die Mikrofone aufgebaut und eingestellt. Siedenburgs Schulfreund Herbert Strobrawe erinnert sich noch gut an die Zeiten, als sein Gesang per Bandmaschine aufgezeichnet worden ist. Im Nebenraum steht noch so ein Riesengerät mit Doppelzollbändern für 16 Tonspuren – wie aus dem Technikmuseum. „Heute geht das per USB-Kabel vom digitalen Mischpult auf das Laptop und jeder hat zu Hause ein digitales Schnittprogramm,“ sagt Bassist Eddie Stühmer und lacht. Siedenburg erinnert sich, dass die ersten digitalen Mischpulte noch eine Viertelmillion Euro gekostet haben.

Was da im Obergeschoss von „Sundance“ an Technik aufgefahren wird, übertrifft das meist semiprofessionelle Equipment anderer Rockbands. Und dann sind da eben noch das Gehör und die Erfahrung Siedenburgs, der hier regelmäßig beispielsweise die Hamburg Blues Band mischt und schon eine lange Liste von Größen aus Blues und Rock unter seinem Dach an die Instrumente gebeten hat.

Das Live-CD-Projekt mit seinen „Rustlers“ hat er trotzdem als Herausforderung angenommen: „Ich habe bei einem reinen Club-Gig alleine am Schlagzeug fünf Mikrofone weniger. Jedes Instrument, jede Stimme muss ich sauber per Mikrofon abnehmen – und das möglichst so, dass nichts in das andere Mikro hinein stört.“ Und das sei eben schon beim „Muddy“-Auftritt am ersten Weihnachtstag 2014 nicht so einfach gewesen.

Siedenburg greift sich die Computermaus und lässt einfach mal die Bassgitarre alleine arbeiten: „Die nehmen wir direkt am Instrument ab. Glasklar. Ich kann eine CD so mischen, dass sie sich wie im Studio anhört: Aber genau die Super-Live-Stimmung von einem Konzert wie im Muddy will ich ja einfangen.“

Und Drummer Harm Cordes geht auch noch auf die Auswahl ein: „Die CD soll wie ein Live-Konzert aus einem Guss klingen, aber eben auch fünfzig Jahre Bandgeschichte abbilden. Und so sind jetzt einige Sachen dabei, die wir so schon lange nicht mehr im Programm haben.“

Tatsächlich ist die Verschmelzung der Bandjahrzehnte am Mischer so wunderbar gelungen, dass die Originalinterpreten dagegen an einigen Stellen soundtechnisch geradezu blass klingen: „Can´t stop rockin“ und „Gimme al your lovin“ dienen noch dem Aufwärmen. Bei „Have you ever seen the rain?“ ist die Betriebstemperatur der Band spätestens erreicht. „White Room“ von Cream ist einfach großartig gespielt und gesungen.

Wer bei „Foxy Lady“ nicht die Resthaare schwingt, hat den falschen Konzertmitschnitt ins CD-Fach gleiten lassen. AC/DC´s „Thunderstruck“ ist eine spaßige Fingerübung für Siedenburg an der Frontgitarre und Eddie Stühmer am Bass. Chris Pfeiff darf sich bei den Australiern schon als Nachfolger empfehlen, sollte auch AC/DC-Sänger Brian Johnson mal gerichtlich bei einer Tour verhindert sein.

Wobei Siedenburg auch eine ganze Effektpalette zur Verfügung stand, um den Rustlers-Sound in das Jahr 2015 zu befördern. Bob Seegers „Hollywood Nights“ hat aber als letztes Stück auf CD eins auch schlicht mehr Drive als das Original, das an sich schon genial war.

Nach einer Stunde wird sofort die zweite kleine Platte mit einer Stunde und vier Minuten nachgelegt: ZZ-Tops „Burger Man“ ist das Startstück. Es folgt ein nettes „Not fade away“, einer von drei Stones Songs der Produktion. Nach Mick Jaggers „Joy“ mit jeder Menge Hall folgt eine gewagte Nummer: Wer sich traut „Sympathy for the devil“ live zu bringen, riskiert Zuschauer-Enttäuschungen, die selbst die großen Vorbilder hin und wieder ausgelöst haben. Doch auch ohne die ganz große Percussion und Backgroundsänger-Abteilung kommt der Teufel bei den „Rustlers“ Sekunde um Sekunde immer besser in Fahrt. Und am Ende feiern alle fast acht Minuten lang „with a little help from my friends“.

Das Konzert am 1. Weihnachtstag im Muddy in Vegesack startet um 21 Uhr. Die Eintrittskarte kostet ohne CD 15 Euro.

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