Neuer Verbandsvorstand: "Wir sind nicht die Sündenböcke der Politik" / Große Leistungen für den Mittelstand Banken wollen an ihrem Image arbeiten

Bremen. Das Image der Banken in der Öffentlichkeit ist schlecht. Zu Unrecht, findet Ludwig Blomeyer, neuer Vorsitzender des Bankenverbandes Bremen. "Die Politiker machen die Banken zum Sündenbock. Das eigentliche Problem ist aber die Staatsverschuldung", sagt Blomeyer. Er will in der Öffentlichkeit um mehr Verständnis für die Leistungen der privaten Banken werben.
23.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Annemarie Struss-v.Poellnitz

Bremen. Das Image der Banken in der Öffentlichkeit ist schlecht. Zu Unrecht, findet Ludwig Blomeyer, neuer Vorsitzender des Bankenverbandes Bremen. "Die Politiker machen die Banken zum Sündenbock. Das eigentliche Problem ist aber die Staatsverschuldung", sagt Blomeyer. Er will in der Öffentlichkeit um mehr Verständnis für die Leistungen der privaten Banken werben.

Für die nächsten zwei Jahre leitet Ludwig Blomeyer ehrenamtlich den Zusammenschluss der privaten Banken in Bremen. Hauptberuflich ist er als Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Bremen für das Firmenkundengeschäft verantwortlich. Sein Stellvertreter ist Stefan Burghardt von der Commerzbank Bremen.

In der Lobbyorganisation der privaten Banken sind 24 Institute mit 1500 Beschäftigten vertreten, überwiegend als Niederlassungen und Filialen großer Bankkonzerne. Es waren schon mal 30, aber die Bankenlandschaft ist auch in Bremen ständig in Bewegung. Große Veränderungen wie die Übernahme der Bremer Bank (Dresdner Bank) durch die Commerzbank sind abgeschlossen.

Aus der Citibank wurde mittlerweile die Targobank. Einige Häuser wie Cortal Consors, GE Money Bank und die Hanseatic Bank sind verschwunden. Die Deutsche Schiffsbank, die inzwischen zur Commerzbank gehört, steht noch auf der Mitgliedsliste des Verbandes, die Bremer Niederlassung wird aber zugunsten des Standortes Hamburg bis 2013 geschlossen. Damit gehen in Bremen 90 Arbeitsplätze verloren. Ein Teil der Beschäftigten, deren Kompetenz in der Schiffsfinanzierung geschätzt wird, ist vor Ort in anderen Häusern untergekommen. Mit einem weiteren Arbeitsplatzabbau bei den privaten Banken rechnet der Bankenverband auf absehbare Zeit nicht.

Im Gegenteil: Einige neue Institute sind auf den Plan getreten, wie die Oldenburgische Landesbank (OLB), die in Bremen rund um den ehemaligen Commerzbanker Carl Kau einen eigenen Kundenstamm aufbaut. Mit mindestens zwei weiteren Zugängen rechnet Blomeyer in den nächsten Monaten. Attraktiv für Banken sind vor allem vermögende Privatkunden, von denen es in Bremen gemessen an der Einwohnerzahl überdurchschnittlich viele gibt.

Groß sei die Bedeutung des privaten Sektors aber auch für den Mittelstand, betont Blomeyer. Der Bankenverband, der seine Zentrale in Berlin hat, ist gerade dabei, eine bundesweite Studie über die Leistung der Privatbanken für die mittelständische Wirtschaft zu erstellen. Während der Finanz- und Wirtschaftskrise hatten Mittelständler geklagt, dass der Zugang zu Krediten für sie deutlich erschwert und verteuert worden sei. Unter dem Stichwort "Kreditklemme" standen vor allem Privatbanken in der Kritik, während Sparkassen und Regionalbanken wie die Bremer Landesbank ihren Firmen weiter zur Seite standen.

Eine Kreditklemme habe es nie gegeben, betont Blomeyer. In der Öffentlichkeit sei ein verzerrtes Bild entstanden, sagt er. Die Studie habe auch das Ziel, dieses Bild geradezurücken und die Leistungen der privaten Banken gerade für den Mittelstand aufzuzeigen. In einer Studie gemeinsam mit der Hochschule Bremen hatte der Bankenverband die Relevanz der Privaten im Bundesland Bremen bereits 2008 untersucht. Demnach betreuten die damals 28 Banken insgesamt 610000 Konten privater Kunden. Laut Blomeyer hat der Verband vor allem die Aufgabe, unabhängig von den Einzelinteressen seiner 24 Mitglieder als gemeinsame Stimme der privaten Banken zu sprechen. Die Adressaten seien vielfältig: Neben Politik, Wirtschaft und Medienvertretern sieht sich der Bankenverband auch als erste Adresse für Konflikte mit Kunden, Gewerkschaft und Verbraucherschützern.

Die Beratungsqualität der Banken war in den letzten Jahren vielfach Gegenstand von Konflikten. Bankberater wehrten sich dagegen, zu den Alleinschuldigen für den Verkauf dubioser Anlagen gemacht zu werden, und beklagten den hohen Verkaufsdruck seitens ihrer Arbeitgeber."Da waren zum Teil falsche Anreize geschaffen worden", sagt Blomeyer. Heute sei Kundenzufriedenheit ein wichtiger Parameter zur Messung der Leistung von Bankberatern. Es gehe darum, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Die Geschäfte des Bankenverbandes führt künftig Hans Dieter Rahden, als Nachfolger von Rolf Behre. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er bei der Commerzbank. Jetzt freut er sich darauf, für den Verband erneut aktiv zu werden. Rahden wird den Kontakt sowohl zur Berliner Zentrale als auch zu den einzelnen Privatbanken vor Ort und zu weiteren Schnittstellen in Wirtschaft und Politik halten.

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