Lankenauer Höft Nach dem Abriss kommt der Strand

Das alte Fischrestaurant am Lankenauer Höft wird abgerissen. Ab Mai soll dort „Bremens neuer Strand“ entstehen. Geplant ist zunächst als Zwischennutzung ein Beach-Club.
20.03.2021, 05:00
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Nach dem Abriss kommt der Strand
Von Nina Willborn

Peter Logemann guckt durch die Windschutzscheibe seines silbernen, Werder-beflaggten Mercedes. Den Wagen hat der Rentner vor zwei Stunden mit Blick auf das geparkt, was in diesem Moment vom ehemaligen Restaurant am Lankenauer Höft noch übrig ist. Gerade passiert nicht viel beim Abriss des Gebäudes, Mittagspause, der Bagger brummt im Leerlauf. „Ich bin hier großgeworden“, sagt der 80-Jährige, der aus Woltmerhausen stammt und dort auch heute noch wohnt, „man kann sagen, dass ich hier mein ganzes Leben verbracht habe.“ Wobei „hier“ auch das auf der anderen Weserseite liegende Ufer einschließt, wo Logemann früher für die AG Weser gearbeitet hat. Noch heute weiß er genau, wann welches Schiff die Bremer Häfen anläuft.

„Wissen Sie“, sagt Logemann, der weiß, dass die Bremer Catering Service (BCS-Gruppe) um Theo Bührmann und Jasper Kelkenberg am Lankenauer Höft ab Mai unter dem Motto „Bremens neuer Strand“ einen Beach-Club eröffnen will, „dort war ja früher schon mal ein Campingplatz. Der war ausgezeichnet als einer der 24 schönsten in ganz Europa!“

Inzwischen bewegt sich der Bagger, der Fahrer kippt Bauschutt in einen der beiden rostroten Container vor der Front des angeknabberten Gebäudes. „So ein Abriss ist ja heutzutage gar nicht mehr so einfach. Das muss alles getrennt entsorgt werden. Asbest und so“, sagt Logemann mit Blick auf die Baggerschaufel. Wird er auch kommen, wenn der Beach-Club eröffnet ist? „Klar“, sagt Logemann. „Was man so mitbekommt, haben die sich ja einiges vorgenommen.“

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Bis es so weit ist, wird Logemann regelmäßig am Lankenauer Höft vorfahren und Abriss und Neubeginn aus seinem Auto begutachten. „Ich komme fast jeden zweiten Tag her. Ich bin Rentner, ich habe ja Zeit“, sagt er. Was Logemann, und auch die anderen Interessierten, die in diesen Tagen auf der Landzunge vorbeischauen, in den kommenden Tagen sehen werden: jede Menge Sand. Rund 1000 Tonnen aus der Bremer Umgebung werden die Grundlage des Beach-Clubs, erklärt Racine Saupe, Projektmanagerin bei der BCS. Der Lieferant braucht zwei bis drei trockene Tage in Folge; bis Mitte nächster Woche sollen die kleinen Steinchen für karibisches Flair am Weserufer angeliefert werden. Bereits gelegt sind die Leitungen für Strom und Wasser, die später die Schiffscontainer versorgen - Einige sind für das Catering vorgesehen, andere für die sanitären Anlagen.

Verteilt wird der Sand auf rund 4000 Quadratmetern in zwei Bereichen. Auf der einen Seite soll eine auch für Veranstaltungen nutzbare Fläche mit Beachvolleyballfeld und Platz für Sitzgelegenheiten entstehen (Saupe: „Wir haben extra unterschiedliche für alle Altersgruppen“), auf der zweiten Fläche will die BCS einen Abenteuerspielplatz mit Piratenschiff errichten. „Wir haben einen Wettbewerb ausgerufen, bei dem Kinder die Spielgeräte entwerfen konnten“, sagt die Projektmanagerin. BCS-intern läuft ebenfalls eine Art zweiter Wettbewerb, nämlich was den Namen der neuen Location angeht. Saupe: „Da sind wir noch in der kreativen Phase. Klar ist, dass auch die Bezeichnung Lankenauer Höft bleiben wird. Unser Logo ist ja auch der Turm.“

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Das denkmalgeschützte Radargebäude bleibt erhalten, in ihm sollen sich in absehbarer Zeit Bremer Paare das Jawort mit Blick auf die Weser geben können. Der Hobby-Astronom, der bislang sein Observatorium in der zweiten Etage hatte, werde die Räumlichkeiten aus Altersgründen aufgeben, sagt Racine Saupe. „Wir werden die Räume dann etwas umbauen.“ Das über 63 Stufen erreichbare zukünftige Trauzimmer ist nur ein Teil des langfristigen Konzepts der BCS, die in den Strand zunächst rund 350.000 Euro investiert.

Denn der Beach-Club ist eine Zwischennutzung. Wenn er ab Oktober geschlossen ist, sollen die Arbeiten an einem zweistöckigen Neubau für Veranstaltungen aller Art beginnen. Er wird ungefähr dort stehen, wo bislang das Restaurant war und soll im Herbst 2022 fertig sein. „Wir wollen künftig für Touristen auch Hausboote, Tiny Houses und Stellplätze für Wohnmobile anbieten“, erklärt die Projektmanagerin.

Ein konkretes Öffnungsdatum für den Beach-Club, für den Besucher keinen Eintritt zahlen müssen, gibt es nicht, dazu ist die Infektionslage zu unklar. „Wir haben uns vorgenommen, positiv zu denken“, sagt Racine Saupe.

Info

Zur Sache

Das Lankenauer Höft

Das Lankenauer Höft gehört zum Gebiet des Neustädter Hafens, weshalb dort auch heute noch das Schwimmen in der Weser verboten ist. Der denkmalgeschützte Turm wurde Ende der 1960er Jahre als Radar- und Kontrollstation des Bremer Hafenamtes gebaut. Rund zehn Jahre später folgte der Bau des ehemaligen Restaurants, das bis Ende 2016 ein beliebtes Ausflugsziel war. Offizieller Erbbaupächter des Grundstücks ist seit September 2020 die Lankenauer Höft Projektgesellschaft, die aus Theo Bührmanns Bremer Veranstaltungs- und Event GmbH und der Firma HBJu Immobilien GmbH der Geschäftsführer Verena Noltenius und Sebastian Mastalka besteht.

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