Nach dem Scheitern des Blumenthaler Bahnhofsumbaus sieht das Senatsressort die Schuldfrage geklärt Baubehörde ist mit sich im Reinen

Blumenthal. Es wäre ein Projekt mit Vorbildcharakter gewesen: Öffentliche Hand und privater Investor bauen den Verkehrsknoten Bus/Bahn an der Landrat-Christians-Straße gemeinsam um und senden damit einen positiven Impuls in den Stadtteil. Doch als vor drei Wochen die Nachricht vom Ausstieg des Rönnebecker Bauunternehmers Jan-Gerd Kröger kam, überraschte das kaum noch.
29.04.2015, 00:00
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Baubehörde ist mit sich im Reinen
Von Jürgen Theiner

Es wäre ein Projekt mit Vorbildcharakter gewesen: Öffentliche Hand und privater Investor bauen den Verkehrsknoten Bus/Bahn an der Landrat-Christians-Straße gemeinsam um und senden damit einen positiven Impuls in den Stadtteil. Doch als vor drei Wochen die Nachricht vom Ausstieg des Rönnebecker Bauunternehmers Jan-Gerd Kröger kam, überraschte das kaum noch. In den vergangenen Monaten war der Ton zwischen den Partnern immer gereizter geworden, in immer kürzeren Intervallen klagte Kröger über die aus seiner Sicht unkooperative Haltung der Baubehörde bei der Genehmigung seines Beitrags.

Das Haus von Senator Joachim Lohse (Grüne) hat die Vorgänge, die zu dem Zerwürfnis führten, inzwischen intern aufgearbeitet – auch weil hoher Rechtfertigungsdruck auf der Behörde lastet. Immerhin hatte sich Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) für das Vorhaben schwer ins Zeug gelegt. Nachdem das Bauressort nun mit sich selbst zurate gegangen ist, lautet die Botschaft: Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Die Behörde weist Kröger die Schuld am Scheitern der Kooperation zu. Dessen Planer hätten sich von der Komplexität des Projektes „überfordert“ gezeigt, so Staatsrat Wolfgang Golasowski. Dabei habe seine Behörde nichts unversucht gelassen, um das Vorhaben zu beschleunigen.

Wie berichtet, sollte parallel zur Verlagerung des Busknotens das vorhandene Bahnhofsgebäude, das Jan-Gerd Kröger gehört, umgestaltet und baulich ergänzt werden. Der Part des Bauressorts bestand darin, dafür die planungsrechtlichen Grundlagen zu schaffen. Auch Immissionsgrenzen spielten eine Rolle, gehen doch vom angrenzenden Gleis der Farge-Vegesacker Eisenbahn Lärm und Erschütterungen aus.

Laut Golasowski hat das Bauressort ein Maximum an qualifizierter Manpower in die fachliche Begleitung des Bahnhofsumbaus gesteckt. Senatsbaudirektorin Iris Reuther, der Chef der Stadtplanung Reinhard Viering und Bauamtsleiter Maximilian Donaubauer hätten mehrfach mit Kröger zusammengesessen. Auch er selbst, so Golasowski, habe sich für das Projekt eingesetzt. Doch Kröger habe in vielen Punkten schlicht seine Hausaufgaben nicht gemacht. Wichtige Unterlagen und Nachweise seien nicht beigebracht worden. „Ich hatte Herrn Kröger dringend empfohlen, sich wegen des großen Abstimmungsbedarfs bei dem Projekt besonders kompetenter Planer zu bedienen. Das hat er nicht getan“, bedauert Golasowski. Stattdessen habe Kröger öffentlich auf den Bauamtsleiter eingedroschen und versucht, über die fachlich nicht zuständige Senatskanzlei Druck aufzubauen

Die Stadt wird nun ihren Teil des Projektes allein durchziehen, nämlich die Verlegung der Bussteige auf die Nordseite der Landrat-Christians-Straße. Die ursprünglich geplante neue Zuwegung zum Bahnsteig der Nordwestbahn über Krögers privates Bahnhofsgrundstück wird es allerdings nicht geben. Das hat der Investor bereits klargestellt. Wolfgang Golasowski hofft, dass dieses Nein nicht Krögers letztes Wort ist. „Wenn sich der Pulverdampf verzogen hat, sollten wir versuchen, über alles noch einmal zu reden“, so der Staatsrat. „Es geht doch darum, dass wir eine gemeinsame Verantwortung für dieses Stück Blumenthal wahrnehmen.“

Gibt es Lehren, die aus dem Scheitern der öffentlich-privaten Kooperation zu ziehen sind? Ja, sagt Staatsrat Golasowski. Allerdings nicht aufseiten der Behörde, sondern bei den Investoren. Diese müssten „Einsicht in die Komplexität großer Projekte zeigen“ und sich fachlich entsprechend rüsten. Und wenn das Bauressort seine Unterstützung anbiete, müsse diese auch angenommen werden.

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