Hinterlandbebauung

Bauen in zweiter Reihe

Die Bremer CDU hat den Senat zu den Potenzialen der sogenannten Hinterlandbebauung befragt. Laut Landesregierung könnten auf diese Weise 1312 Wohneinheiten entstehen.
08.08.2017, 20:56
Lesedauer: 2 Min
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Bauen in zweiter Reihe
Von Jan Oppel

Der Traum vom eigenen Haus scheitert für Bremer oft am Geld oder am Platz. Im kleinsten Bundesland gibt es zu wenig bezahlbare Grundstücke, um der Nachfrage gerecht zu werden. Ein Grund für viele, ins niedersächsische Umland abzuwandern. Eine Lösung dieses Problems könnte nach Auffassung der Bremer CDU-Fraktion das Bauen in zweiter Reihe sein.

Die Idee leuchtet ein: Wenn Hausbesitzer bereit sind, ein Teil ihres Gartens abzugeben, entsteht für andere neuer Baugrund. Insbesondere ältere Häuser aus der Nachkriegszeit verfügen laut CDU häufig über große Grundstücke, die vergleichsweise ungenutzt seien. Die Christdemokraten sehen in diesen Flächen „stille Baureserven“ und wollten in einer Anfrage an den Senat wissen, welche Potenziale das Bauen in zweiter Reihe in Bremen hat.

Die Landesregierung steht dieser sogenannten Hinterlandbebauung grundsätzlich positiv gegenüber. Im Vergleich zu anderen Großstädten habe Bremen einen vergleichsweise großen Einfamilienhausanteil. Das Bauen in zweiter Reihe habe daher auch in Zukunft erhebliches Potenzial.

Durchschnittliche Grundstücksgröße für Bauplätze ist gewachsen

Seit 1990 seien bereits mehr als 6300 Wohneinheiten durch Hinterlandbebauung geschaffen worden. Die größten Potenziale sieht der Senat zurzeit in Bremen-Nord, Horn-Lehe und Obervieland. Allein in Blumenthal böten Baulücken Platz für 470 neue Wohneinheiten. Im gesamten Stadtgebiet könnten nach Auffassung der Landesregierung sogar 1312 Wohneinheiten in der zweiten Reihe entstehen.

Um entsprechende Bauvorhaben zu ermöglichen, seien bereits in der Vergangenheit mehrere Baupläne aufgehoben oder geändert worden, so der Senat. Nach Angaben der Landesregierung ist die durchschnittliche Grundstücksgröße für Bauplätze in Bremen in den vergangenen Jahren gewachsen – von 651 Quadratmetern im Jahr 2006 auf 974 Quadratmeter im Jahr 2014.

Allerdings fließen in diese Rechnung auch jene Grundstücke mit ein, auf denen mehrere Wohnungen gebaut wurden. Parallel ist auch der durchschnittliche Quadratmeterpreis in den meisten Stadtteilen gestiegen – am stärksten in Bremen-Mitte.

Vorhaben muss sich an Baugesetzbuch orientieren

Kostete ein Quadratmeter im Jahr 2006 noch durchschnittlich 520 Euro, waren es 2015 bereits 720 Euro. Im selben Zeitraum kletterten die Preise in Schwachhausen von 370 auf 560 Euro und in Findorff von 260 auf 450 Euro. Nur in Woltmershausen und Hemelingen sind die Preise von 185 auf 180 Euro und von 110 Euro auf 105 Euro leicht gesunken.

Wer angesichts dieser Entwicklung sein Haus lieber auf dem Grundstück der Eltern, Großeltern oder von Bekannten hochziehen will, muss sich seine Pläne vom Bauamt genehmigen lassen. Ferner muss sich das Vorhaben an den in Paragraf 34 des Baugesetzbuches formulierten Regelungen orientieren.

Demnach ist ein Bauvorhaben nur dann zulässig, „wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“. Die Bauherren müssen dazu die vorgegebenen Abstände zu den Nachbarn und zum Vorderhaus einhalten. Der Baugrund braucht zudem eine eigene Zufahrt zur Straße.

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