Weniger Bauprojekte

Bremer Baubranche dringt auf Investitionen

Bei öffentlichen Bauprojekten hat es nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im März einen deutlichen Rückgang gegeben. Im privaten Bereich überdenken Unternehmen ihren Bedarf an Büroflächen.
26.05.2020, 05:00
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Bremer Baubranche dringt auf Investitionen
Von Jürgen Hinrichs
Bremer Baubranche dringt auf Investitionen

Zu Beginn des Jahres waren die Auftragsbücher der Baubranche voll, doch nun bricht die Nachfrage ein.

Tobias Denne

Die Auftragsbücher der Baubranche waren voll, als das Jahr begann, doch jetzt bricht die Nachfrage ein. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes von Montag gibt es deutliche Rückgänge, insbesondere im öffentlichen Bau. Der Straßenbau sackte im März mit einem Minus von 12,4 Prozent regelrecht ab. Auch bei den privaten Investitionen in neue Gebäude sind die Aussichten wegen der Corona-Krise schlecht, wie eine Befragung unter Projektentwicklern ergab. Einer indes, der das anders sieht: Die Bremer Zech-Gruppe, Marktführer in dem Bereich, teilt auf Anfrage mit, dass die Baustellen des Unternehmens normal weiterliefen und es auch noch keine Absagen für geplante Projekte gegeben habe.

„Wenn schon zu Beginn des Lockdowns die Auftragseingänge so stark eingebrochen sind, müssen wir für die Konjunkturentwicklung der zweiten Jahreshälfte mit dramatischen Folgen rechnen,“ kommentiert Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), die Daten des Statistischen Bundesamts. Angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Baugewerbe bleibe es wichtig, dass die öffentliche Hand ihre geplanten Investitionsbudgets auch umsetzt. Dafür bräuchten die Kommunen dringend die Unterstützung von Bund und Ländern, so Pakleppa.

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Die Zech-Gruppe beklagt im Zusammenhang mit Corona lediglich die Kontaktbeschränkungen und Reiseverbote. „Dadurch haben sich bei unseren Geschäften die Anbahnungsprozesse verzögert“, erklärt Unternehmenssprecher Holger Römer. Dies gelte vor allem für die ausländischen Kunden. „Das ist aber schon wieder auf dem Weg zur Normalität“, so Römer.

Ein anderes Bild vermittelt das Ergebnis der Befragung unter den 23 größten Projektentwicklern in Deutschlands Großstädten. Die Mehrheit ist überzeugt, dass die Corona-Krise zu Verzögerungen bei Projekten am Bau führt. Fast jeder Zweite geht davon aus, dass sich konkrete Planungen verschieben werden. Gleichzeitig sagen die meisten Unternehmen aber auch, dass es nicht zu Abbrüchen ihrer Projekte kommen wird. Gefragt hatte Bulwiengesa, ein großes unabhängiges Analyseunternehmen der Immobilienbranche.

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Bremens stadteigene Flächen, zum Beispiel in der Überseestadt, werden von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) vermarktet. Zahlen darüber, wie sich das Geschäft entwickelt und ob die Nachfrage möglicherweise nachlässt, kann die WFB noch nicht liefern, weil die jährlich erhobenen Marktdaten zum Immobilienreport Bremen erst im dritten Quartal vorliegen. WFB-Chef Andreas Heyer hat sich aber einen Eindruck gemacht: „Zurzeit beobachten wir keine nennenswerten Anzeichen für Verzögerungen bei laufenden Immobilienprojekten“, sagt Heyer dem WESER-­KURIER.

Bei den Vorhaben, die in Planung seien, stelle er aber fest, dass sich viele Unternehmen Gedanken über die Zukunftsfähigkeit ihrer Projekte machten. „Die Krise regt zum Hinterfragen der Konzepte an.“ Dabei gehe es zum Beispiel darum, wie sich das vielfach praktizierte Homeoffice auf die Flächenbedarfe auswirken oder ob sich Nutzungen für Flächen insgesamt ändern. Heyer: „Das ist ein laufender Prozess. Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Bautätigkeit in Bremen werden wir erst mit einer gewissen Zeitverzögerung genauer beurteilen können.“

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Jens Lütjen, geschäftsführender Gesellschafter bei Robert C. Spies Immobilien, berichtet von Kunden, die ihre Anfrage für Büroflächen zunächst zurückgestellt haben: „Das waren kleine Betriebe, die bis zu 300 Quadratmeter haben wollten.“ Bei großen Unternehmen erlebt er diese Zurückhaltung nicht – „wir konnten gerade erst in der Neustadt Büroflächen von mehreren Tausend Quadratmetern vermieten“.

Was sich durch Corona, die Zeit im Homeoffice und eine verstärkte Digitalisierung sicherlich verändern werde, sei der Anspruch bei der Ausstattung der Flächen: „Es wird einen Druck auf die Qualität geben.“ In einer gemeinsamen Umfrage von Bundesarchitektenkammer und Bundesingenieurkammer hat ein Drittel von mehr als 6000 beteiligten Architekten berichtet, dass die Corona-Krise deutlich negative Folgen für die Arbeit habe.

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Sei es durch abgesagte oder zurückgestellte Aufträge, durch eine unterbesetzte öffentliche Verwaltung oder Störungen auf der Baustelle. Für das zweite Halbjahr rechnen die Architekten und Ingenieure mit einer deutlichen Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage, heißt es in einer Mitteilung der beiden Kammern.

„Das gilt sicherlich auch für Bremen“, sagt Oliver Platz, Präsident der Bremer Archi­tektenkammer. Ein paar seiner Kollegen würden bereits beklagen, dass Aufträge weg­gebrochen sind. Die eigentlichen Probleme kämen aber noch. „Wir brauchen in Bremen ein Konjunkturprogramm Bau, damit diese Wertschöpfungskette am Leben bleibt“, so Platz.

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