Hochstraße wird geliftet Baugrube vor dem Bahnhof: Zoff um Zaun

Seit Monaten können die Arbeiter in der Baugrube vor dem Bremer Bahnhof nicht tiefer buddeln. Grund sind die Versackungen rund um das Loch. Doch nun könnte es bald weitergehen.
20.07.2016, 00:00
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Baugrube vor dem Bahnhof: Zoff um Zaun
Von Jürgen Hinrichs

Seit Monaten können die Arbeiter in der Baugrube vor dem Bremer Bahnhof nicht tiefer buddeln. Grund sind die Versackungen rund um das Loch. Doch nun könnte es bald weitergehen.

Zwei Bauarbeiter mit Helm auf dem Kopf. Sie lehnen am Holzgeländer und schauen in die Grube hinein. Dort unten tut sich nichts, niemand, der auch nur eine Schaufel in die Hand nimmt. Dieser Teil der Großbaustelle vor dem Hauptbahnhof steht seit drei Monaten still. Doch nun kommt offenbar Bewegung in die verfahrene Situation.

Gearbeitet wird zurzeit nämlich doch, laut und vernehmbar: Hinter Planen bohren Arbeiter an der Hochstraße herum. Ihre Stützen bekommen im Bereich der Baustelle die Halterungen für Spezialgerät. Wenn’s soweit ist, kann die Straße angehoben werden, sie wird geliftet und hat nach den Absackungen im Untergrund dann wieder ihren alten Stand. „Einen Termin dafür gibt es noch nicht“, sagt Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde.

Sicher ist, dass die Hochstraße gesperrt werden muss, wenn sie zurück ins Lot gebracht wird. „Wahrscheinlich geschieht das an einem Wochenende“, so Tittmann. Danach, so die Annahme aller Beteiligten, kann es in der Grube weiter in die Tiefe gehen. Bis zur Sohle des dritten Untergeschosses fehlen noch rund fünf Meter.

Hochstraße wird angehoben

Die Straße hatte sich durch die Bewegungen im Erdreich leicht geneigt. Gemessen wurde eine Abweichung von drei Millimetern, was noch im Toleranzbereich liegt. Bei fünf Millimetern ist Schluss, spätestens dann muss nach Auskunft des Amtes für Straßen und Verkehr etwas unternommen werden. Vorsorglich wird die Hochstraße aber schon jetzt angepackt. Das Mittel dafür sind Hydrau­likpressen. Sie heben die Straße so weit an, dass Futterplatten eingesetzt werden können. Die Pressen an den Stützen werden erst dann wieder entfernt, wenn die Arbeiten im Baugrund abgeschlossen sind. Damit kann jederzeit gegengesteuert werden, sollte es zu weiteren Absackungen kommen.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Grube, zum Bahnhof hin, ist das Erdreich gleich um mehrere Zentimeter ins Rutschen gekommen – mit erheblichen Folgen für den Verkehr der Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Die Gleise A und B, zwei von insgesamt acht Gleisen vor dem Bahnhof, mussten Anfang Mai gesperrt werden und sind bis heute außer Betrieb. Wie es damit weitergeht, sollte am Dienstag Gegenstand von Verhandlungen zwischen der BSAG und dem Bauherrn sein.

An diesem Mittwoch, so ein BSAG-Sprecher, könnte es eine Entscheidung geben. Auf den beiden gesperrten Gleisen wird normalerweise der Verkehr der Straßenbahnlinien 4 und N 4 abgewickelt, außerdem fuhren dort die Busse 25 und N 5. Die Linie 4 ist eine der am meisten befahrenen Strecken der BSAG, sie wird am Bahnhof nun über ein anderes Gleis umgeleitet.

Schäden am Bauzaun

Im Großen hat die Baustelle bereits für viel Ärger gesorgt – im Kleinen tut sie das auch. Streitpunkt ist der Bauzaun. Für ein Projekt, das rund 100 Millionen Euro verschlingen wird, ist er in einem erstaunlich schlechten Zustand. Und das am Bahnhof, in einem Eingangsbereich der Stadt, der täglich von Tausenden Menschen genutzt wird. „Es ist ja nicht nur, dass der Zaun hässlich ist“, sagt die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Antje Grotheer, die sich um den Fall kümmert, „er soll an manchen Stellen auch zerstört und nicht mehr verkehrssicher gewesen sein.“ Grotheer wandte sich deshalb bereits an die Verkehrsbehörde.

Mehrfach hatte in der Vergangenheit auch die Baubehörde auf den Missstand hingewiesen. Der Investor, die Hamburger Achim-Griese-Treuhandgesellschaft, hat darauf reagiert, wie zu hören ist. „Ich kann das bestätigen“, sagt Behördensprecher Tittmann, „der Investor hat dem Bauunternehmen eine Mängelrüge übersandt.“ Die Tiefbaufirma habe daraufhin zugesagt, die Schäden am Bauzaun kurzfristig zu beseitigen und ihn auch zu säubern.

Gut möglich, dass mit dem Zaun noch anderes passiert. Es gibt Gespräche mit der Kunsthalle, die an einer Gestaltung interessiert ist. Ab Herbst, so die Hoffnung der Baubehörde, könnte sich das Erscheinungsbild deutlich verbessern. Wie genau, dazu wollte die Kunsthalle noch nichts sagen. Nur so viel: „Wir sind in Gesprächen mit dem Investor.“

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